Quelle: Archiv MG - ASIEN CHINA - Wie tot ist Mao?
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Marxistische Studentenzeitung 11/83
Lambsdorff und Warnke in China
DIE VOLKSREPUBLIK LÄSST SICH ENTWICKELN
Maos Nachfolger sind bereit zum Geschäft - für den Westen. Jetzt
geht es nur noch darum, das "Riesenreich" mit seinen vielen Chi-
nesen auch geschäftsfähig herzurichten.
Der deutsche Wirtschaftsminister war in China. Er hat dort ein
Investitionssicherungsabkommen vereinbart. Es garantiert deut-
sches Privateigentum mitten in der chinesischen Volksrepublik und
freien Gewinntransfer von dort nach hier. Damit werden deutschen
Industriellen, die im Land der Mitte etwas unternehmen wollen,
noch bessere Bedingungen zugesagt, als wenn der Geschäftsverkehr
mit der Volksrepublik sich auf den bloßen Verkauf von Gütern al-
ler Art beschränkt hätte. Dafür hat die chinesische Regierung
darauf verzichtet, die ökonomischen Aktivitäten auswärtiger Part-
ner auf die eigenen nationalen Entwicklungsvorhaben festzulegen.
Im Gegenteil: Noch vor jedem wirklichen Geschäft haben die Nach-
folger Maos bei sich ein Stück von jenem Produktionsverhältnis
importiert, das sie früher als Kapitalismus gegeißelt haben. Al-
les für die Hoffnung, das Reich der Mitte werde einen Aufschwung
nehmen. Sonst kamen keine großen Abschlüsse zustande.
Inzwischen ist Entwicklungsminister Warnke nach China gereist,
und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit
teilt mit, China "werde von der Bundesrepublik im Rahmen der
technischen Zusammenarbeit Entwicklungshilfemittel in Höhe von 15
Millionen Mark bekommen". Eine ziemlich mickrige Summe für das
Riesenreich, von dem es noch vor gar nicht langer Zeit hieß, dort
stünden der deutschen Wirtschaft unerschöpfliche wirtschaftliche
Möglichkeiten offen. Ja, Milliardengeschäfte standen vor geraumer
Zeit schon so gut wie fest. Und jetzt wird diese riesige Reich-
tumsquelle wie ein Entwicklungsland mit billigen 15 Millionen im
Reisegepäck abgespeist? Liegt das daran, daß die Chinesen fest-
stellen mußten, daß sie sich mit ihren großen Plänen übernommen
hatten, und deshalb die Milliardenprojekte storniert haben? Aber
da ist man doch auch sonst in der BRD nicht kleinlich, dann, wenn
große Geschäfte winken, sie mit Milliardenkrediten zu ermögli-
chen. Offenbar helfen China seine Menschenmassen und die grandio-
sen Rohstoffvorkommen herrlich wenig, wenn es mit potenten kapi-
talistischen Staaten wie mit der BRD ins Geschäft kommen will.
Der umworbene deutsche Partner entscheidet, ob der Abschluß eines
Projekts und die dafür notwendige kreditmäßige Grundlage lohnend
ist; und er sorgt dafür, d a ß das Geschäft lohnend wird. Die
"technische Zusammenarbeit", in die die 15 Millionen investiert
werden, umfaßt nämlich so grundlegende Projekte wie die Einfüh-
rung der deutschen Industrienorm (DIN) ins chinesische Produkti-
onswesen, Vorstudien über die Möglichkeiten eines nach deutscher
Expertenmeinung lohnenden Kohleabbaus usw. So werden die Weichen
dafür gestellt, China wie ein Entwicklungsland zu behandeln.
Geschäft und Gewalt hängen zusammen. Ohne Geschäft keine Gewalt,
ohne Gewalt kein Geschäft. Weil und seit China sich auf diese un-
angenehmen Prinzipien eingelassen hat, zeigt sich, daß ihm weder
Geschäft noch Gewalt in dem erforderlichen Mindestmaß zu Gebote
stehen. Sonst gäb's das doch wohl nicht, daß ein Repräsentant der
kleinen BRD dem Riesenreich die fortan gültigen Geschäftsbedin-
gungen diktiert.
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