Quelle: Archiv MG - ASIEN AFGHANISTAN - Vom heiligen Krieg des Westens
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Bremer Hochschulzeitung Nr. 21, 16.10.1980
AFGHANISTAN: LEICHEN FÜR DIE FREIHEIT
Kriege sind schrecklich - denkt man. Es gibt aber Kriege, die
passen so hervorragend ins ideologische Weltbild, daß ihre
Schrecken zu so manchen Genüssen Anlaß geben. Die Afghanen hat
man jedenfalls dafür zu bewundern, daß sie mit ihrem islamischen
Fanatismus - der zwar von demselben Kaliber ist wie der ihrer
iranischen Nachbarn, aber, weil auf der richtigen Seite betätigt,
aus den verheizten Bauern "heldenhafte Freiheitskämpfer" macht -
der großen Sowjetunion einen dicken Strich durch die Rechnung ma-
chen. Deren Unterfangen, im fernen Zentralasien mit einem Stück
offensiver Weltmachtpolitik der fortschreitenden Schwächung ihres
"sozialistischen Lagers" Einhalt zu gebieten, ist nun doch nicht
mit einem Blitzkrieg erledigt, sondern kostet halbe Völkerschaf-
ten und viele, viele Rotarmisten ihr Leben. Der Westen besoldet
und bewaffnet auf den gehörigen Umwegen die Widerstandskämpfer
und hält so das Blutbad in Gang. Die für ihre humane Gesinnung
berühmte demokratische Öffentlichkeit verbucht derweil den Fort-
gang des Blutbads erfreut als Beleg für die moralische Überlegen-
heit des Westens, weil dessen Vormächte momentan keinen Krieg
selber zu führen brauchen. Und die Sowjetunion muß zur Kenntnis
nehmen, daß der Westen ihr alles aufkündigt, was sie als Kumpanei
in Sachen Beherrschung der Welt mißverstanden haben könnte: Die
Drohung der USA, beim nächste nach ihrem Ermessen ausgewählten
Anlaß kriegerisch gegen den Weltmachtanspruch der Sowjetunion
vorzugehen, ist wahrlich unmißverständlich.
Und so gesehen, haben die afghanischen Leichen doch ihren guten
Sinn, oder?
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