Quelle: Archiv MG - ASIEN AFGHANISTAN - Vom heiligen Krieg des Westens


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       13.01.1990
       

"FREIHEIT FÜR AFGHANISTAN" - EINE BLUTIGE BILANZ!

Afghanistan, 15. Februar 1989. Die sowjetischen Soldaten sind wieder draußen aus dem Land. Die Hilfe der Sowjetunion für ihre Verbündeten beschränkt sich auf Militärhilfe - also ungefähr auf das, was die westlichen Länder, gemeinsam mit den rechtgläubigsten arabischen Regierungen, seit Jahren an ihre Verbündeten schicken, um den "Bürgerkrieg" in Schwung zu bringen und zu halten. Und jetzt? Zufriedenheit im Westen, Entgegenkommen gegenüber dem Osten und den sowjetischen Sicherheitsinteressen in Asien? Von wegen! Die Hetze geht weiter; jetzt erst recht gegen die afghanische Re- gierung, die es ja immerhin auch noch gibt. Die "muß bedingungs- los kapitulieren", weiß der CDU-Scharfmacher Todenhöfer und schreibt das als guten Rat an Gorbatschow in die "Bild am Sonn- tag". Und warum? Damit das Blutvergießen aufhört... Schön geheu- chelt! Gehören zu einem Krieg nicht immer noch zwei Parteien? Sind da nicht die von Todenhöfer so geschätzten Glaubenskrieger heftig unterwegs, um gründlich und blutig abzurechnen? Die afgha- nische Regierung versucht - meint der CDU-Mudschaheddin -, "die Zivilbevölkerung von Kabul als Geiseln zu benutzen" und sich hin- ter den 2,5 Millionen "Leibern" der Leute zu verstecken, die in die Hauptstadt geflohen sind. Ja, hatten diese zweieinhalb Mil- lionen nicht vielleicht gute Gründe, lieber in den Machtbereich ihrer Regierung als zu den frommen Söldnern zu flüchten, die der Westen von Pakistan aus losgeschickt hat? Gorbatschow sollte - meint der CDU-Mann in Bonn - alle Kommunisten aus Afghanistan ausfliegen, damit Frieden einkehren kann. Und das soll eine Le- bensversicherung sein für die Leute, die längst im Namen Allahs und der westlichen Freiheit zum Abschuß freigegeben sind? Der Fa- natismus, mit dem die Chefs der afghanischen Mudschaheddin jeden Kompromiß und jede "Aussöhnung" ablehnen, ist schließlich im We- sten wohlbekannt. Typen wie Todenhöfer gefällt das: "Kein Volk der Welt will sich von den millionenfachen Mördern seiner Frauen und Kinder regieren lassen!" Die Übertreibung mal beiseite gelassen: Was spräche denn dann da- für, daß die Afghanen sich, statt von der kommunistischen Regie- rung, lieber von religiös durchgedrehten oder opportunistisch be- rechnenden Parteichefs befehligen lassen, die ohne Skrupel Flüchtlinge wie daheimgebliebenes Volk gegen die russischen "Teufel" verheizt haben?! Nebenbei: Von wem hat sich eigentlich Todenhöfers gutes deutsches Volk im letzten Weltkrieg bis zum bitteren Ende kommandieren lassen - und von wem anschließend?! Dagegen wäre den afghanischen Regierungsmenschen ja glatt zu bescheinigen, daß sie wenigstens noch ein paar Errungenschaften in ihrem Regierungsprogramm hatten, die sie gegen den vom Westen besoldeten Aufruhr verteidigen wollten! Ach ja, herzensgut meint es der CDU-Hetzer mit seinen afghani- schen Schäflein am Ende auch noch: Ein "großes Hilfsprogramm nach dem Vorbild des Marshallplans für Deutschland" möchte er ihnen schenken. Neun Jahre lang haben die freiheitlichen Berater und Betreuer des afghanischen Widerstands jede noch so sture und rückständige Ablehnung der Zentralgewalt in Kabul und jeden Auf- stand gegen Wirtschaftsentwicklung, Landreform und ein bißchen zivilisatorischen Fortschritt ausgenutzt und angeheizt. Alles ha- ben sie getan, damit nach dem letzten großen Blutvergießen erst einmal gar keine planmäßige Produktion im Lande stattfindet; - und dann ein "Marshallplan"? Mit afghanischer D-Mark und einem afghanischen Ludwig Erhard womöglich? Aber an einen wirt- schaftlichen Aufbau hat der Experte Todenhöfer bei seinem Einfall sowieso gar nicht gedacht, sondern an die p o l i t i s c h e A u s r i c h t u n g, die er dem Land verpassen möchte: Nach dem Vorbild der BRD ein bewaffneter antikommunistischer (NATO-) Frontstaat im Süden der Sowjetunion, d a s wäre ihm gerade recht! Was kümmert es diesen guten Menschen in Bonn, daß ein solches "Wiederaufbauprogramm" für gar nichts gut ist als für die nächsten Leichen?! zurück