Quelle: Archiv MG - AFRIKA ZIMBABWE - ehemals Rhodesien
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MSZ 5/81
Zimbabwe
EIN MUSTERFALL VON ENTKOLONIALISIERUNG
Den Meldungen über "großzügige Hilfszusagen", mit denen Zimbabwe
kürzlich auf der "Geberländerkonferenz" (ZIMCORD) bedacht wurde,
war zu entnehmen, daß dem freien Westen mit der Überführung der
Siedlerrepublik Rhodesien in die schwarze Selbstherrschaft eine
geradezu mustergültig geplante und durchexerzierte Staatengrün-
dung gelungen ist. Im letzten Fall der Entkolonialisierung Afri-
kas müssen sich die lokalen Potentaten gar nicht erst lange in
einem von Imperialismus inszenierten "Lernprozeß" dazu hinarbei-
ten,- das Land so einzurichten, wie es gebraucht wird.
Denn der "Glücksfall Mugabe" hatte von vornherein die Prämissen
der Staatsgründung akzeptiert und in sein Staatsprogramm über-
setzt: Weder ließ er Zweifel über die Zuständigkeit des richtigen
weltpolitischen Lagers aufkommen - die Sowjetunion, im Guerilla-
krieg noch willkommener Waffenlieferant, war auf der ZIMCORD-Kon-
ferenz nicht einmal vertreten - noch über die Respektierung der
Ordnungsmacht Südafrika; seine erste Amtshandlung war das offi-
zielle Dementi der Vorstellung, zimbabwescher "Sozialismus"
enthielte irgendeinen Gegensatz zu den Bedürfnissen des Welt-
markts; im Gegenteil ist er laufend "enttäuscht" darüber, daß die
westliche Welt seine Perspektive, das "Angebot Zimbabwe" immer
noch attraktiver ausgestalten zu wollen, mit ziemlich mäßiger Be-
geisterung zur Kenntnis nimmt. Alternativen waren die
zimbabwe'schen Befreiungsbewegungen ja sowieso nicht wegen diffe-
rierender Programme, sondern einzig und allein unter dem Ge-
sichtspunkt, wer sich am besten durchsetzt. In diesem Sinne ist
die Wahl der "radikalsten" Alternative inzwischen glänzend ge-
rechtfertigt - Mugabe führt sich eben auch hier so auf, als hätte
er aus allen bisherigen Unabhängigkeitsprozessen die Lehren gezo-
gen. Dieses "Entwicklungsland" qualifiziert sich genau dadurch
für ein Vertrauensvotum der "Geberländer" daß es mit der Hilfe
der milden Gaben alle für den Imperialismus interessanten Ein-
richtungen des alten Rhodesien erhält und im Gefolge davon sämt-
liche Zustände h e r s t e l l t, mit denen nach offizieller
Lesart die "Entwicklungshilfe" immer so schwer und fast hoff-
nungslos zu ringen hat.
Die Endlösung der "Landfrage"
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"Am Beginn seines zweiten Amtsjahres bleibt Mugabes Hauptsorge
die gleiche wie in den vergangenen zwölf Monaten - die Notwendig-
keit, Bestrebungen der Schwarzen entgegen zu kommen und gleich-
zeitig das Vertrauen der Weißen zu erhalten, deren Fähigkeiten
für die zukünftigen ökonomische Stabilität des Landes benötigt
werden. Bis jetzt ist es ihm gelungen, dieses heikle Gleichge-
wicht (!) mit bemerkenswerter Geschicklichkeit aufrecht zu erhal-
ten... Eine der vielen Paradoxien (!) des unabhängig gewordenen
Zimbabwe besteht darin, daß die fünftausend weißen kommerziellen
Farmer, die Gruppe, die mehr als jede andere für die Unterstüt-
zung für Ian Smith und seine Versuche, die Macht in weißen Händen
zu halten, verantwortlich war, nun zu den begeistertsten Anhän-
gern von Premierminister Mugabe gehören." (Times, 6.4.1981)
Das "Gleichgewicht" sieht eben so aus, daß es in Zimbabwe inzwi-
schen einerseits eine höchst offiziell ausgerufene
"Erwartungskrise" der von "Land(!)hunger" geplagten Volksmassen
gibt, auf der anderen Seite weiße kommerzielle Farmer, die ihr
neues volksverbundenes Staatsoberhaupt ganz ohne rassistische
Vorurteile schulterklopfend als "Good Old Bob" titulieren. Eine
"Paradoxie" ist das keineswegs, sondern die Konsequenz von Muga-
bes vielgelobtem Entschluß,
"seinen Sozialismus nicht in den Ruinen der wirtschaftlichen Er-
rungenschaften Rhodesiens zu errichten, sondern auf den Erfolgen
seines Vorgängerstaates aufzubauen."
Diese Erfolge bestanden darin, daß die weißen Faschisten den
Großteil der schwarzen Bevölkerung in unfruchtbare Reservatsge-
biete zwangsverfrachtet haben, um mit der Einrichtung dieses
"Subsistenz(!)sektors" alle Hindernisse für den Betrieb rentabler
Großplantagen aus dem Weg zu räumen, das Elend der für unbrauch-
bar befundenen Schwarzen auszugliedern und zugleich zu garantie-
ren, daß ihnen die für Farmen und Bergwerke benötigten Billigst-
arbeiter überreichlich zur Verfügung standen. Auf dieser Grund-
lage hatten mit modernen Anbaumethoden wirtschaftende weiße Far-
mer das Land zum zweitgrößten Agrarexporteur Afrikas gleich hin-
ter Südafrika gemacht - im letzten Jahr ging mehr als die Hälfte
der staatlichen Deviseneinnahmen auf ihr Konto. Mit dem erklärten
Anliegen der schwarzen Nationalisten, einen Exodus der Weißen zu
verhindern und sich dieses schöne Erbe zunutze machen zu wollen -
Mugabe sieht in Zimbabwe schon die zukünftige "Nahrungsmittel-
kammer Afrikas" - hatte Mugabe also den Beweis anzutreten, daß
die privilegierte Geschäftemacherei der ehemaligen Herrenmenschen
keineswegs dadurch gefährdet ist, daß sie ebenso wie die
Lohnsklaven auf den Feldern mittlerweile zimbabwische Staats-
bürger sind. Heute werden bessere Geschäfte denn je gemacht, weil
sich die schwarze Regierung bereitwillig dazu erpressen läßt, den
Farmern mit Abnahme- und Preisgarantien "Anreize" zu bieten,
sprich: sich die Erhaltung ihrer bis dato größten Devisenquelle
ihrerseits etwas k o s t e n zu lassen.
"Landverteilung" - die Freiheit des Souveräns
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in den schwarzen Reservaten
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Mit der Unantastbarkeit und Förderung des kommerziellen Sektors
hat sich die neuinstallierte Herrschaft von vorneherein darauf
festgelegt, daß die fruchtbaren, systematisch kultivierten Böden
der Großfarmer zu wertvoll sind. Damit ist der Hunger der
"Subsistenzbauern" festgeschrieben und die Befreiungsparole "All
Land to the People" genau so verwirklicht, wie sie von Anfang an
gemeint war. Ganz im Gegensatz zu sonstigem Souveränitätsgetue
beruft sich Mugabe - so als hätte er niemals dazu seine Zustim-
mung gegeben - auf die im Londoner Lancaster Haus beschlossene
Verfassung, die Enteignungen verbietet und für Landankäufe der
Regierung die Einwilligung des Verkäufers voraussetzt. Auf dieser
Basis stehen Ländereien selbstverständlich immer dann nicht zum
Verkauf, wenn darauf ein rentierlicher und von der Regierung ren-
tierlich gemachter Anbau betrieben wird. Ansonsten ist ja sowieso
kein Geld für größere Landankäufe da. Sehr billig kam es dagegen,
die Tribal Trust Lands in "Aufbaugebiete" umzubenennen - oder
auch ein paar Siedlungsprojekte anzuleiern, die dann entsprechend
aussehen:
"...dann wurde er Mitte letzten Jahres unter 3000 Anwärtern dazu
auserwählt, auf früheres weißes Farmland zu ziehen... Mr. Madau
ist immer noch verzweifelt arm, aber zum ersten Mal in seinem Le-
ben hat er Hoffnung... Jede Familie wurde auch mit einem Sack
Saatgut, einigen Gerätschaften und etwas Kunstdünger ausgerüstet,
so daß sie in der Lage sein sollten, sich selbst zu ernähren,
wenn diesen Monat das Noternährungsprogramm der Regierung aus-
läuft... Das Land ist nicht von sehr guter Qualität, woraus sich
erklärt, daß die meisten der weißen Farmer nur zu froh waren, als
sie es an die Regierung verkaufen konnten." (Times, 7.4.81)
(Das macht aber nichts, denn "Land hat für Afrikaner - ob es kul-
tiviert ist oder nicht - einen historischen, kulturellen, fast
spirituellen Wert, der für europäische Köpfe unverständlich er-
scheint.")
Und wenn "Mr. Madau" seine Maiskörner vergraben hat, darf er noch
im neugegründeten sozialistischen Dorfkomittee mittun, das sich
laut Regierungsverlautbarung um alle "Belange von Sicherheit und
Ordnung" und den "traditionellen afrikanischen Kollektivismus"
kümmert. Der "Afrikanische Sozialismus" der Mugabe-Partei ZANU-PF
findet also ausschließlich neben dem commercial sector statt und
verschafft als "Revolution auf dem Lande" einigen Reservats-
flüchtlingen eine Anwendung ihrer Arbeitskraft auf "schwarzen
Farmen", was die staatliche Maisverteilung entlastet und die Ge-
fahr von Raubzügen bzw. illegalen Squattersiedlungen auf bereits
kultiviertem Gebiet mindert. Dies hat auch ein weißer Farmer an-
erkannt:
"Ich bin überzeugt, daß das Landbesiedlungsprogramm weitergehen
kann, ohne die Lebensfähigkeit des kommerziellen Sektors zu be-
einträchtigen. Ich wünsche mir geradezu, daß die Regierung end-
lich damit vorankommt." (Times, 8.4.81)
Zur "disziplinierten" Ausweitung des "Subsistenzsektors" gehören
natürlich Polizeirazzien in den Slums der Hauptstadt, um den Zu-
strom hungernder Reservatsbewohner in Grenzen zu halten, die
rasch feststellen müssen, daß auch ein in Harare umafrikanisier-
tes Salisbury keine Verwendung für sie hat. Die Verwaltung der
unnützen schwarzen Massen unterstützt das ZIMCORD-Programm in ih-
ren beiden Varianten: Geld für die Zahlungen an verkaufswillige
weiße Grundbesitzer und Hilfe bei der "Reorganisation der Verwal-
tung", also für den Aufbau eines schlagkräftigen Polizeiappa-
rates.
Der Weg zum normalen "Entwicklungsland"
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Gerade indem die schwarze Herrschaft alles unternimmt, um sich
die für afrikanische Verhältnisse ausnahmsweise wirtschaftliche
Stärke des Landes zu erhalten, erreicht sie alles andere, als
sich zum Subjekt und Nutznießer nationaler Wirtschaftserfolge
aufzuschwingen. Geradezu exemplarisch die 50%ige Erhöhung des
staatlich garantierten Erzeugerpreises für Mais, mit der der
"enttäuschenden Reaktion auf das Wiedererscheinen des zimbabwe-
schen Tabaks auf dem Weltmarkt" - Absatzprobleme und Preisverfall
-
begegnet werden sollte: Diese Spekulation auf den Absatzmarkt in
den umliegenden "Hungerleiderländern" - dafür, als garantiert
schwarzafrikanische "Nahrungsmittelkammer" den bisherigen Lie-
feranten Südafrika, aus dem Feld zu schlagen, sollte die alte
Frontstaatensolidarität gut sein! - ging aufgrund flotter Produk-
tionsumstellungen und günstiger Witterung so gut auf, daß jetzt
"Maisprobleme völlig anderer Art" bestehen:
"Mit dem schnellen Wachstum von Mais und Erzeugerpreis hielt aber
der Einkommenszuwachs der Bevölkerung nicht Schritt. Deshalb kann
die Regierung die Kosten für den höheren Garantiepreis nicht
durch gleichermaßen erhöhte Verbraucherpreise ausgleichen. Der
Preis für das Maismehl, das die Grundlage der Nahrung aller
Schwarzen bildet, müßte um 100% erhöht werden. Erhebliche Unruhen
unter den noch immer auf erhebliche Umverteilungen zu ihren Gun-
sten hoffenden Arbeitern wären auch bei Preiserhöhungen um etwa
30% zu erwarten, ist in Salisbury zu erfahren... Da der junge
Staat Zimbabwe die Subventionen für einen hohen Maiserzeugerpreis
auf Dauer nicht ohne Kompensation zahlen kann, richten sich viele
Hoffnungen auf den Export, etwa in die hungernden Nachbarländer.
Damit aber sind neue Probleme verbunden." (Neben dem von Süd-
afrika inszenierten Transportproblem vor allem die Tatsache, daß
auch in den Nachbarländern Hunger noch lange keine zahlungsfähige
Nachfrage erzeugt.) "Obwohl auch Südafrika mit Verlust exportie-
ren wird, sind dort die Maisprobleme doch nicht so brisant wie in
Zimbabwe." (Rhein-Neckar-Zeitung, 8.3.81)
Im Ergebnis nützt es Mugabe wenig, daß er der Sache mit den
"erheblichen Unruhen" gelassen entgegensieht und bereits unter
dem Titel "Kürzung der Lebensmittelsubventionen" ankündigen läßt,
daß die Gewinnsubventionen für die Farmer über eine Erhöhung der
Lebensmittelpreise finanziert werden sollen. So taugt der schöne
"Überschuß" beim Grundnahrungsmittel durchaus als Motor der Ver-
elendung der schwarzen Massen, nie und nimmer allerdings zur Meh-
rung des Staatsreichtums. Soweit es Mugabe überhaupt gelingt, den
teuer bezahlten Maisüberschuß zu Schleuderpreisen nach auswärts
abzusetzen, läuft das "Maisgeschäft" für den zimbabwe'schen
S t a a t unter dem Strich darauf hinaus, Deviseneinnahmen
d a d u r c h zu erzielen, daß Zimbabwe in Rekordzeit den Weg
zum stinknormalen "Weichwährungsland" zurücklegt und seinen Devi-
senbettler-Status fixiert. Ein anderes Ergebnis kann die Garan-
tiepreispolitik wegen des darin enthaltenen Widerspruchs auch gar
nicht haben: Setzt der Staat mit seinen "Anreizen" darauf, daß er
mit bestimmten agrarischen Rohstoffen eine lukrative Devisen-
quelle in der Hand hätte, so enthält die damit gegebene
p o l i t i s c h e Gewinngarantie zugleich das entgegengesetzte
Eingeständnis, daß es sich dabei im Verhältnis zur Bewegung der
Weltmarktpreise um ein noch sehr f r a g l i c h e s Geschäft
handelt (sonst würden sich die Farmer auch nicht erst lange
"ermutigen" lassen!).
Zimbabwes "Erfolg", mit der prompten Aufnahme des Landes in die
Reihe der "AKP-Staaten" das imperialistische Standardthema
"Stabilisierung der Rohstofferlöse" auf die Tagesordnung zu set-
zen, beinhaltet denn auch eine klare Auskunft der EG über diese
Sorte von Staatseinkommen:
"Zimbabwe tritt diese Woche einem der reichsten Clubs der Welt
bei - der EG. Die Mitgliedschaft (!) kann Hunderte von Millionen
Dollars ins Land bringen." (Sunday Mail, Salisbury, 2.12.80)
"Was nun gebraucht wird, ist größere ökonomische Hilfe der ent-
wickelten Welt, um Zimbabwe die ausländischen Devisen zu geben,
die es braucht, um in größerem Maßstab Handel treiben zu kön-
nen... die härtesten Verhandlungen, die ich je erlebt habe... Ich
sage noch einmal, daß unsere Quoten ziemlich niedrig sind."
(David Smith, Minister für Handel und Industrie)
"EG-Entwicklungskommisar Claude Cheysson beschwor alle Unter-
zeichner zu der Übereinkunft, daraus ein 'Modell der Zusammenar-
beit zwischen industrialisierten und Entwicklungsländern' zu ma-
chen." (The Herald, Salisbury, 5.11.80)
Zum einen wurde der freie Zugang zimbabwescher "Naturreichtümer"
zum EG-Markt durch Preisgarantien, die noch unter dem Weltmarkt-
niveau liegen, erkauft. Zum anderen stellten die EG-Staaten mit
"enttäuschenden" Abnahmequoten, etwa für Rohzucker, klar, daß
auch die Inanspruchnahme von auswärtiger Billigangeboten immer
noch von ihrer Entscheidung abhängt, welchem Konkurrenzdruck sie
z.B. die hiesigen Zuckerrübenbauern aussetzen wollen. Auch die
Frage, ob Zimbabwes reichsortiertes, noch weitgehend unerschlos-
senes Mineralienreservoir überhaupt jemals exportiert wird, ent-
scheidet sich einzig und allein an der Kalkulation westlicher Ka-
pitale, ob die Erschließung f ü r s i e ein Geschäft ist - so
daß das Aufrüstungsprogramm der USA derzeit in Zimbabwe als
"Haupthoffnung" gehandelt wird, nämlich für den Aufschwung der
Chromförderung.
Kapitalanlagesphäre Zimbabwe
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"Das größte wirtschaftliche Problem wird sehr wahrscheinlich auch
1981 die Devisenknappheit sein. Eine gewisse Erleichterung in
dieser Hinsicht ist von dem Hereinfließen höherer internationaler
Hilfeleistungen und ausländischer Privatinvestitionen zu erwar-
ten. Um sich jedoch die Mittel aus diesen Quellen in einem nen-
nenswerten Umfang zu erschließen, muß Zimbabwe ein Bild absoluter
Zuverlässigkeit, solider Führung und aussichtsreicher Investiti-
onsmöglichkeiten bieten, wie es ein gut informierter Beobachter
formulierte." (Nachrichten für Außenhandel, März 1981)
Praktisch löst sich das Devisenproblem schlicht dahin auf, daß
für das schwarze Staatswesen nur dann mehr herausspringt, wenn
der Westen investiert. Gerade die Maßnahmen, mit denen Mugabe die
ererbten ökonomischen Besonderheiten des Landes in den Dienst der
"Eigenständigkeit" stellt - neben der Agrarpreispolitik vor allem
die Ausrichtung des "Manufaktursektors" auf Importsubstitution -,
bestätigen diese Sicherheit der internationalen Geschäftswelt:
Der negative Erfolgsmaßstab der Devisen e i n s p a r u n g den
die staatlichen Devisenbewirtschafter mit Importrestriktionen an
die paar, einst von Südafrika eingerichteten Industrien anlegen,
zeigt ja gerade, daß diese keinen internationalen Preisvergleich
aushalten. Bleibt also, daß die zimbabweschen Sozialisten hoff-
nungsfroh mit ihren schönen Kapitalanlagemöglichkeiten hausieren
gehen konnten - sofern und weil sie bereit waren, alle Ansprüche
auf Gegenleistungen dem Beweis unterzuordnen, keinesfalls den Ge-
schäften des Investors im Wege stehen zu wollen.
"Nach der Haltung seiner Regierung gegenüber privaten Investitio-
nen in Zimbabwe gefragt, sagte Alwin Brück, der Leiter der deut-
schen Delegation auf der ZIMCORD, daß Siemens in ein Joint Ven-
ture mit einem lokalen Partner eingestiegen sei... 'Ich machte
dem zimbabweschen Regierungsvertreter klar, daß kein Privatinve-
stor aus Wohltätigkeitsgründen nach auswärts geht, und er ver-
stand das und akzeptierte, daß er keine menschenfreundliche Hal-
tung erwarten konnte', sagte Herr Brück." (The Herald, 26.3.81)
Um das Ge- oder Mißlingen menschenfreundlicher Taten ist es zwar
in der Frage der von Siemens an den zimbabweschen Staat abzulie-
fernden Revenue sowieso nicht gegangen. Dieser hat aber schnell
gelernt, welche Vorleistungen er zu erbringen hat: Keine Restrik-
tionen in Sachen Gewinnrücktransfer und freie Hand bei Investi-
tionen und Reinvestitionen.
Zu welchen "Konzessionen" sich Mugabe auch immer noch bereit fin-
den mag: Ob Kapitalisten das "Angebot Zimbabwe" ergreifen, ent-
scheidet er deswegen aber noch lange nicht. Die Geschäftemacher
registrieren Mugabes "Pragmatismus" mit gelassenem Wohlwollen und
die "Geberländer" finanzieren einstweilen erstmal die nötigen
Transportwege und sonstige Infrastruktur.
Ruhe und Ordnung
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"Es gibt Leute, die beklagen sich dauernd, daß die Revolution
nicht weitergeht, und dabei sind die die faulsten und unmora-
lischsten in der Partei... Ihr müßt daran denken, daß es in jeder
Organisation verdorbenes Saatgut gibt, mit dem man sich befassen
muß, bevor die Mehrheit der Leute infisziert wird." (Mugabe-An-
sprache, lt. Herald, 27.7.81)
Tatsächlich war die Neger-Mannschaft, die Mugabe für seine Macht-
übernahme benützt hat - insbesondere die ZIPRA-Kämpfer seines in
der Wahl unterlegenen Rivalen Nkomo - eine ausgesprochen lästige
Hinterlassenschaft des Befreiungskrieges.
Mugabes offenherziges Kalkül,
"die beste Möglichkeit die Freischärler zu entwaffnen (!) sei
nach wie vor, sie in die Streitkräfte zu integrieren."
(Süddeutsche Zeitung, 18.11.1980)
war selbstverständlich nicht so gemeint, daß sich die Regierung
eine nutzlose Aufblähung ihres Militärapparates zum Zweck der
bloßen Unterbringung verdienter Kämpfer hätte leisten wollen;
heute verkündet Mugabe zugleich mit dem "Abschluß der
Integration" (= Einsatz zu "einfachen Arbeiten" in den ehemaligen
Reservaten) ab sofort jeden noch mit Waffen herumlaufenden
Guerillero als "gesetzloses Element" zu behandeln, und daß
massenweise Entlassungen aus der Armee unumgänglich seien.
Was Zimbabwes Herrschaft braucht, ist eben eine schlagkräftige
Elitetruppe: "Integriert" wurden daher vor allem die alten rhode-
sischen Streitkräfte.
Sie erhielten denn auch gleich ein leichenträchtiges Betätigungs-
feld bei der "Schlichtung" von "Stammesfehden" zwischen den ver-
bliebenen Guerillaheeren, die sehr wenig mit altafrikanischen
Sitten und Gebräuchen zu tun hatten, um so mehr aber damit, daß
die "Zimbabwer" über ihre S t a m m e s z u g e h ö r i g-
k e i t für die Machtambitionen der konkurrierenden Befreiungs-
führer begeistert worden waren und deshalb auch nicht daran
dachten, wie gesittete demokratische Staatsbürger nach der Wahl
zur Tagesordnung überzugehen. Insbesondere die Kämpfer aus der
Nkomo-Anhängerschaft mußten blutig dafür bezahlen, daß ihr
Stammesstolz so zu nichts nütze war:
"'Während des Krieges', sagte uns ein weißer Leutnant, als er be-
obachtete, wie Leichen aus Armeelastwagen verladen wurden,
'mußten wir tagelang im Busch herumlaufen, bevor wir einen erle-
digen konnten. Jetzt fahren wir hierher, machen Teepause, und
fahren am Morgen wieder ab'. Immerhin hat die Regierung gezeigt,
daß sie schnell und entschieden mit einer Bedrohung ihrer Autori-
tät fertigwerden kann... ähnlich zeigte das gemeinsame Oberkom-
mando, das die Führer von ZANLA und ZIPRA sowie der früheren rho-
desischen Sicherheitskräfte umfaßt, daß es effizient zusammenar-
beiten kann, sogar obwohl die betreffenden Streitkräfte sich ge-
genseitig umbringen." (Times, 15.2.81)
Für Mugabe traf es sich ausgesprochen günstig, daß große Teile
der Kämpfer seines Rivalen auf eigene Faust losschlugen und so zu
einem bloßen Unruhefaktor wurden: Nkomo, der laufend mit seinem
verbliebenen Guerilla-Heer und im Busch versteckten Waffen ge-
droht, und so seine Unentbehrlichkeit für eine stabile Herrschaft
angemeldet hatte -
"Bin ich nur ein Ornament?... ohne ZAPU-Beteiligung ist die Si-
cherheit des Landes in Gefahr" -
mußte sich nach dem Gemetzel fragen lassen, ob seine Stammesbrü-
der denn überhaupt auf ihn hören. Mit dem souveränen Einsatz des
Gewaltapparates bekam er demonstriert, daß es darauf auch gar
nicht so sehr ankommt -
"Nkomos Position deutlich geschwächt" -
und mußte froh sein, den Truppeneinsatz mitbefehligen zu dürfen.
Inzwischen kann sich die hiesige Presse dem "Problem" widmen, ob
sie den in Aussicht gestellten Einparteienstaat als Ausgeburt ty-
pischer afrikanischer Eigenarten würdigen oder in der
"Integration" von Nkomo und weißer Parlamentsfraktion doch mehr
eine Gefahr für Ruhe und Ordnung sehen soll.
Die Macht der Rhodesian Rifles und die des gegenwärtigen Premier-
ministers fallen eben nur solange zusammen, wie es den in der
Rhodesischen Front zusammengeschlossenen Nutznießern der alten
und neuen Herrschaft genehm bleibt. Im gegenteiligen Fall ent-
scheidet sicher nicht die ZANU-Privat-Brigade, die sich Mugabe
derzeit von nordkoreanischen Ausbildern aufbauen läßt. Schließ-
lich teilt der Nachbar Südafrika der zimbabweschen Herrschaft
schon jetzt laufend mit, welche Freiheiten sie sich herausnehmen
darf.
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