Quelle: Archiv MG - AFRIKA ZIMBABWE - ehemals Rhodesien
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MSZ 2/80
Südliches Afrika
AUS RHODESIEN WIRD ZIMBABWE
"Die Leute waren nicht aggressiv, nur fast aus dem Häuschen vor
Freude... Hubschrauber kontrollierten die aufgeregte, aber fried-
liche Menschenmenge... überall ertönte der Schrei des Hahns, und
überall ahmten die Leute mit den Armen das Flügelschlagen des
ZANU-Wappentiers nach" (Frankfurter Rundschau 5.3.80)
Wenn anläßlich der Unabhängigkeitsfeier am 18. April eine il-
lustre Versammlung auswärtiger Freunde, also Interessenten - un-
ter ihnen der oberste BRD-Völkerfreund Genscher, aber trotz in-
tensiver eigener Bemühungen kaum ein Honecker - der neugeborenen
Nation Zimbabwe samt ihrem zum "hochgebildeten" und "verant-
wortungsbewußten Staatsmann" beförderten Ex-"Terroristen" Robert
Gabriel Mugabe und dessen neuerworbenen Freund und Staats-
präsidenten mit dem ungemein einschlägigen Namen Canaan Banana
ihre Reverenz erweist, wenn die Flagge gehißt, die Nationalhymne
gespielt und die neue Regierung unter tatkräftiger Mithilfe Got-
tes und des Prinzen Charles vereidigt wird, dann haben nach dem
Urteil aufgeklärter Neger und ihrer linken Freunde hierzulande
die schwarzen Volksmassen dort drunten einen bedeutenden Sieg
über Imperialismus und Neokolonialismus errungen.
Dabei geben nicht nur die gar nicht rassistisch gemeinten
Lobsprüche westlicher Zeitungen über diese neue glänzende Bewäh-
rungsprobe des britischen Naturtalents zur Staatenbildung davon
Zeugnis, daß der Sieg der Demokratie in Afrikas Südosten ziemlich
genau das Gegenteil der Illusion bedeutet, die kapitalistische
Weltherrschaft hätte dort eine Bastion verloren. Was sich in Rho-
desien bisher als demokratisch-christliches Bollwerk gegen
schwarzen Kommunismus und den Vormarsch der SU bis zum Kap der
Guten Hoffnung aufgespielt hat, wurde vom freien Westen gegen et-
was unvergleichlich Angenehmeres eingetauscht: gegen Zimbabwe,
einen unter allgemeinem Beifall der afrikanischen Staatenwelt
etablierten, über alle antikolonialistischen Anfeindungen absolut
erhabenen - P a r t n e r d e s I m p e r i a l i s m u s.
Wahlkampf um Stamm-Wähler
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Was das Demokratische an den Wahlen im nunmehrigen Zimbabwe war,
darüber haben die westlichen Medien in dem ihnen eigenen Zynismus
stets sehr realistische Auskunft gegeben. Mehrfach war etwa im
Fernsehen zu verfolgen, wie der neue Premier Mugabe im Wahlkampf
mit einer auf englisch (!) gehaltenen Rede über "dignity" bei ge-
schätzten 200.000 Negermassen mühelos unbeschreiblichen Jubel
auslöste - die Zeremonienmeister, die für den richtigen Einsatz
sorgten, kamen ganz zwanglos mit ins Bild. Der interessierten
Weltöffentlichkeit wurde so das erbauliche Schauspiel einer
Volksmasse vorgeführt, die ebenso blind wie ehrlich begeistert
zur bedingungslosen Unterstützung eines obersten Anführers ent-
schlossen ist, ohne auch nur nach einer Verdolmetschung der schö-
nen humanitären Prinzipien des von diesem Anführer geplanten
Staatswesens zu verlangen - was vermutlich auch auf einige Über-
setzungsschwierigkeiten gestoßen wäre. Die Gründe einer solchen
geradezu idealen Übereinstimmung zwischen Volksführer und Geführ-
ten blieben ebenfalls nicht im Dunkeln: Feinsinnig wie sie nun
einmal ist, bemerkte die Süddeutsche Zeitung den Tiefsinn des Be-
griffs "Stamm-Wählerschaft" unter afrikanischen Verhältnissen;
und der Neuen Züricher war spätestens nach der Wahl eigentlich
schon vorher alles klar gewesen:
"Nkomo ist es nicht gelungen, die Stammesgrenzen von Matabele-
land, das ihm ohnehin sicher war, zu überwinden... Mugabes Mehr-
heit widerspiegelt die ethnische Mehrheit des Shona-Stammes (74
Prozent der Bevölkerung) gegenüber den Ndebele und den mit ihnen
verwandten Kalanga (19 Prozent)" (6.3.80)
Die sehr direkten Methoden, deren die konkurrierenden Politiker
sich bedienten, um den "Wähler-Stamm" ihrer Konkurrenten zu neu-
tralisieren und den eigenen zu mobilisieren, wurden ebenfalls
vorurteilsfrei vermerkt: die serienmäßigen Terroranschläge der
Muzorewa-Partei, die von ihren Gegnern erfolgreich als Verräter
an der "schwarzen Sache" denunziert wurde, verbunden mit einer
Sympathiewerbung durch warme Gratismahlzeiten und T-Shirts, die
nicht mit dem im freien Westen üblichen Freibier für politisierte
Staatsbürger zu verwechseln sind, sondern einen ganz unpoliti-
schen Stimmenkauf bezwecken; von Mugabes Seite wirksam gekontert
durch populäre Gerüchte über geheime Fähigkeiten der ZANU-Leute
herauszukriegen, welche Partei ein Stammesangehöriger gewählt
hat:
"Ein Gerücht besagt, daß die ZANU mit 'black boxes' ausgerüstet
ist, mit denen Parteifunktionäre in die Wahlurnen hineinsehen
können; eine ähnliche Geschichte kursiert über russische Satelli-
ten am Himmel über Zimbabwe." (Sunday Times, 17.2.80);
Was wiederum nicht bloß Muzorewa, sondern auch Kampfgenosse Nkomo
zum Anlaß nahm, den Repräsentanten der weißen Macht, Lord Soames,
um den kolonialamtlichen Ausschluß der ZANU-PF von den freien
Wahlen anzugehen... usw. Bei alledem behielt die junge zimbabwi-
sche Demokratie im freien Westen eine überaus freundliche Presse
- eine so freundliche, daß konservative Gazetten sich zu auch
keineswegs bös gemeinten Mahnungen der folgenden Art genötigt sa-
hen:
"Zuviel an Demokratieverständnis kann man nicht in das Ergebnis
hineininterpretieren - was nicht zuletzt diejenigen, die vorher
von einer Wahlfarce sprachen, jetzt auch bedenken sollten." (Neue
Züricher Zeitung 8.3.80).
Dies mitbedacht bleibt unterm Strich dennoch das wohlwollende Ur-
teil:
"Die Wahlen waren vielen Unregelmäßigkeiten und Brutalitäten zum
Trotz insgesamt 'frei und fair'." (Süddeutsche Zeitung 5.3.80)
Darin stimmten UN- und Commonwealth-Beobachter, die Regierungen
der freien Welt mitsamt ihrer öffentlichen Meinung und sogar die
drei Fraktionen einer Delegation des deutschen Bundestages über-
ein, die sich berufen fühlte, das Entstehen einer neuen Demokra-
tie im reichen Süden Afrikas vor Ort zu begutachten.
Der Volkswille aus dem Lancaster-House
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Das Demokratische an den Wahlen in Rhodesien, das den Westen mit
so entschlossener Zufriedenheit erfüllt, liegt also offenkundig
darin, daß sie überhaupt g e l u n g e n sind - und d a s hat
sich eben nie daran bemessen, mit wieviel "Demokratieverständnis"
die schwarzen Massen an die Urnen gegangen sind oder ob sie über-
haupt eine Vorstellung von der Staatsgewalt haben, um die ihre
Anführer konkurrierten. Folglich wurde es auch weder durch die
Todesopfer beeinträchtigt, die der Wahlkampf gekostet hat, noch
erst recht durch das - im Gegenteil von allen Seiten als demokra-
tischer Geniestreich der Briten gepriesene - Zwei-Rassen Wahl-
recht, das der Viertelmillion Weißer 20% der Parlamentssitze si-
cherte, also einen Weißen für etwa 7 Neger zählte, um der bislang
allein herrschenden Minderheit den Übergang zur "majority rule"
ein wenig schmackhafter zu machen. Was in so befriedigender und
feiernswerter Weise gelungen ist, das ist die Ausnutzung all des-
sen, was es unter den schwarzen Massen Rhodesiens an Unzufrieden-
heit mit dem eigenen kläglichen Los gegeben hat, für die
beifallsumrauschte Errichtung einer Staatsgewalt namens Zimbabwe,
über deren Zwecke und Vorhaben das Eine nie zweifelhaft war: Zu
den Nöten ihrer schwarzen Untertanen verhält sie sich wie Mugabes
englische Ausführungen über "dignity" zum Wortschatz seiner Zuhö-
rer; um so genauer kennt sie sich in den wirklichen Grundlagen
und Bedingungen ihrer Existenz aus.
Bewährt hat die Demokratie sich also wieder einmal darin, die
Bedürfnisse und Interessen einer ziemlich gründlich ausgepowerten
Volksmasse in Begeisterung für eine Herrschaft zu übersetzen,
ohne daß in dieser Übersetzung von den Bedürfnissen und In-
teressen der Massen irgendetwas anderes übrigbleibt als ihre Ne-
gation. Und ihre ganz besondere afrikanische Bewährungsprobe hat
die zimbabwische Demokratie insofern bestanden, als ihr dieses
Übersetzungskunststück mit den Bedürfnissen und Interessen von
Leuten gelungen ist, die von ihrer frei gewählten Herrschaft noch
nicht einmal ein falsches p o l i t i s c h e s Bewußtsein ha-
ben, denen also noch nicht einmal der staatsbürgerliche,
'demokratieverständige' Fehlschluß von ihrem Elend auf Notwendig-
keit und Nützlichkeit einer staatlichen Gewalt, die für dessen
funktionalen Fortbestand sorgt, geläufig ist. Denn schließlich
sind es nicht die soeben zu "freien und fairen" Wahlen geströmten
schwarzen Massen gewesen, die den herrschenden Weißen diese Wah-
len aufgezwungen hätten - im Gegenteil: Dieselben Massen sind vor
noch nicht langer Zeit zu der von der Smith-Regierung veranstal-
ten Muzorewa-Wahl geströmt. Und daß die patriotischen Kampforga-
nisationen nicht die geringsten Schwierigkeiten gehabt und ge-
macht haben, sich auf den Befehl ihrer Anführer hin dem Feind von
gestern in die Hände zu liefern, die Wahl als Ersatz für ihren
Kampf zu akzeptieren und sich nach erfolgter Wahl dem Oberkom-
mando der gegnerischen Armee unterzuordnen, das zeigt schlagend,
daß sie nie von einem anderen politischen Willen beseelt waren
als dem ihrer F ü h r e r, an die Macht zu kommen - nicht weni-
ger, aber auch nicht mehr -, und schon gar nicht von einem poli-
tischen Reformprogramm. Der Wille der schwarzen Massen, wie er
sich in der Wahl geäußert hat, ist also alles andere als der
Wille eines politisierten Volkes zur Errichtung eines regulären
modernen Nationalstaates. Unter Berufung auf ihn einen Staat ma-
chen, das geht allerdings schon, denn einzig und allein dazu, ih-
ren Wahlakt a l s Wille zur Staatsgründung zu n e h m e n,
sind die Massen ja befragt worden, ob sie ihren jeweiligen ober-
sten Stammesgenossen auch wirklich mögen, und dürfen so die Kon-
kurrenz ihrer politischen Elite um die Macht im neuen Staat ent-
scheiden.
Das ist also das gelungen Demokratische an den zimbabwischen Wah-
len: nicht, daß da die Staatsgewalt vom Willen ihrer Untertanen
abhängig gemacht worden wäre - über Zimbabwe als Resultat war
vorweg längst entschieden, und zwar nicht zufällig im Lancaster-
Haus in London -; auch nicht, daß da ein Volk die Staatsgewalt
mit seinen Interessen, ja auch nur mit der politischen Paraphrase
seiner wirklichen Bedürfnisse konfrontiert und den Bestand der
Regierung von einem auch nur formellen Respekt vor seinen politi-
sierten Interessen abhängig gemacht hätte; sondern: daß da der
Wille etlicher auswärtiger Mächte den rhodesischen Staat auf
zimbabwisch zu reorganisieren, den Weg gefunden und beschritten
hat, sich als der Wille des betroffenen Volkes darzustellen und
in dessen ansonsten belangloser, deswegen auch hinsichtlich sei-
ner Gründe uninteressanten Entscheidung über die Person des Re-
gierungschefs sich zu verwirklichen.
Marxist entpuppt sich als guter Neger
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Was die zu diesem E r f o l g der Demokratie gehörige demokra-
tische I l l u s i o n, bei den Wahlen hätte irgendetwas auf
dem Spiel gestanden, schlecht und recht am Leben erhält - neben
aller zynischen Offenheit von Politikern und Journalisten über
den wirklichen Zweck und Ertrag der gesamten Operation -, das
sind die entsprechend breitgetretenen Symptome eines (angeblichen
oder wirklichen) Schocks bei der rechten Fraktion der britischen
Konservativen sowie unter den weißen Siedlern - denen gegenüber
fällt die Profilierung als Negerfreund wahrlich leicht! Der Wahl-
sieger selbst jedenfalls tut alles, um jeden Schatten einer Be-
sorgnis zu zerstreuen, sein Wahlsieg könnte sich weniger bruchlos
als der seiner geschlagenen Konkurrenten in die politischen Ab-
sichten und Perspektiven der Commonwealth-Vereinbarung über die
Umwandlung Rhodesiens in Zimbabwe einfügen - er ist sich, wie ge-
sagt, offensichtlich wohl bewußt, daß die Wählerstimmen, die ihn
an die Macht gebracht haben, nichts mit der Staatsmacht zu tun
haben, geschweige denn deren Grundlage bilden, an die sie ihn
nach internationalem Beschluß haben bringen dürfen.
Die Wirtschaft des Landes soll und wird in den bewährten Händen
weißer Farmer und ausländischer Kapitalisten bleiben, die sie be-
reits erfolgreich durch das 15-jährige UNO-Embargo 'hindurch-
gerettet' haben - nämlich so, daß dem Außenhandel des Landes die
Diversifizierung seiner Produktpalette gelungen und die Position
des zweitwichtigsten Lebensmittellieferanten Afrikas und Chrom-
lieferanten der Welt (beides hinter Südafrika) zugewachsen ist.
Daß die freie Welt, wenn sie sich schon ein autonomes Zimbabwe
leistet, dafür auch ökonomische Vorteile erwartet, ist eben eine
elementare Selbstverständlichkeit für einen "moskauhörigen
Marxisten", "roten Teufel und Kinderdieb", der in Rekordzeit den
Weg zum Politiker "von überragender Intelligenz" und "gottes-
fürchtigen Katholiken" zurückgelegt hat, der seit seinem Wahlsieg
jedermann versichert:
"Zimbabwe macht ernst mit der Blockfreiheit!"
und sich vor Journalisten darüber amüsiert, daß ihm der Westen
eine solche "Wandlung" nicht zugetraut hat. Irgendwelche die
Wirtschaftskraft des Landes gefährdenden sozialistischen Experi-
mente, etwa mit brachliegenden Ländereien in den Reservaten der
weißen Farmer, oder gar die Verschleuderung guten Bodens an die
unterernährten Massen von Subsistenzbauern im Lande sind nicht zu
befürchten von einem Mann, der immer schon seine feste Absicht
bekundet hat - und glücklich ist, endlich mit ihr Gehör und Ver-
trauen zu finden -, er wolle "niemandem etwas wegnehmen", sich
"nicht in die freie Marktwirtschaft, seien das Farmen, Bergwerke
oder Industriebetriebe" einmischen, vielmehr "die gegebene Situa-
tion respektieren" und als einzige Neuerung "aus den Schwertern
Pflugschare schmieden". Für die Existenzbedrohung und -ver-
nichtung der schwarzen Landbevölkerung durch die flotte Un-
terordnung des Landes unter Weltmarktbedürfnisse hat Mugabe das
Rezept parat, sie durch ganz viel afrikanisch-christlich-soziali-
stische Solidarität unter den Betroffenen zu ergänzen. Die ge-
plante Vereinigung "des Guten aus dem Westen mit dem Guten aus
dem Osten" stellt er sich folgendermaßen vor:
"In dieser Situation muß die Eigennützigkeit individualistischen
Kapitalismus der Selbstlosigkeit des kollektiven Sozialismus wei-
chen... Gleichwohl erkennt ZANU die historischen, sozialen und
die anderen bestehenden praktischen Realitäten Zimbabwes. Eine
dieser Realitäten ist das kapitalistische System, das nicht über
Nacht umgestaltet werden kann". (Wahlmanifest der ZANU-PF, Frank-
furter Rundschau 17.3.80)
Gebildeter Politiker genug ist Mugabe auch, um sich ohne große
ideologische Schmerzen und falsche Rücksichtnahmen auf seine
schwarzen Landsleute mit dem besonderen Ergebnis des rhodesischen
Kolonialismus zu arrangieren, daß die traditionelle Selbstverwal-
tung des Landes durch weiße Siedler in noch weit geringerem Um-
fang als sonst in Afrika eine zur Machtübernahme bereite politi-
sierte schwarze Elite hat hochkommen lassen. Dies nebenbei der
Grund für die Absonderlichkeit, daß sich in den höheren Etagen
der politischen Konkurrenz lauter schwarze Pfaffen tummeln: Nur
die Kirchen haben sich einheimische Spitzenfunktionäre herange-
züchtet. Mugabe schmiedete nicht nur eine Große Koalition mit
seinem Intim-Rivalen Nkomo, er ist auch zu jedem Zugeständnis -
nicht zuletzt an den Pensionsfonds für die weißen Beamten - be-
reit, um sich das "politische know-how" der Agenten der
a l t e n Herrschaft für seine neue zu erhalten. Er holt sich
Smith-Gefolgsleute - wenn auch nicht gerade diesen selbst; aber
das ist auch das einzige, was noch fehlt! - in sein Kabinett, und
an die Spitze der neuen zimbabwischen Streitkräfte komplimentiert
er den Oberkommandieren den der alten rhodesischen Armee, die er
während seines Guerillakrieges offenbar schätzen gelernt hat. Ob
Mugabe dabei nur, wie - sicher zu Unrecht - Linke ihm zugute hal-
ten wollen und Rechte ihm vorwerfen, aus taktischen Rücksichten
mit der alten Staatsgewalt kollaboriert oder ganz überzeugt und
vorbehaltlos, ist völlig gleichgültig. In jedem Falle i s t die
Fortführung Zimbabwes als ein dem westlichen Imperialismus geneh-
mes Staatswesen der Zweck seiner Politik. Und deren Erfolg be-
schränkt sich keineswegs auf eine wohlgesonnene Presse:
"Die Weißen im Lande sitzen auf ihren Koffern" (Bonner Generalan-
zeiger, 5.3.80);
"Die Weißen haben das Packen der Koffer zunächst aufgeschoben"
(Frankfurter Rundschau, 6.3.80);
"Inzwischen erscheinen auch immer mehr Aktenköfferchen tragende
blasse Europäer im Straßenbild von Salisbury: Big Business hat
seine große Stunde" (Süddeutsche Zeitung, 1.4.80).
So gibt der blütenreine Erfolg den Briten recht und irgendwie
auch der antiimperialistischen Millionenspende des KBW. Die Aus-
sichten für ein inniges politisches Einvernehmen mit einer in
ganz Afrika respektierten Macht sind für den Westen ebenso gün-
stig wie die auf einen großartigen Aufschwung der Geschäfte. Die
schwarzen Massen, denen "nach dem Rausch der Unabhängigkeit" die
schöne Aufgabe bevorsteht, diesen Aufschwung mit einer weiteren
Einengung ihres Subsistenzraums und einer weiteren Ausdehnung des
Arbeitsplatzangebots für private oder staatliche Lohnsklaverei zu
bezahlen, sind fest in der Hand einer selbstgewählten vernünfti-
gen Herrschaft - daß mit Mugabe die "radikalste" Alternative an
die Macht gelangt ist, mag sich da noch als schätzenswerter Vor-
teil erweisen. Daß die Herrschaft vernünftig, kooperationswillig
und effektiv bleibt, ist durch die kaum angefochtene Position ih-
rer weißen Funktionäre fürs erste und durch ein "substanzielles
bilaterales Hilfeprogramm" Großbritanniens für die Organisation
des gesamten Herrschaftsapparats - öffentlicher Dienst, Rundfunk
und Fernsehen, Polizei, diplomatischen Dienst und Armee - auf
Dauer sichergestellt. Kurzum: alles läuft so glänzend, daß libe-
rale Pressemenschen bereits bedenklich in die Zukunft blicken und
aus besorgter Solidarität mit Mugabes Herrschaftsproblemen
schwierige Zeiten für den Fall prophezeien, wenn seine Wähler von
heute dereinst feststellen sollten, daß es ihnen überhaupt nicht
besser geht als unter weißer Herrschaft.
Die Legende vom Sieg im Volkskrieg
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Die Aussichten des freien Westens auf solche schönen Aussichten
im einen, auf fortdauernd ungeklärte Verhältnisse in seinem lieb-
sten Hinterhof im anderen Fall waren diesem Grund genug, die rho-
desische Siedleroligarchie durch eine wohldosierte
m a j o r i t y - r u l e zu ersetzen und den schwarzen Konti-
nent um ein antikolonialistisches Zimbabwe zu bereichern, um das
seine einheimischen Führer andernfalls noch lange vergeblich hät-
ten kämpfen können - schließlich war die "Ausdehnung und Konsoli-
dierung der befreiten Gebiete" (Wahlmanifest) so enorm fortge-
schritten, daß die Guerilla-Stützpunkte nach wie vor sämtlich in
den Frontstaaten lagen und dort auch die Gemetzel der rhodesi-
schen Armee stattzufinden pflegten. Und dem Interesse der So-
wjetunion an Schwachstellen des Imperialismus und eigenen Ein-
flußsphären verdankten die "Befreiungsbewegungen" zwar alles, was
sie an Mitteln und Kampfkraft besaßen, aber bei weitem nicht ge-
nug, um die Macht zu erobern und dem Mutterland der Völkerfreund-
schaft fortan als verbündeter Staat mit total zerstörter Ökonomie
zur Last zu fallen. Sehr souverän hat der Westen das autonome
Zimbabwe aus der Taufe gehoben - und deswegen ist es auch nur ge-
recht, daß unter den 1000 Ehrengästen der Taufparty weder KBW
noch DDR vertreten waren, dafür aber der Prinz Charles und der
deutsche Genscher saßen und die Bibel bei der Vereidigung der Re-
gierung eine große Rolle spielte. Im weltweiten kapitalistischen
Interesse an einem anspruchslos und ohne Reibungsverluste funk-
tionierenden Südostafrika hat Großbritannien eine diplomatisch-
politische Front beseitigt, die schon längst ganz überflüssig
war. Der ärgste Preis, den es dafür zu entrichten hatte, war ein
Tänzchen von Lady Thatcher mit einem begriffslos-hageren Neger-
präsidenten auf der Commonwealth-Konferenz, die das alles be-
schloß und in die Wege leitete. Sogar das Glückwunschtelegramm an
den Wahlsieger konnte es sich sparen. Erkauft wurde damit ein
erstklassiger Erfolg in der Konkurrenz mit dem Ostblock um die
Aufteilung des Südens der Erdkugel. Daß die weißen Farmer per
Saldo die Hauptleidtragenden dieses ganzen "Kuhandels" wären, ist
ebenso ein Gerücht wie die angebliche Schlappe des Imperialismus:
Die werden schon wissen, weshalb sie ihre Koffer wieder auspac-
ken. Sicher, sie sind nicht mehr die exklusiven Inhaber der poli-
tischen Macht, sondern teilen fortan mit den schwarzen Massen die
fragwürdige Qualität, zimababwisches Staatsvolk zu sein. Über
ihre politischen Grundsätze ist der Imperialismus mit der ihm ei-
genen Unbekümmertheit um rassistische Ideologien glatt hinwegge-
gangen; den Maßstab s e i n e s Nutzens hat er nachdrücklich
und rücksichtslos g e g e n die autonome Nutzenabwägung einer
weißen Minderheit durchgesetzt, die sich ihren ökonomischen Be-
sitzstand nicht ohne die politische Trennung zwischen sich als
Staatsbürgern und den Schwarzen als rechtlosem Arbeitsvieh vorzu-
stellen vermochte. In eben diesem Punkt jedoch belehrt der Impe-
rialismus die weißen Siedler derzeit eines Besseren. Für das
Funktionieren der politischen Herrschaft im Lande, und zwar bis
hin zu einer effektiven Arbeitsorganisation auf den Feldern, mö-
gen weder die interessierten Auslande noch die schwarzen Wahlsie-
ger auf sie verzichten: Dafür sind sie immer noch n ü t z-
l i c h genug, um die privilegierten N u t z n i e ß e r die-
ser Herrschaft zu bleiben.
Angeschissen sind mal wieder und wie stets die jubelnden Neger-
massen. In der Tat, ein schöner Sieg der Demokratie in Afrika.
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