Quelle: Archiv MG - AFRIKA RSA - Republik Südafrika
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Bremer Hochschulzeitung, 27.05.1986
Wochenschau
DIE REPUBLIK SÜDAFRIKA
hat aus der Luft Flüchtlingslager überfallen und Gebäude in den
Hauptstädten von drei "Nachbarstaaten" bombardiert, in denen sich
Zentralen der verbotenen Schwarzen-Opposition befinden sollen.
Begründung: "Der ANC habe seine 'Politik der Gewalt' fortgeführt,
obgleich die Führung Südafrikas wiederholt ihre Entschlossenheit
dargelegt habe, den 'Terrorismus zu bekämpfen'." (Frankfurter
Rundschau, 21.5.) Beweis: der Fund eines Waffenlagers in der Nähe
von Johannesburg. Weil sich die Opfer südafrikanischer Politik
nicht freiwillig dem Polizei- und Militärapparat ausliefern, er-
klärt sich die Republik für bedroht, beansprucht das "Recht auf
Selbstverteidigung und vorbeugende Maßnahmen" - und schaltet au-
ßerhalb ihrer eigenen Grenzen wie im eigenen Land: als Ordnungs-
macht, die mit Bomben und Granaten jeden Verstoß gegen ihr Ge-
waltmonopol exemplarisch bestraft. Die 'verkrampften sturen' Bu-
ren beherrschen also das Konzept von Außenpolitik ganz gut, das
im Westen dank amerikanischer Führung unter dem Titel
'Terrorismusbekämpfung' offizielles Programm geworden ist. Natür-
lich mit etwas abweichenden Prioritäten: Schließlich hat die RSA
ihre eigene Region zu säubern und die Buren beanspruchen nicht
gleich, an allen Ecken der Welt den Globus vom sowjetischen Ein-
fluß zu befreien; ihre Opfer sind keine Palästinenser, sondern
unterdrückte Schwarze; deren 'Hintermänner' sind keine Gadafis,
sondern völlig von Südafrika, den USA und der EG abhängige
schwarze Regierungen. Das gibt Südafrika ja gerade die Freiheit
zu seinen Strafaktionen - und dem Westen die Freiheit zu entspre-
chend abgewogenen Reaktionen gegenüber seiner lokalen Bastion:
"entschiedene Mißbilligung", den vorgeladenen RSA-Botschaftern
förmlich zu Protokoll gegeben. Ein bißchen diplomatische Heuche-
lei für die afrikanischen Partner und die Öffentlichkeit, das
macht die Freunde einer freiheitlichen Endlösung der Terrorismus-
frage ungemein glaubwürdig. Jedenfalls für ihre nationalen Kriti-
ker, die sich an die neuen Maßstäbe gewöhnt haben: "Die interna-
tionalen Sitten verrohen immer mehr", meint der feinfühlige Impe-
rialismuskenner von der "Frankfurter Rundschau". Ja, wenn nicht
die USA - die RSA, Israel, Thatcher und wie unsere NATO-Verbünde-
ten alle heißen - die guten Sitten verderben täten! Früher, hier-
zulande, zu Zeiten von Schmidt und Brandt, da hatte freiheitliche
Politik noch Stil, deutschen nämlich. So aber - werden sie mit
dem Terrorismus nie wirklich fertig. Der Zweck ist klar - über
Gegner und Methoden seiner Erledigung darf gerechtet werden.
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