Quelle: Archiv MG - AFRIKA RSA - Republik Südafrika
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Münchner Hochschulzeitung Nr. 15, 13.06.1984
Wochenschau
DER PREMIERMINISTER SÜDAFRIKAS
Piet Botha besuchte letzte Woche seine europäischen Partner. Die
empfingen ihn wie ein Familienmitglied, über dessen schlechte Ma-
nieren man die Nase rümpft. So mußte der arme Botha auf einen Kuß
von Maggie und einen öffentlichen Händedruck von Kohl verzichten,
und der oberste Repräsentant des Schweizer Bankgeheimnisses emp-
fing nur "rein privat". Alle - mit Ausnahme von F. J. Strauß, der
sich offen & ehrlich zur "alten und festen Freundschaft" mit Pre-
toria bekannte - erklärten hinterher, dem Gast gehörig die Mei-
nung gesagt zu haben in Sachen Apartheit. Thatcher soll in laut
FAZ sogar hartnäckig nach dem "Schicksal von Mandela" ausgehorcht
haben. (Sachlicher Hinweis für Verehrer der Menschenrechte, ins-
besondere Sacharow-Solidaritätskomitees: Nelson Mandela, ehemali-
ger Präsident des ANC, seit 1964 Gefangener des südafrikanischen
Regimes im Konzentrationslager Robben Island.)
Was hat diesen hartgesottenen Demokraten eigentlich nicht gepaßt?
Sonst drücken sie doch jedem Diktator und jedem Folter-Präsiden-
ten herzlich die Hand, wenn er sich nur nützlich macht. Und
daran, daß die Republik Südafrika eine im Endeffekt sehr sach-
dienliche Politik betreibt, ist in den besuchten westeuropäischen
Staaten nicht der geringste Zweifel aufgetaucht. Schon seit län-
gerem hat man sich da, eingedenk der e i g e n e n Interessen,
auf die Linie geeinigt: Keine "Lösung" ohne oder gegen Südafrikas
Interessen! Die Einigkeit in der Sache steht so fest, daß Botha
es sich herausnehmen konnte, das Genörgel westlicher Kommentato-
ren am südafrikanischen Spezialkolonialismus bezüglich Namibia
mit dem "Angebot" zurückzuweisen, die westlichen Regierungen
sollten "die Verwaltung und Verteidigung des Landes" doch selbst
übernehmen - dann wäre "Pretoria bereit, sich binnen zweier Mo-
nate aus Namibia zurückzuziehen." Eine gekonnte Erinnerung daran,
wie fest die Freie Welt sich bei der Verwaltung und Verteidigung
ihrer Interessen im südlichen Afrika - auf die bewährten Methoden
des zuständigen Militär- und Polizeiapparats verläßt.
Das alles wurde denn auch gar nicht mißbilligt. Distanziert haben
sich unsere christlichen, liberalen und sozialen Demokraten von
einer unpassenden I d e o l o g i e. Ausbeutung und Gewalt
möchten im N a m e n d e r D e m o k r a t i e gebilligt
sein. Das Beharren auf explizit undemokratischen Rechtstiteln der
Gewalt: D a s stört regierende Demokraten.
Oder genauer: Das nehmen sie zum Anlaß, Distanz zum südafrikani-
schen Unterimperialismus zu demonstrieren - und damit jede Verur-
teilung des zuständigen Rassistenregimes zu widerrufen. Denn im-
merhin war es ein in der Sache herzlicher E m p f a n g für Bo-
tha, also eine demonstrative A n e r k e n n u n g s e i n e r
S a c h e, die da in ein bißchen Distanz verpackt diplomatisch
durchgezogen worden ist.
Kohls nachträgliche Versicherung, sein "verweigerter" Händedruck
und das weggetragene Sofa wären gar nicht so gemeint gewesen,
hätte es also gar nicht mehr gebraucht. Südafrika ist nützlich,
und für das, was zum guten demokratischen Gewinn nicht paßt, ge-
hört sich gutes demokratisches Verständnis: Der Bonner Regierung
liegt daran, "Botha, der sich auf innenpolitisch schwierigem Bo-
den bewegt, zu einer Politik der friedlichen Nachbarschaft im
südlichen Afrika zu e r m u t i g e n." Auch Rassisten haben's
schwer; also muß man ihre Politik erst recht unterstützen!
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