Quelle: Archiv MG - AFRIKA RSA - Republik Südafrika


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       Marburger Hochschulzeitung, 19.10.1986
       
       Sanktionen
       

DÜRFEN DEMOKRATEN SÜDAFRIKANISCHEN SCHROTT KAUFEN?

'Nein, das geht zu weit!'- haben die regierenden Negerfreunde in Bonn, Brüssel und Washington beschlossen. Denn irgendwo, haben sie gemeint, muß die Freundschaft mit den Schlächtern der Schwar- zen in Pretoria, der südafrikanischen Regierung, doch mal ein Ende haben. Manche möchten sogar, daß die Freundschaft schon bei Kohle und Gemüse aufhört. Oder bei Neuinvestitionen: Siemens, BMW und deren amerikanische Konkurrenten und Geschäftspartner sollen auf die Ausweitung ihrer blühenden Geschäfte mit Negerschweiß und Burengeld verzichten, solange - ja, wie lange eigentlich?! Bis es den schwarzen Südafrikanern besser geht? Bis sie nicht mehr für Hungerlöhne in altmodischen Minen und an modernen Fließ- bändern geschunden werden? Das hat kein demokratischer Neger- freund je verlangt. "Reformen" möchte man schon - von der Art, daß in der besseren Gesellschaft der südafrikanischen Hauptstadt auch ein paar smarte prowestliche Neger aufkreuzen und die regie- renden Weißen sich öfters mal mit so seltsamen Heiligen wie dem frömmelnden schwarzen Bischof Tutu beraten. Um solchen Wünschen "Nachdruck" zu verleihen, haben die europäischen NATO-Partner und jetzt auch die US-Regierung Sanktionen beschlossen und Goldmün- zen, Eisenerz, Stahlschrott und andere südafrikanische Exportgü- ter mit einem Bann belegt. Dieselben Leute übrigens haben sich zu diesem mannhaften Schritt entschlossen, die bis dahin immer den Standpunkt vertreten haben: Solche Sanktionen nutzen nichts; wenn sie überhaupt etwas bewir- ken, dann noch mehr Härten für das unterdrückte Negervolk. Was jetzt? Haben die Negerfreunde Reagan, Genscher, Kohl und Companie gestern gelogen, als sie mit dieser Begründung gegen Sanktionen waren? Oder lügen sie heute, wenn sie dieselben Sanktionen als Druckmittel gegen den südafrikanischen Partnerstaat hinstellen? Beides! Die Bedenken von gestern waren bloß das moralische Aus- hängeschild für den Beschluß, den verbündeten Herren Südafrikas nicht zuviel Ärger zu machen. Und die Maßnahmen von heute sind ein Manöver, den rassistischen Freunden am Kap der Guten Hoffnung den Pelz zu waschen, ohne ihn naß zu machen: Die Leute, die ihre Interessen und ihre Finger in Südafrika drin haben, und die Süd- afrikaner, die sich am Außenhandel ihres Landes dumm und dämlich verdienen, haben längst alles parat, um die demokratischen Ge- schäftseinschränkungen zu umgehen. Und genau dafür wurden die Sanktionsbestimmungen genauestens hinformuliert. Was bleibt also von der demokratischen "Mobilmachung" gegen die Unterdrücker und Schlächter am Südende Afrikas? Erstens eine mo- ralische Heuchelei, die sich schon an ihren Konjunkturen verrät. Hohe Wellen schlägt die demokratische "Empörung" über die "sturen Buren" nämlich immer dann, wenn konkurrierende Demokraten das Thema gerade für ihren Wahlkampf gut brauchen können und ausnut- zen wollen. So ist gerade am Südafrika-Theater der letzten Wochen gar nicht Südafrika und die Lage der Schwarzen dort das Interes- sante, sondern der parlamentarische "Machtkampf" des US-Präsiden- ten und dessen Auswirkungen auf die Wahlen zum Repräsentantenhaus Anfang November. Ein Unterpunkt in den Heucheleien, mit denen de- mokratische Politiker ihre Konkurrenz um Wählerstimmen bestrei- ten: Dafür sind die Schwarzen in Südafrika gerade gut - demokra- tisch gewürdigt! Ein handfester politischer Standpunkt wird in diesen Heucheleien aber auch geltend gemacht, das ist das Zweite, was übrigbleibt. Mit heuchlerischen Reformidealen für ein fernes Land können west- liche Demokraten sich nämlich bloß deswegen profilieren, weil ei- nes sowieso von vornherein völlig außer Frage steht: Sie sind d i e Z u s t ä n d i g e n; nach ihrer Pfeife haben die Macht- haber aller übrigen Weltgegenden zu tanzen. Auch die in Südafrika. Denn was man in der Weltpolitik "gute Beziehungen" nennt, ist überhaupt kein Schutz vor Erpressungen, wenn der ge- schätzte Partner an irgendeiner Stelle zu sehr auf seinen eigenen nationalen Vorteil achtet statt auf seine Dienstbarkeit für die "Weltordnung" der maßgeblichen Mächte. Und offenbar können sich Reagan und Kohl, Thatcher und Mitterrand bei aller Freundschaft und Interessensgleichheit mit den Herren Südafrikas durchaus noch mehr Beflissenheit auf südafrikanischer Seite vorstellen - auch wenn sie überhaupt keinen Grund sehen, irgendetwas zu erzwingen. Diplomatisch gesehen bleibt so die Mahnung übrig, die Republik Südafrika sollte sich gefälligst weniger als eigenständige anti- kommunistische Ordnungsmacht im Süden des Schwarzen Kontinents aufspielen, statt dessen die EG-Mächte und die USA noch direkter in alle von Südafrika kontrollierten Affären hineinregieren las- sen - also ein lupenrein imperialistischer Machtanspruch. Und d e m dienen die gedeckelten Neger als Kronzeugen: ein ma- kabrer Witz der Weltgeschichte! zurück