Quelle: Archiv MG - AFRIKA RSA - Republik Südafrika


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       Bochumer Hochschulzeitung, 31.05.1983
       

DIE REPUBLIK SÜDAFRIKA

hat mit dem Angriff ihrer Luftwaffe auf Maputo wieder einmal ebenso schlagkräftig wie mörderisch demonstriert, daß sie nicht nur die Schwarzen im eigenen Staatsgebiet als Sicherheitsrisiko behandelt, sondern auch alle umliegenden Staaten wie Mosambik, Botswana, Angola, Lesotho, Zimbabwe und Sambia. Während die RSA Namibia besetzt hält und eine schwarze Machtübernahme verhindert, versetzt sie die afrikanischen Souveräne der Region in die pre- käre Situation, ständiges Ziel südafrikanischer "Vergeltungs- schläge" zu sein, im Zuge südafrikanischer "Terrorismusbekämp- fung" von RSA-Truppen heimgesucht oder durch eine südafrikanisch gesponsorte Widerstandsbewegung "befreit" zu werden. Neben Angola, wo die UNITA-Truppe im Dienste der RSA und gelegentlich auch einmal Seite an Seite mit einer RSA-Invasionsarmee operiert, hat die VR Mosambik das Pech, von Pretoria als "russenhöriges" Regime eingestuft zu werden: Vom Gebiet der RSA aus ziehen bewaffnete Anti-Frelimo-Banden durch den Süden Mosambiks und bis in die Vororte der Hauptstadt Maputo und sorgen dafür, daß die bescheidenen Aufbauprojekte der Frelimo-Regierung auf dem Lande regelmäßig in Schutt und Asche gelegt werden. Alles dies ist auch im Westen bekannt und a k z e p t i e r t als "Wahrnehmung südafrikanischer Interessen in der Region", die bei jeder "Friedensregelung" b e r ü c k s i c h t i g t werden müssen. Die R ü c k s i c h t s l o s i g k e i t der RSA im Umgang mit dem eigenen schwarzen Menschenmaterial wird zwar als "Apartheid" mit Fragezeichen versehen. Sie erscheint jedoch gera- dezu als gewalt f r e i e Idylle, wenn den EG-Außenministern unter Federführung Genschers ausgerechnet beim ANC-Anschlag in Pretoria wieder einmal einfällt, "G e w a l t als Mittel zur Durchsetzung politischer Ziele konsequent und in jedem Fall ab- lehnen" zu müssen. Nur folgerichtig akzeptiert man die RSA-These, das Bombardement auf Wohnblocks in Maputo sei eine R e a k- t i o n auf ANC-Aktivitäten in der RSA. So soll alle Gewalt im südlichen Afrika v o n d e n O p f e r n ausgehen, und die faschistischen Partner von EG und NATO in Pretoria kriegen schlimmstenfalls vom Sprecher des US-State-Department Hughes mitgeteilt, daß die USA "solche tragischen Ereignisse wie den Bombenanschlag und die südafrikanische Reaktion b e- d a u e r n." Daß sich die Freie Welt bei der Beurteilung Südafrikas und seiner "ordnungsstiftenden" Aktivitäten bis zum Äquator überhaupt noch einer Sprachregelung bedient, die die Freude am südafrikanischen Faschismus nicht auch noch offensiv gegen die "unzuverlässigen" nördlichen Nachbarn geltend macht, sondern ein wenig Rücksicht auf deren - praktisch ständig zurück- gewiesenen - Souveränitätsanspruch heuchelt, liegt ganz gewiß nicht an den Idealen der "Selbstbestimmung der Völker" und des "Antirassismus", die die freie Welt in Afghanistan und Polen so energisch hochhält. Zwar ist selbst der Süden Afrikas viel zu wichtig, als daß nicht auch dort "der Kommunismus bekämpft" ge- hört, wo immer ein Staat sich auch bloß die Freiheit herausnehmen k ö n n t e, auch zur Sowjetunion "normale freundschaftliche Be- ziehungen" aufzunehmen. Noch ist die "Einflußsphäre" der RSA aber nicht zu einer Hauptkampflinie bei der "Eindämmung" des angebli- chen "sowjetischen Offensivdrangs" erklärt worden (für Atomrake- ten sind die Regionen südlich des Äquators auch gar zu abgele- gen). Das gibt der Burenrepublik Freiheiten bei der Ausgestaltung ihres nützlichen Sonderimperialismus - und der freien Welt die Freiheit, sich bis auf weiteres eine folgenlose abweichende Mei- nung über den zweckmäßigsten Umgang mit den schwarzen Massen und Souveränen innerhalb und außerhalb des RSA-Territoriums zu lei- sten. zurück