Quelle: Archiv MG - AFRIKA RSA - Republik Südafrika


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       24.01.1988
       

INTERNATIONALE HEUCHELEI

Man stelle sich einmal vor: In Bremen verweigern Daimler-Arbeiter die Arbeit, um einen neuen Mindestlohn zu erzwingen. Daimler schmeißt sie freihändig raus und stellt klar, daß Daimler-Arbei- ter arbeiten, um das Daimler-Kapital zu vermehren, sonst nichts. Die Solidarität von Gewerkschaft und SPD wäre verheerend! Richard Helken, Betriebsratsvorsitzender: "Diese Arbeiter sollen froh sein, daß sie einen Arbeitsplatz haben." Franz Steinkühler, IGM: "Die Gewerkschaft will keine Lohnmaschine sein, deshalb ist die- ser Streik zutiefst unsolidarisch." Klaus Wedemeier, SPD: "Dieser Streik ist zutiefst unsolidarisch, er gefährdet nicht nur Ar- beitsplätze bei Daimler-Benz, sondern im ganzen Lande Bremen." Die "Bild"-Zeitung: "Geht doch nach drüben!" In Südafrika verweigern Daimler-Arbeiter die Arbeit, um einen Mindestlohn zu erzwingen. Daimler schmeißt sie freihändig raus und stellt klar, daß Daimler-Arbeiter arbeiten, um das Daimler- Kapital zu vermehren, sonst nichts. Die Solidarität von Gewerkschaft und SPD entdeckt in S ü d- a f r i k a die "Ausbeutung" (SPD) und eine "schmutzige Politik" (Steinkühler). Die notorisch streikfreundliche "Bild"-Zeitung zeigt Sympathie für Arbeiter, die ein Interesse am Lohn geltend machen. Wie das? Dieses vertrackte Unterscheidungsvermögen vermißt bei der in Süd- afrika üblichen Variante, für ein billiges und williges Arbeiter- material zu sorgen, die Menschenwürde. Die Arbeiter heißen dort Neger und die dortige Herrschaft verweigert ihnen jenes hohe Gut, das einen hiesigen Arbeiter über die Arbeitslosigkeit bis ins Grab verfolgt. Was geht ihnen also ab, den Negern? Ein Homeland, das Neue Vahr heißt, eine billige Fahrgemeinschaft statt einer staubigen Buslinie. Vor allem aber ein schwarzer Richard Helken, der aufpaßt, daß bei der Ausbeutung alles mit rechten Dingen zu- geht, ein schwarzer Franz Steinkühler, der durch seine Beteili- gung an der Macht die schmutzige Politik veredelt, und ein schwarzer Klaus Wedemeier, der ihnen für vier Jahre das Maul ver- bietet und sich heiter bedankt, daß man ihn gewählt hat. Dann ist es mit der Ausbeutung vorbei und menschenrechtsmäßig alles in Butter. PS: Damit ist ja wohl klar, daß die deutschen Arbeiterfreunde dem Neger-Betriebsrat, der im d e u t s c h e n Fernsehen die deut- sche Gewerkschaft aufforderte, seinen Kampf in Deutschland durch Streikmaßnahmen zu unterstützen, ein solidarisches - So nicht, Neger! - entgegenhalten müssen. zurück