Quelle: Archiv MG - AFRIKA RSA - Republik Südafrika
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Bremer Hochschulzeitung Nr. 96, 12.06.1984
DIE APARTHEID BESUCHT DIE DEMOKRATIE
Piet Botha besuchte letzte Woche seine europäischen Partner. Die
empfingen ihn wie ein Familienmitglied, über dessen schlechte Ma-
nieren man die Nase rümpft. So mußte der arme Botha auf einen Kuß
von Maggie und einen öffentlichen Händedruck von Kohl verzichten,
und der oberste Repräsentant des Schweizer Bankgeheimnisses emp-
fing nur "rein privat". Alle mit Ausnahme von F.J. Strauß, der
sich offen und ehrlich zur "alten und festen Freundschaft" mit
Pretoria bekannte - erklärten hinterher, dem Gast gehörig die
Meinung gesagt zu haben in Sachen Apartheid. Thatcher soll ihn
laut FAZ sogar "hartnäckig" nach dem "Schicksal von Mandela" aus-
gehorcht haben. (Sachdienlicher Hinweis für Verehrer der Men-
schenrechte, insbesondere Sacharow-Solidaritätskomitees. Nelson
Mandela, ehemaliger Präsident des ANC, seit 1964 Gefangener des
südafrikanischen Regimes im Konzentrationslager Robben Island.)
Was hat diesen hartgesottenen Demokraten eigentlich nicht gepaßt?
Sonst drucken sie doch jedem Diktator und jedem Folter-Präsiden-
ten herzlich die Hand, wenn er sich nur nützlich macht. Und
daran, daß die Republik Südafrika eine im Endeffekt sehr sach-
dienliche Politik betreibt, ist in den besuchten westeuropäischen
Staaten nicht der geringste Zweifel aufgetaucht.
Schon seit längerem hat man sich da, eingedenk der eigenen Inter-
essen, auf die Linie geeinigt: Keine "Lösung" ohne oder gegen
Südafrikas Interessen! Die Einigkeit in der Sache steht so fest,
daß Botha es sich herausnehmen konnte, das Genörgel westlicher
Kommentatoren am südafrikanischen Spezialkolonialismus bezüglich
Namibia mit dem "Angebot" zurückzuweisen, die westlichen Regie-
rungen sollten "die Verwaltung und Verteidigung des Landes" doch
selbst übernehmen - dann wäre "Pretoria bereit, sich binnen
zweier Monate aus Namibia zurückzuziehen." Eine gekonnte Erinne-
rung daran, wie fest die Freie Welt sich bei der Verwaltung und
Verteidigung ihrer Interessen im südlichen Afrika - auf die be-
währten Methoden des zuständigen Militär- und Polizeiapparats
verläßt.
Das alles wurde denn auch gar nicht mißbilligt. Distanziert haben
sich unsere christlichen, liberalen und sozialen Demokraten von
einer unpassenden I d e o l o g i e. Ausbeutung und Gewalt
möchten i m N a m e n d e r D e m o k r a t i e gebilligt
sein. Das Beharren auf explizit undemokratischen Rechtstiteln der
Gewalt: D a s stört regierende Demokraten.
Oder genauer: Das nehmen sie zum Anlaß. Distanz zum südafrikani-
schen Unterimperialismus zu demonstrieren - und damit jede Verur-
teilung des zuständigen Rassistenregimes zu w i d e r r u f e n.
Denn immerhin war es ein in der Sache herzlicher E m p f a n g
für Botha, also eine demonstrative A n e r k e n n u n g seiner
Sache, die da in ein bißchen Distanz verpackt diplomatisch durch-
gezogen worden ist.
Kohls nachträgliche Versicherung, sein "verweigerter" Händedruck
und das weggetragene Sofa wären gar nicht so gemeint gewesen,
hätte es also gar nicht mehr gebraucht. Südafrika ist nützlich;
und für das, was zum guten demokratischen Gewissen nicht paßt,
gehört sich gutes demokratisches Verständnis: Der Bonner Regie-
rung liegt daran, "Botha, der sich auf innenpolitisch schwie-
rigere Boden bewegt, zu einer Politik der friedlichen Nachbar-
schaft im südlichen Afrika zu e r m u t i g e n." Auch Rassi-
sten haben's schwer; also muß man ihre Politik erst recht unter-
stützen!
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