Quelle: Archiv MG - AFRIKA RSA - Republik Südafrika


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       20.02.1988
       

SPD-VERHEUGEN ÜBT "SOLIDARITÄT" MIT SCHWARZ-SÜDAFRIKA

Einen Tag nach der Verleihung des Solidaritätspreises besuchte Günther Verheugen, MdB und Chefredakteur der SPD-Parteizeitung "Vorwärts" die Bremer Bürgerschaftsfraktion der SPD. Eine Sankti- onspolitik gegen die RSA sei entgegen den Behauptungen der CDU/FDP-Koalition machbar, meinte Verheugen. Im Festsaal des Hauses der Bürgerschaft ließ er keine Zweifel daran aufkommen, von welchen B e d i n g u n g e n die SPD die in den letzten Tagen so vollmundig beschworene Solidarität mit den Opfern des Buren-Regimes abhängig machen will. * "In den Rüstungsgüter-Export an die RSA sind die ersten Adres- sen der deutschen Industrie (Daimler, MBB...) involviert. Die aber haben es nicht nötig, Geld zu verdienen mit dem Blut un- schuldiger Menschen." MERKE: Für erfolgreiche Geschäfte der deutschen Industrie mit Rüstungs- güter-Export, dafür ist die SPD allemal. Weswegen diese Partei gegen die Lieferung von Gewehren, Kampfhubschraubern und sonsti- gem Tötungswerkzeug an die Schlächter vom Kap-Regime dann nichts einzuwenden haben, wenn das der Preis für die Geschäftserfolge von Daimler und MBB ist. Aber gegen u n n ö t i g e s Geldverdienen mit dem "Blut un- schuldiger Menschen", dagegen ist die SPD! Dieser Einwand gegen die lukrativen Geschäfte der deutschen Industrie mit der RSA ist einerseits verlogen: Gemäß dem von Verheugen hier selbstverständ- lich zum obersten Gebot der Wirtschaftsbeziehungen erhobenen Maß- stab, auf die dabei von der deutschen Industrie gemachten Profite komme es an, gibt es ganz einfach kein unnötiges Geldverdienen. Zum anderen ist diese Sortierung von Geschäftserfolgen nach "zivil" und Rüstungsindustrie dreist: Plädiert der Mann für die Verschrottung deutscher Rüstungskonzerne? Nein. Ist er gegen Rüstungsexport? Nein. 'Mit dem Blut s c h u l d i g e r Men- schen' läßt sich jedes Geschäft der Rüstungsindustrie mit dem Se- gen der SPD einfahren. * "Ein Totalausfall der strategischen Minerale würde in der BRD keine kritische Situation hervorrufen. Diese Versorgung wäre über andere Handelsbeziehungen voll abzudecken." MERKE: Sicherzustellen, daß deutscher Industrie und dem Kriegsprogramm der BRD keine Mittel fehlen, das ist unabdingbarer Wille der SPD. Für die erbrachten Dienste in Sachen Lieferung von strategischen Rohstoffen wußte und weiß die SPD die RSA zu schätzen. Weswegen diese Wertschätzung nie - weder zu Zeiten der SPD-Regierung in Bonn noch zu Zeiten der SPD-Regierung in Bremen - getrübt wurde durch den Umstand, daß die RSA ein sicherer und billiger Rohstofflieferant nicht zuletzt durch das von ihr installierte System der Lohnsklaverei ist. Ganz im Gegenteil: die Resultate dieser Ausbeutungsmethode der Rassisten am Kap rechnen sich für die BRD und ihre staatstragende Partei SPD. Dasselbe kann die BRD laut Verheugen über "andere Handelsbezie- hungen haben". S o w e i t geht nämlich deutscher Einfluß auf der Welt, daß man sich gegenüber der RSA alle F r e i h e i- t e n herausnehmen kann, meint Verheugen, also auch ein paar Erpressungen in Sachen Apartheid. Und wozu? Für die Besser- stellung der Menschen gewiß nicht. Sondern: * "Es gibt bei der Regierungskoalition die Angst, daß ein befrei- tes Südafrika zum kommunistischen Einflußgebiet gehören würde. Wenn wir weiterhin mit diesem Argument das Apartheids-Regime unterstützen, dann treiben wir die schwarze Bevölkerung, die bis- her zum großen Teil noch nie was vom Kommunismus gehört hat, geradezu in die Arme des Kommunismus." MERKE: Kommunismus ist schlimmer als Botha; also ist für die SPD jedes Schlächterregime und jede Apartheid b e s s e r als ein "pro- östliches" Land mit Volksfürsorge wie in Nicaragua. Als Bollwerk des freien Westens weiß die SPD die RSA sehr zu schätzen. Dieses Regime paßt auf, daß sozialistische Experimente in Angola und Mo- sambik keine Chance haben. Die SPD will, daß am Kap auch in Zukunft ein solches Bollwerk des Imperialismus existiert. Wenn d a f ü r eine Abdankung des Bu- ren-Regimes notwendig werden sollte, nur zu. Aber wehe den mögli- chen zukünftigen Machthabern, wenn sie diesem imperialistischen Auftrag an das Kap-Regime nicht nachkommen! zurück