Quelle: Archiv MG - AFRIKA RSA - Republik Südafrika
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24.01.1988
STRAUSS BESUCHT AM KAP UNSER DEUTSCH-SÜDAFRIKA
Franz Josef Strauß besucht Südafrika und wird als "alter Freund"
von den führenden Bothas empfangen. Das ist nichts Neues. Diesmal
allerdings verständigt sich Strauß "auf ausdrücklichen Wunsch von
Bundeskanzler Kohl" mit den Rassisten am Kap. Die Bonner Weltpo-
litiker halten derzeit eine Distanzierung von einer angeblichen
"Nebenaußenpolitik" des Bayern offenbar für unnütz. Der Mann mit
den "exzellenten Kontakten" hat für bundesdeutsche Interessen
Wichtigeres unter Dach und Fach zu bringen als die Menschenrechte
der Neger. Das ist die Bonner Linie.
Menschenrechte - kein Problem
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Manchem mögen die Sprüche von Blüm und Geißler aus dem vergange-
nen Sommer noch in Erinnerung sein, mit denen sie die christliche
Bundesregierung ja nicht nur gegenüber Chile, sondern auch gegen-
über Südafrika als Vorkämpfer für die Unterdrückten profilierten.
Da mögen nun manchem die Strauß'schen Reiseaktivitäten als Hohn
und die Sprüche von damals als Heuchelei vorkommen. Aber konnte
man es jemals zu Recht mit einer Parteinahme für die drang-
salierten M a s s e n verwechseln, wenn Blüm und Geißler aus-
wärtigen Regierungen Menschenrechtsverletzungen nachsagten? Zu-
hause springen diese christlichen Politiker doch selbst nicht
zimperlich mit den Massen um, wenn sie Stahlarbeitern im Ruhrge-
biet die Kosten der freien Marktwirtschaft aufdrücken und Anti-
Atom-Demonstranten als unzulässigen "Druck der Straße" abräumen
lassen. Solche Politiker haben auch im Ausland anderes als das
Wohl der Leute im Sinn, wenn sie öffentlich bezweifeln, ob der
Umgang fremder Herrschaften mit ihrem Volk legitim sei. Dann tra-
gen sie - unter Berufung auf höheres Menschenrecht - nichts an-
deres als den Anspruch bundesrepublikanischer Politiker vor, sich
als letzte entscheidende Instanz darin einzumischen, wie und wo-
für die Herren in Chile und Südafrika ihre Völker überhaupt her-
umkommandieren dürfen. Beim "starrsinnigen" Pinochet hatte die
BRD da etwas anzumahnen: Er dürfe im Kampf um s e i n e Macht
nicht das b u n d e s d e u t s c h e Interesse an einem dauer-
haft geordneten und brauchbaren Chile vergessen und sei es, daß
er zugunsten von christlich ausgebildeten und überprüften Nach-
folgern zurücktreten müßte. Deshalb mußte er sich eine Zeitlang
Diktator schimpfen lassen.
RSA - ein lohnender Vorposten der BRD!
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In Südafrika hat die BRD derzeit nichts Derartiges anzumahnen.
Die Buren selbst haben B o n n um die "erste Friedensinitiative
eines westlichen konservativen Politikers im südlichen Afrika"
(FAZ) gebeten. Damit haben sie eine realistische Sicht der Zu-
ständigkeiten im südlichen Afrika unter Beweis gestellt: Die RSA
führt zwar den Krieg gegen Angola und hat Namibia als Glacis die-
ses Krieges vollkommen unter seine Kontrolle gebracht. Die RSA
hat auch Mosambik kapitulationsreif g e s c h o s s e n und von
einer Contratruppe namens RENAMO schießen lassen. Aber bei aller
militärischen Wucht ihrer regionalen Machtentfaltung kennen und
respektieren die Buren offenbar ihre Abhängigkeit von den westli-
chen Herren der Weltlage auch in Afrika. Die endgültige
politische A b w i c k l u n g der Kapitulation der ehemaligen
"sozialistischen Experimente" Angola und zunächst Mosambik stellt
der südafrikanische Kettenhund des Westens daher in den größeren
Rahmen des NATO-Programms, die Welt von allem sowjetischen
Einfluß zu säubern.
Bundeskanzler Kohl hat sich im November letzten Jahres vor Ort
davon überzeugt, daß zumindest Mosambik reif dazu ist, aus der
Freundschaft des Ostens überzulaufen in die Obhut des Westens,
ohne die es neben dem südafrikanischen Freund des Westens offen-
bar nicht existieren darf. Außenminister Genscher hat für Bonn
das fällige Programm auf seiner Afrikatournee eingeleitet, indem
er kritisierte, "daß viele Länder im südlichen Afrika an der De-
stabilisierungspolitik Südafrikas leiden." Das darf jeder mißver-
stehen als Kritik an der RSA und als Inschutznahme ihrer Opfer.
Tatsächlich präsentiert sich die deutsche Außenpolitik wieder
einmal als die zuständige Adresse für alle, die vor den Waffen
Südafrikas, die nicht zuletzt aus bester deutscher Produktion
stammen, in die Knie gehen. Und gegenüber Südafrika reklamiert
Genscher die Patenschaft Bonns für die "herangereifte politische
Lösung". Nun läßt Pretoria durch Bonn die Region "stabilisie-
ren.", d.h. die Früchte des südafrikanischen Kriegsterrors ein-
fahren und im Rahmen bundesdeutschen Interesses auch regeln, wel-
che "friedlichen Beziehungen" zu Mosambik für Südafrika heraus-
springen. Deshalb verstummt die deutsche Klage über die Men-
schenrechtsverletzungen durch die Rassisten. Und Strauß reist als
Freund zu ihnen nicht trotz ihrer Schlächtereien, sondern weil
diese sich für die BRD gelohnt haben.
Strauß ist der passende Pate für die Bothas, die ihn selbstbewußt
"im ganzen südlichen Afrika" willkommen heißen und ihm damit
zugleich respektvoll die Kriegsbeute offerieren. Seine
"exzellenten Kontakte" bestehen unter anderem in einem heißen
Draht zum Führer der RENAMO in Mosambik, so daß diese zuverlässi-
ger dem Kommando des Bayern gehorcht als ihren südafrikanischen
Sponsoren. Das macht Strauß zuallererst für die Führung Mosambiks
zu einem Politiker, um den sie bei Strafe des Untergangs nicht
herumkommt. Also trommelt Präsident Chissano die politische Garde
Mosambiks aus den Ferien zum Spalier am Flughafen zusammen, wenn
der Bassa aus Deutschland kommt. Zugleich ist Strauß aber auch
für Bothas in Südafrika ein Mann, von dem es abhängt, wie sich
die Beziehungen zwischen der RSA und Mosambik gestalten. Schließ-
lich bildet ein Nichtangriffspakt ihre diplomatische Grundlage,
in den die RSA ihren "Einfluß" auf die RENAMO-Contras in Mosambik
eingebracht hat, während Mosambik Nichtunterstützung des afrika-
nische Nationalkongresses (ANC) versprach.
Dazwischen stehen Strauß' "exzellente Kontakte". So geraten deut-
sche Freunde der Drahtzieher von Krieg und Terror in den Ruf des
"Vermittlers"!
Noch aus einem anderen Grunde wissen die hartgesottenen Buren,
welchen Respekt sie Strauß schuldig sind. Er hat sich nie ge-
scheut, abnehmendes ökonomisches Interesse andrer westlicher
Staaten an Südafrika zum Ausbau bundesdeutscher Wirtschaftsmacht
auszunutzen. Man wußte in Bonn und München schon sehr genau,
warum Wirtschaftsboykotte gegen Südafrika "nur den Schwarzen
schaden" und angeblich deshalb für die BRD nicht infragekommen:
Lauter Firmenschilder westdeutscher Provenienz künden am Kap da-
von, daß ein Löwenanteil der ökonomischen Herrlichkeit des Rassi-
stenregimes deutsche Anlage ist. Strauß hat sich nie gescheut,
für die Gleichung von deutscher Wirtschaftskraft und deutscher
Macht einzustehen. Ihm gegenüber schlucken die Bothas denn auch
demonstrativ kleinere diplomatische Demütigungen durch Bonn her-
unter. Und die bundesdeutsche Öffentlichkeit genießt es in natio-
nalistischem Stolz. "Sie können sehen, wir haben hier ein Sofa!"
Dieser Satz von Südafrikas Staatspräsident Botha geistert durch
den deutschen Blätterwald, denn er ist eine Geste an Bonn. Dort
hatte man dem südafrikanischen Politiker mit dem schlechten Ruf
zur Pflege des guten deutschen das Sofa im Kanzleramt verwehrt
und auf Distanz geachtet. Mit gleicher Münze zurückzuzahlen hütet
der sich. Stattdessen unterlassen die Buren keine Re-
spektbekundung und dürfen dankbar den Toast des Christlich-Sozia-
len entgegennehmen, "daß man hier der Auffassung ist, daß das
Zeitalter nach der Apartheid schon begonnen hat."
Das also drückt der Titel der Strauß-Reise, sie sei der Versuch
einer "Befriedung der südafrikanischen Konfliktherde", wieder
einmal auf typisch bundesrepublikanisch-unschuldige Art aus: Die
BRD streicht im gesamten südlichen Afrika den politischen Gewinn
der Terrorkriege ein, die die RSA seit über einem Jahrzehnt ge-
führt hat und führt. Und die BRD besitzt in der RSA die ökonomi-
sche Macht, die das Apartheidregime aus disziplinierten Negern
schlagen läßt. Deshalb tritt an Stelle kleinlicher Bedenken deut-
scher Stolz über eine gewisse Exklusiv-Zuständigkeit für eine
"Friedenslösung" in der und rund um die RSA. "Diese könnte der-
zeit ohnehin nur aus einem westeuropäischen Staat kommen, da die
Vereinigten Staaten aufgrund ihrer erratischen Südafrika-Politik
und ihrer Wirtschaftssanktionen fast jeden Einfluß am Kap verlo-
ren haben. Gehör finden in Pretoria vor allem Politiker aus Groß-
britannien und der Bundesrepublik" begeistert sich die FAZ. Wenn
überhaupt Kritik an der jetzt offiziell von Strauß vertretenen
Linie der deutschen Südafrikapolitik in der Bundesrepublik laut
wird, dann richtet sie sich nicht gegen ihre Taten. Sie moniert
unterlassene Einmischung zugunsten der hehren Ideale deutscher
Außenpolitik: Warum unterläßt Strauß (ausgerechnet der !) mit ei-
nem Besuch bei Nelson Mandela den Beleg, daß letztlich alles
deutsche Treiben am Kap den Menschenrechten der Neger dient?! Un-
ter diesem Vorzeichen leuchtet noch dem letzten Grünen ein, daß
die frischgebackene Plutonium-Atommacht BRD Einmischung bis in
den hinterletzten Kral betreibt.
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