Quelle: Archiv MG - AFRIKA RSA - Republik Südafrika


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       MSZ 5/81
       
       Südafrika
       

EIN FRONTSTAAT RÄUMT AUF

Mit den üblichen offiziellen Dementis haben Truppen der Republik Südafrika wieder einmal die angolanische Grenzprovinz Kunene zum Schlachtfeld ihres Vernichtungsfeldzugs gegen die namibische Be- freiungsorganisation SWAPO gemacht. Neben der Ausrottung von SWAPO-Guerillas und der Zerstörung ihrer Nachschubbasen transpor- tieren die RSA-Soldaten das Vieh der angolanischen Bauern ab, sprengen Krankenhäuser, Schulen und Verkehrswege, um die Bevölke- rung zur Flucht in den Norden zu zwingen. Im Gefolge der Armee ziehen weitere Söldner der "prowestlichen" UNITA ein, und die RSA sorgt dafür, daß sie den Anspruch auf ein "freies Angola" auch von einem vorläufigen Staatsgebiet in Angola selber geltend machen können. Mit der Gefangennahme zweier sowje- tischer "Berater" im Kampfgebiet unterstrich die RSA-Regierung, daß ihr Überfall im Dienste des Freien Westens stattfinde, um den "Instrumenten der Sowjets" eine Lektion zu erteilen. Gegen eine Verurteilung der RSA legten die USA im Sicherheitsrat der UNO ihr Veto ein, weil die Volksrepublik Angola durch die Anwesenheit von Sowjets und cubanischen Truppen auf ihrem Territorium keinen An- spruch auf die Unverletzlichkeit ihres Staatsgebiets erheben könne. Neben dem Schlag gegen SWAPO ist die Invasion somit auch eine offene Kriegserklärung der RSA an Angola. Neu daran ist, we- niger die Brutalität, mit der Südafrika seine "berechtigten In- teressen" bis weit nach Angola hinein geltend macht - als viel- mehr die Anerkennung und Bestärkung, die diese Interessen gegen- wärtig im Westen finden. Namibia: Von der Kolonie... --------------------------- Anerkannt ist damit endgültig der Beschluß Südafrikas, die Rechtsnachfolge der UNO auf ein Völkerbundsmandat Südwestafrika nicht anzuerkennen, also die Annektion der ehemaligen deutschen Kolonie als de-facto-Provinz der RSA, deren Entlassung in die Un- abhängigkeit die Interessen des "Mutterlandes" berücksichtigen muß. Mittels der Anwendung südafrikanischer Steuer- und Gesetzes- hoheit partizipiert die RSA an den Gewinnen eigener wie ausländi- scher Kapitale und sichert sich so nicht nur die politische, son- dern auch die ökonomische Nutznießung des fruchtbar gemachten Farmlands (weitgehend in deutscher Hand) und der reichen Roh- stoffvorkommen. Hier etablierte Pretoria eine "selbständige" Ver- waltung, bei der sich die weißen Südwester auf die kollaborati- onswilligen Häuptlinge der Hereros und Hottentotten stützen. Aus den Reihen des größten Stamms, der Ovambo, rekrutieren sich folg- lich die Guerillas von SWAPO (= Southwest African People's Orga- nisation), die weniger durch militärische Erfolge, denn über die Anerkennung als "einzig legitimer Vertretung des namibischen Vol- kes" seitens der UNO zu einem politischen Faktor wurde, mit dem die Staaten Schwarzafrikas ihre Gegnerschaft zur RSA auf dem in- ternationalen diplomatischen Parkett vortrugen. Die materielle Unterstützung von SWAPO hielt sich in den engen Grenzen der spär- lichen Mittel, die afrikanischen Staaten zur Verfügung stehen, so daß sie SWAPO nicht mehr als eine bleibende Existenz als Störfak- tor garantierten. Deren Aktivitäten beschränkten sich so auf di- verse Auslandsbüros und eine akkreditierte Vertretung bei der UNO. Der Vorsitzende Sam Nujoma durfte nicht nur in New York, sondern gelegentlich auch mal in Bonn und anderen europäischen Hauptstädten vorsprechen und sich versichern lassen, daß die "Namibia-Frage" nach wie vor eine ungelöste sei. Praktisch gelöst hingegen wurde und wird sie durch die RSA-Trup- pen in Namibia: Anfangs noch flankiert durch diplomatische Verur- teilungen auch seitens westlicher Staaten hat die RSA seit der Unabhängigkeit Angolas freie Hand, den Kampf gegen SWAPO auch auf angolamerikanischem Territorium abzuwickeln und die Reagan- Administration hat sich vom Kongreß ermächtigen lassen, die Unterstützung der UNITA wieder aufzunehmen, so daß neben SWAPO zunehmend auch das MPLA-Regime unter Druck gerät. ...zur souveränen Kolonie ------------------------- In Namibia selbst hat die RSA die Weißen und alle "kooperationsfähigen Schwarzen" in der Turnhalle von Windhuk eine Verfassung für ein "vielrassiges Namibia" ausarbeiten lassen und Wahlen durchgeführt, die der "Demokratischen Turnhallenallianz" die überwältigende Mehrheit brachten. SWAPO wurde eine Beteili- gung an den Wahlen unter südafrikanischer Regie angeboten, wobei von vornherein klar war, daß die Guerillas diese Offerte, aus dem Untergrund aufzutauchen und sich bei den Besatzungsbehörden regi- strieren zu lassen, ablehnen würden. Für die RSA war die "Namibia-Frage" damit auch politisch gelöst und sie verkündete die bevorstehende Entlassung ihrer Südwest- Provinz in die "Unabhängigkeit", minus der strategisch wichtigen Walfischbucht und plus der Stationierung südafrikanischer Schutz- truppen gegen "angolanische Aggressionen". Zwar wird dieser "Unabhängigkeitsplan" von der UNO nicht anerkannt und selbst die USA sind noch nicht bis zur Anerkennung der Turnhallenregierung fortgeschritten - das macht aber nichts, weil die neue Afrikapo- litik, der Reaganadministration von der Maxime ausgeht, daß es keine Namibia-Regelung ohne südafrikanische Zustimmung geben wird. Die USA wollen die Angelegenheiten im südlichen Afrika in den "globalen Zusammenhang" einer Abwehr gegen die "sowjetischen Expansionsgelüste" stellen, weshalb SWAPO seitdem als "Instrument der SU" figuriert, deren Machtübernahme "unseren wichtigsten Ver- bündeten in Afrika" gefährdet, der "volle Unterstützung" ver- dient. Im Unterschied zu cubanischen Truppen in Angola, die die- sen Staat zu einem "totalitären" machen, dessen Souveränität nicht garantiert wird, handelt es sich bei der Negerunterdrückung in der RSA nämlich um "interne Angelegenheiten" eines nur "autoritären Regimes", die die "traditionell freundschaftlichen Beziehungen" nicht stören dürfen. Die südafrikanische Kontrolle über Namibia und die davon ausge- hende ständige Unterminierung der MPLA-Macht in Angola ist seit- dem B e s t a n d t e i l der US-Afrikapolitik und die Geheim- verhandlungen der Amerikaner mit der RSA am Genfer See erörterten lediglich Modalitäten dieses status quo, daß er prinzipiell zu erhalten sei, daß sich die SWAPO in das zu schaffende Staatsan- hängsel Südafrikas zu integrieren habe und daß bei eventuellen freien Wahlen die südafrikanischen Besatzungstruppen nicht durch UNO-Kontingente, sondern durch Truppen aus den 5 (westlichen) "Vermittlerstaaten" ersetzt werden. Um ein gerechtes Ergebnis zu garantieren; erhält die RSA nicht zuletzt durch den "wiederauf- genommenen Verhandlungsprozeß" Zeit und Erlaubnis, mit SWAPO aufzuräumen. Der Beweis, von den RSA-Truppen erbracht, daß die Unterstützung durch Angola SWAPO vor der militärischen Ver- nichtung nicht schützen kann, steigert gleichzeitig die Kompro- mißbereitschaft der SWAPO-Führer. Die VR Angola hingegen muß er- fahren, daß selbst die weitestgehenden Angebote zur ökonomischen Nutzung ihrer Ressourcen (vor allem Erdöl) zwar von US-Konzernen (Gulf-Oil) dankbar angenommen werden, die Reagan-Administration aber nicht daran hindert, die MPLA-Regierung zu Mitgliedern jener "internationalen terroristischen Vereinigung" zu deklarieren, die ihre Befehle aus der "Moskauer Zentrale" erhält. Selbst die diplomatischen Beteuerungen, "Angola wolle sich gern von den sowjetischen und cubanischen Militärberatern trennen, wenn durch die für 1982 angestrebte Unabhängigkeit Namibias der Krieg im südlichen Afrika beendet werde", bringen die amerikani- sche Regierung nicht davon ab, den Beschluß Carters über eine Entspannung des Verhältnisses zur MVLA-Regierung offiziell zu re- vidieren. Neben einer freien Hand zur Schaffung einer souveränen Kolonie Namibia bekommt die RSA den ausdrücklichen Auftrag, ihre Attacken gegen Angola fortzusetzen: "Im einzelnen soll Südafrika eine international akzeptable Lösung des Namibiaproblems zustandebringen. Die USA wollen sich bemühen, Südafrikas Ausgestoßenen-Status in der Welt zu beenden und es wieder zu einem Partner zu machen, mit dem man pragmatisch zusam- menarbeiten könne. Als Gegenleistung soll sich Südafrika dem so- wjetischen Einfluß in Ländern wie Namibia und Angola entgegen- stellen." (Süddeutsche Zeitung vom 1.6.81) Neben dem bewußten Affront gegenüber der UNO-Mehrheit, die schlicht für unzuständig erklärt wird, erhalten auch die europäi- schen Partner der USA den deutlichen Bescheid, daß ihre Extra- Touren mit SWAPO unzeitgemäß geworden sind und sich ihre Vermitt- lerrolle auf die Anerkennung der USA-RSA-Verhandlungsergebnisse zu beschränken hat. Hier hat man sich als flexibel erwiesen, ins- besondere die BRD, wo man sich für "das ehemalige Deutsch-Süd- westafrika in besonderer Weise zuständig" fühlt. Die Zustimmung zum US-Modell wird als "einzig mögliche Rettung des UNO-Konzepts" verkauft, dessen Geist zumindest auf diese Weise Genugtuung wi- derfahre. Das Veto der USA gegen eine Verurteilung der RSA in Sa- chen Einfall in Angola wird durch eine BRD-Stimmenthaltung er- gänzt, und schon hat man beim Mitmachen seine eigene "neutrale Vermittlerrolle" unter Beweis gestellt. Auch mit den schwarzafri- kanischen Frontstaaten machte Reagans Sonderbotschafter Crocker reinen Tisch: Sie haben sich sagen lassen, daß es finanzielle Mittel aus USA nur noch für Staaten gibt, die sich für die Unter- ordnung von SWAPO unters südafrikanische Modell verwenden, also der SWAPO die Unterstützung entziehen und die Angolaner zum Raus- schmiß der Cubaner und Sowjets auffordern. Sie beließen es gegen den Einmarsch in Südangola bei diplomatischen Verurteilungen, forderten mitnichten die SU zur Unterstützung auf, sondern baten die europäischen "Vermittlerstaaten" um ihre "guten Dienste". Auf der OAU-Konferenz in Nairobi gab man Nujoma zu verstehen, daß eine Verhandlungslösung anstehe und daß SWAPO auf keine Hilfe zählen könne, falls es eine solche, allgemein akzeptierte Lösung sabotieren wolle. Dessen treuherzige Erklärung, SWAPO wolle mit dem Westen "zusammenarbeiten" und sähe sich nur ungern gezwungen, die SU um Hilfe anzugehen, ist auch von niemandem als Drohung mißverstanden worden. RSA - USA: Eine "natürliche Partnerschaft" ------------------------------------------ Der Part, den die Sowjetunion als großer Schirmherr des "afrikanischen Aufbruchs zu Unabhängigkeit und Sozialismus" bei der Regelung südafrikanischer Verhältnisse übernommen hat, läßt auch diese Runde in der von den USA beschlossenen West-Ost-Kon- frontation eindeutig an den Imperialismus gehen. Es war natürlich nicht der "sowjetische Expansionsdrang", der die RSA zu ihrem Einfall in Angola ermuntert hat, wie es die offizielle Lesart wissen will. Vielmehr trifft das Gegenteil zu: Während im inner- angolanischen Kampf um die Macht zwischen der MPLA und ihren Konkurrenten von UNITA und FNLA die cubanischen Truppen das süd- afrikanische Expeditionscorps 70 km vor Luanda zum Stehen ge- bracht hatten und anfangs die südlichen Grenzprovinzen vor den Resten der RSA-Schützlinge sicherten, räumten die Cubaner schon beim ersten Angriff der RSA vor zwei Jahren ihre grenznahen Stel- lungen, um den Angreifern keinen "Vorwand" zu liefern, SWAPO würde indirekt von der SU militärisch unterstützt. Im Zuge des weltweiten sowjetischen Wohlverhaltens angesichts der amerikani- schen Konfrontationspolitik beschränken sich die Cubaner auf das Halten ihrer Stellungen um die Hauptstadt und überlassen den MPLA-Soldaten das aussichtslose Gefecht mit der Invasionsarmee. Die Wiederaufnahme der US-Waffenlieferungen an die UNITA im Süden, die die wichtige Eisenbahnlinie von Mosambik nach Lobito unsicher macht, an die FNLA im Norden und an die FLEC, die die angolanische Erdölenklave Cabinda bedroht, exekutieren das Urteil der USA, daß ein Staat wie Angola, der sich mit dem "sowjetischen Weltterrorismus" einläßt, nur auf eine begrenzte Souveränität rechnen darf: Die sogenannte Breschnew-Doktrin für Staaten des Ostblocks wird zur rauhen Wirklichkeit amerikanischer Politik auf der ganzen Welt, und Angola ist dafür ein Exerzierplatz. Die RSA hat dabei ihre historische Chance erkannt, daß die aggressive Wahrnehmung ihrer nationalen Interessen mit der internationalen US-Politik zusammenfällt: Neben der Ausschaltung der SWAPO hat sie sich die Destabilisierung der Herrschaft ihr unbequemer Regi- mes in den sogenannten Frontstaaten zum Ziel gesetzt. Dabei gerät auch Mosambik zunehmend in die Schußlinie trotz der intensiven Wirtschaftsbeziehungen, die die FRELIMO-Regierung mit Pretoria unterhält. Die Existenz eines Büros der südafrikanischen schwar- zen Opposition ANC ist Grund genug, eine mosambikische Anti-Fre- limo-Befreiungsorganisation aufzubauen, und ein erstes südafrika- nisches Kommandounternehmen Anfang des Jahres in Maputo wurde er- folgreich durchgeführt. Die Kriegserklärung der RSA liegt auf dem Tisch: Ministerpräsi- dent Botha drohte in einem Brief an UNO-Generalsekretär Waldheim, daß die Frontstaaten nur noch "wenig Zeit" hätten, ihre Unter- stützung von SWAPO und ANC aufzugeben, sonst würde es zu "einer turbulenten Ära, die katastrophale Ausmaße annehmen könnte, kommen." (Le Monde vom 29.8.81) Ein paar Tage vorher hatte der US-Senator Richard Lugar entdeckt, daß es sich bei der VR Angola "nur um eine Ausdehnung der sowje- tischen Macht über Stellvertreter" handle, somit um "einen Druck- punkt, den wir ausbeuten können." (Süddeutsche Zeitung vom 26.8.1981) Bild ansehen Landkarte südliches Afrika" *** Das ehemalige Deutsch-Südwestafrika ----------------------------------- Neudeutscher Imperialismus versteht es, aus der Niederlage seiner Rechtsvorgänger in zwei Weltkriegen die besondere Zuständigkeit der BRD für die "3. Welt" im allgemeinen und Namibia im besonde- ren abzuleiten und dies als Ausbund an Bescheidenheit und Fried- fertigkeit - eben das glatte Gegenteil von Machtstreben - hinzu- stellen: Ist der sehr unfreiwillige Verlust "kolonialer Last" nicht ein Gütesiegel einer von "kolonialer Schuld" ganz unbe- fleckten Außenpolitik? Sind nicht gerade deswegen Zuständigkeits- erklärungen für Namibia - schließlich ist das unsere ehemalige Kolonie - über jeden Zweifel erhaben und also unser gutes Recht? Leiten sich daraus nicht globalere Verantwortlichkeiten ab, als sie jeder "Großmacht" zustehen? "Deutschland hat 1918 aufgehört eine Kolonialmacht zu sein. An- dere ehemalige Kolonialmächte fühlten sich einerseits politisch, andererseits aus eigenen wirtschaftlichen Interessen verpflich- tet, ihre in die Unabhängigkeit entlassenen Kolonien weiterhin zu 'betreuen'. Die BRD hat auch kein weltweites Engagement wie die Großmächte, welche die Entwicklungspolitik auch als ein Mittel zur Erweiterung ihrer politischen Einflußsphären einsetzen woll- ten. Entwicklungspolitik war für die junge BRD ein neues Feld... Deshalb ist es oberstes Ziel der deutschen Entwicklungspolitik, ihren Beitrag zum Abbau von Spannungen zu leisten und eine glo- bale Friedenspolitik zu betreiben. Die deutsche Entwicklungspoli- tik macht ihre Leistungen nicht von politischem Wohlverhalten ab- hängig. Sie setzt aber voraus, daß ein Entwicklungsland zur part- nerschaftlichen Zusammenarbeit bereit ist." (Politik der Partner, BMZ 1979) Die BRD verteidigt nämlich überall das "Recht auf Selbstbestim- mung" und ist zum "vermittelnden Partner" geradezu prädestiniert - ihr stehen Positionen als moralische Pflicht zu, weil sie nicht wie z.B. Frankreich ihr Militär in etlichen Ländern hat. Ansprü- che auf politisches Wohlverhalten werden keine gestellt, außer sich gegenüber der BRD wohlzuverhalten. - Das ist kein "Groß- machtdenken", sondern eine Alternative dazu. Davon sind wir nämlich selbst ein Opfer, und aus der Pose der gemeinsamen Be- troffenheit lassen sich großdeutsche Ansprüche ganz unverdächtig anmelden: "Namibia/Südwestafrika ist ein Thema, das uns Deutsche besonders angeht. Dies nicht aus Gründen der Nostalgie zur ehemaligen deut- schen Kolonie. Der Verlust der deutschen Kolonien im Ersten Welt- krieg, damals betrauert und als nationales Unglück beklagt, hat uns eher von einer Last befreit, die andere Mächte bis zur soge- nannten Dekolonialisierung weiter tragen mußten, und hat uns ge- genüber der 3. Welt insgesamt freier und unbefangener gemacht. Betroffen sind wir von dem Konflikt um das ehemalige Deutsch-Süd- west-Afrika vor allem deshalb, weil dort noch etwa 30.000 unserer Landsleute leben, für die dieses Land nach drei oder vier Genera- tionen ebenso Heimat ist wie für die anderen Bewohner des Landes. Wenngleich sicher vieles nicht so bleiben kann, wie es gegenwär- tig ist, sollte doch keiner Lösung zugestimmt werden, die ein neues Glied an die Kette der Vertreibungen und Entrechtungen die- ses Jahrhunderts fügt und Deutsche wieder zum Verlassen ihrer Heimat zwingt wie am Ende des Zweiten Weltkrieges. (Zur Diskussion gestellt: Namibia, Bayerische Landeszentrale für politische Bildung, 1981) Deutsche Landsleute - von Heimatvertreibung bedroht - helfen Schwarzen eine neue Heimat zu schaffen: Zwangsumsiedelung in Halbwüste zwecks Pufferfunktion gegen Angola. Zwar ist weit und breit keiner in Sicht, der "unsere Landsleute" vertreiben wollte - die verkünden vielmehr auf ihre sympathisch- faschistische Art die Sicherheit über ihre Position in Namibia: "Jetzt schlagen wir sie zusammen", sagte der deutsche Schaffarmer über die SWAPO nach dem Scheitern der Genfer Konferenz ("Spiegel", 4/81) Aber wir stehen ihnen trotzdem zur Seite ideell zumindest kämpfen wir dort nämlich gegen die Machtpolitik der SU wie um die "deutschen Ostgebiete". Praktisch machen ja die USA und RSA Namibia zu einer Vorstufe der Ostfront; die BRD ist wei- terhin für eine Verhandlungslösung und e i n e bringen die USA und Südafrika schon zustande. Die BRD bleibt also weiterhin ver- mittelnd, spannungsmildernd und neutral - die Ostfront ist in guten Händen, wenn auch einstweilen nur in Afrika. zurück