Quelle: Archiv MG - AFRIKA RSA - Republik Südafrika
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MSZ 9/85
Demokratische Schule des Fingerspitzengefühls
WIR KRITISIEREN SÜDAFRIKA
Seit einiger Zeit gibt es wieder Meldungen aus Südafrika. Es
kracht wieder einmal, was nichts anderes heißt, als daß die
Machthaber die Neger schikanieren, verbleuen und umbringen las-
sen. Die als Arbeitstiere oder als überflüssiges Menschenvieh Ge-
peinigten bringen es mit Stöcken und Steinen zu einigen "Unruhen"
- und kriegen im Zuge eines wohlversehenen Ausnahmezustands die-
selbe Behandlung verabreicht wie immer, wenn sie sich regen. Kon-
junktur hat aus Gründen, die wir nicht kennen, im Sommer 1985 die
d e m o k r a t i s c h e A u f r e g u n g über die Verlaufs-
formen der Gewalt in jenem sauberen Staatswesen, das zu "unseren"
Freunden zählt.
Irgendetwas scheint den Demokraten da unten nicht recht zu pas-
sen. Sonst würden sie wohl kaum ihr "Sommerloch " mit lauter
Stellungnahmen vollstopfen, in denen sie sagen, worauf es ihnen
ankommt.
1. Ein billiges Bekenntnis
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Zuallererst fühlen sich die Herrschaften der freien Welt ver-
pflichtet, ihre Wertschätzung der Menschenrechte zu erwähnen. Ja-
wohl, insofern die "Politik der Rassentrennung " nicht unseren
heiligen Grundsätzen nachkommt, müssen wir sie ohne Einschränkung
ablehnen. Jawohl, die Sache mit der "Apartheid" müssen wir
"verurteilen": "Schon von meiner christlichen Einstellung her bin
ich ein entschiedener und leidenschaftlicher Gegner der Apart-
heid." (Strauß) Das sitzt!
Freilich kommt die Entrüstung über die Nichtbefolgung "unserer"
Rechtsgrundsätze etwas seltsam daher. Haben diese Weltpolitiker
noch nichts davon mitbekommen, was mit den schwarzen Massen ange-
stellt wird? Erschöpft sich der Umgang der Politik und Wirt-
schaft, made in Pretoria, mit den Menschen anderer Hautfarbe
darin, daß denen ein Recht vorenthalten wird? Womöglich das auf
fröhliches Miteinander? Oder steht die "weiße Minderheit", vor
allem ihre Führung, noch in einem etwas anderen Verhältnis zu
denen, denen man da aus Europa die Menschenrechte wünscht? Haben
die denn sonst alles: was zum Essen, ein Einkommen und gescheite
Schulen für ihre Kinder z.B.? Oder gilt die Kritik der menschen-
freundlichen Herren aus Deutschland gar nicht dem Gebrauch der
Schwarzen und der Gewalt, die sie zu spüren kriegen?
Anders gesagt: Um eine "Trennung" der Rassen handelt es sich in
Südafrika nicht! Die Unterschiede in bezug auf Rechte und Pflich-
ten, die dieser Staat für die Leute verschiedener Hautfarbe auf-
gemacht hat, haben nämlich einen einfachen Zweck. Die Sortierung
in arm und reich, brauchbar und unbrauchbar will dieser Verein
nicht über den Vergleich sämtlicher ihm zur Verfügung stehenden
Untertanen vornehmen. Er hat den Vergleich in der Brauchbarkeit
seines Menschenmaterials e n t s c h i e d e n - und die recht-
lichen Vorkehrungen dafür getroffen, daß die Neger als abrufbares
Lager von Lohnsklaven bereitstehen. Und wenn sie nicht gebraucht
werden, ist sichergestellt, daß sie nicht stören!
Wem noch nicht einmal ein Wort dazu einfällt, w a s statt des
fehlenden Menschenrechts in Südafrika läuft, w o z u die Tech-
niken der Apartheid angewandt werden, w a r u m also kein In-
teresse an der Menschenwürde besteht, der ergreift Partei. Für
ein Ideal, an dem da unten kein Bedarf besteht, - aber nicht für
die Neger und die Besserung ihrer Lage. Die überantwortet er
glatt an den guten Willen ihrer Herren. Etwas anderes an Verände-
rung kann er sich gar nicht vorstellen, als daß die regierenden
und mordenden Buren in der Hauptstadt ihre Berechnungen im Umgang
mit den Millionen Schwarzen überdenken. In diesem Sinne fragt er
sich dann besorgt:
2. Was tun?
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Diese Frage steht Teilnehmern von Weltwirtschaftsgipfeln und
NATO-Konferenzen gut zu Gesicht. "Wie hätten wir's denn gern?" -
das liegt für die Einmischungsmafia der heutigen Weltwirtschafts-
ordnung ja viel näher als die Überlegung, wie man die menschen-
rechtslosen Neger unterstützen könnte, damit sie ihre Schlächter
davonjagen. Das wäre nicht nobel und überhaupt keine Politik in
dem Sinne, wie wir sie lieben und ehren!
Allerdings ist da einigen Demokraten des freien Westens der Ein-
fall gekommen, die eigenen "Beziehungen" zum südafrikanischen
Staat für eine Einmischung des Typs einzusetzen, der gelegentlich
gegenüber anderen Menschenrechtsbrechern angewandt wird: Erpres-
sungsmaßnahmen gegenüber den dortigen Herrschaften, d a m i t
sie anständiger mit ihren Untertanen umspringen, wurden ins Ge-
spräch gebracht. Daraus ist nichts geworden. Der Bescheid kam
prompt und lautete nicht etwa: "Kein Bedarf" oder "Wollen wir
nicht!" Demokraten sind nämlich wahrheitsliebende Menschen und
erfinden für ihre Taten immer g u t e G r ü n d e: "Boykotte
bewirken nichts, und sie würden letztlich nur den Schwarzen scha-
den!"
Das ist vornehm, da es denen ja momentan so prächtig geht - von
den Menschenrechten mal abgesehen! Sonst wissen die europäischen
und amerikanischen Freiheitshelden in den Regierungszimmern sogar
genau, wo sie - weil "Boykotte nichts bewirken" - W a f f e n
hinschaffen müssen, damit sich alles zum Guten wendet und das ge-
wünschte Recht einkehrt. In Südafrika sind sie r a t l o s und
müssen sich auf den vorsichtigen, aber "kritischen Dialog" mit
Herrn Botha einlassen. In dem Dialog können sie dann Ratschläge
erteilen und aufpassen, daß der auch nicht übers Ziel hinaus-
schießt. Sie wissen nämlich, was nottut da unten:
3. Realismus und Vorsicht
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In dieser Hinsicht können unsere Oberdemokraten erst einmal nicht
umhin, den Staatsmännern der RSA, allen voran Botha, K r i t i k
z u e r s p a r e n. Als "vorsichtiger Reformer" hat er bis-
lang schon sechzig "Schritte in die richtige Richtung" getan
(Genscher). "Bei der Abschaffung der allgemeinen Apartheid sind
entschiedene Fortschritte erzielt worden" (Strauß). Das werden
die in Soweto mit einem riesigen Hurra aufnehmen. Endlich einmal
ein Fortschritt, verbürgt durch ein Lob aus Europas Hauptstadt!
Zumal sich die europäischen Freunde der Neger gleich auch noch
den Kopf darüber zerbrechen, was unermeßlichen Schaden anrichten
könnte. Der entsteht, wenn man folgenden Grundsatz am Kap der
guten Hoffnung vernachlässigt, der dem Strauß in München einge-
fallen ist: "Es gilt jedoch klar zu trennen zwischen allgemeiner
und politischer Apartheid." Bei letzterer ist das "Problem un-
gleich schwieriger". Also nichts mit der "Einführung des gleichen
Stimmrechts von heute auf morgen"! Was würde nämlich passieren?
Das Ende der Burenherrschaft und ihrer Kapitalherrlichkeit womög-
lich? Von wegen! Die Neger würd's treffen: "Mit dem Ende von Si-
cherheit und Ordnung begänne auch in Südafrika der Kampf der
Stämme. Tod und Not, Elend und Armut wären die unvermeidliche
Folge."
Jäh hätten die schönen Tage von Soweto, das ausschweifende Leben
in Saus und Braus, das Botha mit seinen Sicherheitsorganen stif-
tet, ein Ende! Das kann ein leidenschaftlicher Gegner der Apart-
heid denn doch nicht wollen, daß, ohne Ordnung, Tod und Armut die
Runde machen. Was bleibt also für die europäischen Liebhaber des
sozialen Friedens auf südafrikanisch zu tun? Bescheidenes Wirken
als "Helfer beim Ringen um Frieden und Ausgleich"!
Denn wir haben Gründe dafür, daß wir uns - jenseits aller Kritik
- unseren Burenstaat erhalten. Auch ohne Menschenrechte ist eine
hochzuschätzende Eigenschaft an ihm nicht zu verkennen:
4. Unsere Abhängigkeit
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Denn ob bei dem sich einstellenden Chaos noch regelmäßig Chrom
und Platin abzuholen gingen, ist doch sehr fraglich. Wer Süd-
afrika so mir nichts, dir nichts und ausgerechnet wegen seiner
schwarzen Opfer verändern will, der soll sich erstmal die impe-
rialistische Lektion hinter die Ohren schreiben, daß "wir" ohne
eine gescheit funktionierende Ausbeutung da unten nichts putzen.
Kommentatoren der Tagesthemen und amtierende Demokraten kennen
sich da aus: "Unsere Abhängigkeit liegt auf der Hand. Bei 18 le-
benswichtigen Rohstoffen mit weltweiter volkswirtschaftlicher Be-
deutung stammen 63% der Weltproduktion aus dem südlichen Afrika."
Und wenn das nicht Mord und Totschlag, von Pretoria aus organi-
siert, rechtfertigt, dann das Waldsterben: "Ohne Platin gibt es
aber keinen Katalysator für ein schadstoffarmes Auto." Da muß
doch noch der letzte Grüne für das nötige Maß an Schlächtereien
dankbar sein! Warum dürfen "wir" uns also mit Fug Sorgen um eine
wohlverstandene Stabilität in und um Südafrika machen? Richtig -
es handelt sich um ein Land, wo wir bei aller Achtung vor den
Menschenrechten aus eigenem Interesse das weltwirtschaftlich ver-
bürgte Recht haben, uns zugunsten der Leistungen einzumischen,
die eine Regierung dort allemal zu bringen hat. Unsere verdammte
Pflicht und Schuldigkeit lautet:
5. Nichts anbrennen lassen!
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Und zwar nicht nur in dem Sinn, daß wir abhängig sind. Sie stif-
tet ja auch manchen Nutzen, die RSA überkommenen Typs. Wer hält
denn die Parteigänger Moskaus auf dem schwarzen Kontinent in
Schach und die Tankerroute offen ? Na also! So einen Partner -
wie gesagt, die allgemeine Apartheid kann einem Christen nicht
egal sein; da sind sich alle Demokraten einig - läßt man sich
doch nicht nehmen. Wir müssen beharrlich den demokratischen Weg
der Überzeugung suchen, statt ihn wegen ein paar Leichen zu ver-
lassen.
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Marktwirtschaft auf südafrikanisch
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Alles fruchtbare Land und alle einträglichen Geschäftszweige be-
finden sich ausschließlich in weißer Hand - was keineswegs bedeu-
tet, daß alle Weißen auskömmliche Geschäfte betreiben würden! Auf
alle Fälle aber bedeutet es, daß die Schwarzen sich auf dem ver-
bleibenden Land so gut wie gar nicht ernähren können, sich also
überreichlich für die Knochenarbeit auf den Plantagen, in den Mi-
nen und Fabriken "anbieten". Gesetze legen haarklein die Bedin-
gungen fest, zu denen sie dies d ü r f e n.
- Die Schwarzen haben kein südafrikanisches Bürgerrecht. Sie sind
mit Pässen von eigens für sie eingerichteten "Banturepubliken"
auf dem Territorium der Republik Südafrika ausgestattet. Außer-
halb dieser öden Landstriche braucht ein schwarzer Südafrikaner
eine A u f e n t h a l t s g e n e h m i g u n g, d.h. den
Nachweis, daß er gerade g e b r a u c h t wird; denn in seinem
Paß muß ein Arbeitsplatz nachgewiesen werden.
- Die Schwarzen können so nach ihrem Verwendungszweck sortiert
werden: Arbeitskräfte dürfen sich in den "Townships" außerhalb
der Städte legal aufhalten. Ihre nicht arbeitenden Familienange-
hörigen können ins für sie zuständige "Bantustan" abgeschoben
werden. "Unruhestiftern" wird die Aufenthaltsgenehmigung entzo-
gen, um sie anschliessend als "illegale Ansiedler" völlig recht-
mäßig einbuchten zu können. Polizei und Armee führen regelmäßige
Razzien und Kontrollen durch.
- Wo der überwiegende Teil der schwarzen Bevölkerung nicht einmal
in den Genuß eines Arbeitsplatzes kommt, ist auch die Lohnfindung
für den glücklichen Teil kein Problem. Die Löhne können in der
Regel von den Unternehmen festgesetzt werden und garantieren, daß
man, solange man arbeiten kann, nicht vor Hunger umfällt. Es sei
denn, man fällt wegen anderer Sachen um, weil man 10 Jahre lang
Asbest geschluckt hat z.B. oder das Klima in den Gruben nicht
aushält. Auf dieser preiswerten Grundlage kümmern sich dann vor-
bildliche deutsche Firmen sogar um die Gleichstellung der Rassen:
Sie bilden einen landesüberdurchschnittlichen Prozentsatz schwar-
zer Facharbeiter und Angestellter aus, deren Beschäftigung sie
dann billiger kommt als die Gehälter für die gesetzlich bevorzug-
ten weißen Kräfte. In der Heimat betreibt man damit Imagepflege,
die die südafrikanischen Extraprofite als unternehmerische Wühl-
arbeit gegen die Apartheid verklärt. Das freut den DGB.
- Meinungsverschiedenheiten mit dem Arbeitspersonal sind bei so-
viel Anwärtern auf die Arbeitsplätze auch kein Problem: Ganze Be-
legschaften können ausgetauscht werden. Die deutsche Firma Sie-
mens war bei der letzten Lohnauseinandersetzung sogar so großzü-
gig, alle wieder einzustellen - bis auf Gewerkschaftsmitglieder.
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"DDT schützt vor Malaria.
Müssen wir unsere Kinder vor DDT schützen?
DDT ist ein Schädlingsbekämpfungsmittel. Für seine Entdeckung
wurde Paul Hermann Müller mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Es
ist überaus wirksam, heute allerdings auch überaus umstritten.
Nachrichten, daß DDT sich von der Arktis bis zur Antarktis in der
Umwelt ablagert, daß es in der Muttermilch und im Fettgewebe von
Mensch und Tier gespeichert wird, fachen die DDT-Diskussion immer
wieder aufs neue an.
Wie groß ist das DDT Problem wirklich?
DDT ist eine Belastung für Mensch und Umwelt. Auch wenn es nicht
akut giftig ist und erwiesenermaßen weder krebserregend noch gen-
schädigend wirkt.
DDT - die Lösung des Malaria-Problems.
Malaria ist ein Wechselfieber, das häufig tödlich verläuft. Es
wird durch die Anopheles-Mücke übertragen, die man mit DDT be-
kämpft.
DDT - ein Weg aus dem Hunger.
Keinen Tag richtig satt. Niemals. Wer von uns kann sich schon
vorstellen, was das bedeutet?
Für 800 Millionen Menschen in der Dritten Welt ist das tägliche
Realität. Ohne DDT wären es noch viel mehr.
Denn DDT schafft die wichtige Voraussetzung, um Sumpfgebiete in
fruchtbares Ackerland verwandeln zu können: es vernichtet die
dort lebenden Malariamücken, die die Erschließung des Bodens un-
möglich machen.
Erst wenn sie - mit Hilfe von DDT - verschwunden sind, kann das
Gebiet ohne gesundheitliches Risiko landwirtschaftlich genutzt
werden. Und jedes Stück Ackerland mehr bedeutet etwas weniger
Hunger auf der Welt.
Wie soll es weitergehen mit DDT?
Die Chemische Industrie hat Substanzen entwickelt, die einen
vollwertigen Ersatz für DDT darstellen.
Allerdings sind diese Stoffe vielfach für die Länder der Dritten
Welt zu teuer. Außerdem sind sie meist in der Anwendung kompli-
ziert, was neue Probleme aufwirft. Solange es keine Alternative
gibt, die ebenso billig und wirksam ist wie DDT, können viele
Länder auf DDT noch nicht verzichten. In der Bundesrepublik
Deutschland jedoch ist DDT seit 1972 verboten.
Es informiert Sie
DIE CHEMISCHE INDUSTRIE
Wenn Sie gern mehr zum Thema DDT wissen möchten, schreiben Sie
uns. Wir halten kostenloses Informationsmaterial für sie bereit.
Initiative "Gesünder leben", Karlstraße 21, 6000 Frankfurt/Main"
Besser vergiftet als verhungert!
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Meint die chemische Industrie. Schließlich ist die Hungerdebatte
eine erstklassige Gelegenheit, etwas zur Ehrenrettung eines in
Verruf geratenen Verkaufsschlagers zu tun. Man muß nur so tun,
als ob es den Hunger wegen nicht trockengelegter Sümpfe gäbe, an-
dererseits verständnisvoll auf die unterentwickelte Zahlungsfä-
higkeit der Dritten Welt für andere Schädlingsmittel hinweisen,
und schon kann das DDT gar nicht mehr so giftig sein, wie manche
Gesetze behaupten. Und die Chemische Industrie gar nicht so ge-
schäftstüchtig, wie manche Kritiker behaupten. Schließlich ver-
kauft sie das Zeug in der Dritten Welt aus schierem Verantwor-
tungssinn.
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