Quelle: Archiv MG - AFRIKA RSA - Republik Südafrika
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MSZ 6/81
Republik Südafrika
APARTHEID STATT NORD-SÜD-GEFÄLLE
"Es ist gut zu wissen, daß der Führer der freien Welt die strate-
gische Bedeutung Südafrikas erkennt und realistisch einschätzt.
Unabdingbare Voraussetzungen für die Beibehaltung dieser strate-
gischen Bedeutung sind Stabilität und ruhige Entwicklung im süd-
lichen Afrika, gepaart mit der Beibehaltung der Zivilisationsmaß-
stäbe." (Premierminister Botha)
"Die Bundesregierung will sich für die Einhaltung der Menschen-
rechte in Südafrika einsetzen, sieht aber keinen Anlaß, ihr Ver-
hältnis zu dem Apartheidregime in Pretoria grundsätzlich zu über-
prüfen." (SZ 14.11.81)
Es war ja schon immer verräterisch, daß die Kritik an "Menschen-
rechtsverletzungen" der Burenrepublik regelmäßig in eine Frage
nach ihrer "Zukunft" einmündete und in den Vergleich mit einem
"Pulverfaß", das zu explodieren drohe. Diese Zweifel am Sinn der
Apartheidspolitik - ausgestaltet mit dem Verweis auf die
erfolgreiche Installation schwarzafrikanischer Partnerstaaten
ebenso wie auf die Effektivität demokratischer Unterwerfung -
hierzulande - waren so ernsthaft gegen die Herrschaft der RSA ge-
richtet, daß sie gleich als Tip zu deren Stabilisierung daherka-
men.
Die Reagansche Forderung nach "Nichteinmischung in die inneren
Angelegenheiten" unseres treuen "Verbündeten in 2 Weltkriegen"
ist also nicht die Beendigung einer irgendwie gearteten feindli-
chen Einmischung seitens der imperialistischen Staaten, sondern
die Aufkündigung des diplomatischen Scheins, man erwarte
"eigentlich" eine grundsätzliche Änderung der innenpolitischen
Verhältnisse. Der offizielle Gesichtspunkt, unter dem es fortan
geradezu ungehörig erscheint, Südafrika die vollste Unterstützung
zu versagen, lautet schlicht und unverblümt, daß auch dort drun-
ten "unsere Interessen" beheimatet sind: Neben der außenpoliti-
schen "Ordnungsfunktion im südlichen Afrika" bereichert Südafrika
die NATO nicht nur um einen bis auf die Zähne bewaffneten strate-
gischen Vorposten für den nächsten Krieg - jüngst wurde wieder
eine Erhöhung des Militärhaushalts um 30% beschlossen.
Darüberhinaus trifft selbstverständlich dasselbe zu wie bei
"unseren Ölquellen":
"Das untersuchende Komitee nannte Südafrika einen 'Persischen
Golf an Mineralien'... Müßten die Industrienationen des Westens
auf Südafrikas Mineralien verzichten, kämen sie zum Stillstand
oder wären auf die Lieferfähigkeit und den Lieferwillen der So-
wjetunion angewiesen... im Kriegsfall unersetzlich." (Süddeutsche
Zeitung, 16.6.81)
Diesem "unserem" Interesse, für den nächsten Weltkrieg und seine
Vorbereitung alle Mittel in der Hand zu haben, will sich die de-
mokratische Öffentlichkeit sowenig versagen, daß die "Aufklärung
über die RSA" heute vor allem deren strategische Bedeutung be-
trifft. Und was die innenpolitischen Verhältnisse anbelangt, so
sind die ehemals als "bloß kosmetische Korrekturen" beargwöhnten
Modernisierungsmaßnahmen der Apartheid heute ein einziger Beleg
dafür, wie sehr die RSA um "Fortschritte bei der Liberalisierung"
ringt, daß also "Einmischung" nicht nur unnötig, sondern sogar
schädlich wäre: Die "Verkrampten" bekämen sonst noch Auftrieb ge-
genüber Botha, der freie Hand braucht für seine von Reagan
höchstpersönlich bescheinigten "ernsthaften und ehrlichen Be-
mühungen". In der neuen Sprachregelung ist eben jeder Schritt der
D u r c h f ü h r u n g der Rassenpolitik ein Schritt zu deren
B e s e i t i g u n g - womit die schnörkellose Unterstützung
dieser Herrschaft aufs Schönste mit der Erledigung der
"Menschenrechtsfrage" zusammengeht. So gleichgültig diese Zufrie-
denheit mit der RSA gegen die wirklichen Fortschritte der süd-
afrikanischen Ausbeutung ist - eine Wahrheit ist der westlichen
Devise, den Apartheidsstaat als Hort der Stabilität im Süden an-
zuerkennen, durchaus zu entnehmen: daß dieser Staat allen gegen-
teiligen Behauptungen zum Trotz offenbar voll und ganz den vom
freien Westen praktizierten Prinzipien der Weltordnung
e n t s p r i c h t.
Selbständige Homelands: Entkolonialisierung ohne Kolonien
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Warum auch sollte der freie Westen einen Staat madig machen, der
seine neu eingerichteten oder schon seit der Landnahme der Weißen
bestehenden Stammesreservate in A u t o n o m s t a a t e n
überführt und damit das Verhältnis zu seinem Ausbeutungsmaterial
in längst bewährter, moderner Weise regelt: Etwa weil bei diesen
Staatengründungen weit und breit keine "Befreiungsbewegung" zu
sehen war, also auch gar nicht der Anschein entstehen konnte, da-
mit würde dem imperialistischen Zugriff auf Land und Leute etwas
e n t g e g e n g e s e t z t? Bei Transkei, Venda etc. handelt
es sich eben wie immer in der Dritten Welt des Imperialismus um
zweckmäßig eingerichtete Staaten - nur mit dem kleinen Unter-
schied, daß das zuständige imperialistische Zentrum in diesem
Fall nicht jenseits des Ozeans liegt und der "natürliche Reich-
tum" im wesentlichen mit der Verfügung über Menschenmaterial zu-
sammenfällt: Mit der Entlassung von Stammesreservaten in die Un-
abhängigkeit hat die RSA ihrer Sortierung des Staatsvolks in
staatstragende Weiße und disponibles schwarzes Arbeitsvieh die
positive Form gegeben, sie als Bürger eines anderen Staates anzu-
erkennen. Die Regierung verleiht den Schwarzen den Rechtsstatus
eines Ausländers und entledigt sich der Belästigung durch massen-
haftes, unbrauchbares Elend im Land mittels Deportation in die
"Heimatländer". Die Durchführung dieser Ausgliederung - jüngstes
Beispiel die Zwangsräumung des Nyanda-Lagers bei Kapstadt- been-
det die Duldung des Pauperismus am Rande der Städte, wo sich die
absolute Not am Müll des Reichtums gütlich tat, und macht das
bloße Verlassen der zugeteilten Wüsteneien zum kriminellen Akt.
Es sei denn, ein Schwarzer kann nachweisen, daß sich einer gefun-
den hat, der aus seinem Elend Kapital zu machen gedenkt: eine Ar-
beitsstelle. Die RSA hat sich damit im Land den auch hierzulande
geschätzten Status des Gastarbeiters geschaffen - jederzeit ab-
schiebbare Arbeitskräfte, die unter eine Not gesetzt sind, derge-
genüber die Ausbeutung zum Privileg avanciert:
"Wenn es einem Bewohner der Ciskei gelingt, illegal Arbeit in
Kapstadt zu finden, kann er leicht sein Einkommen verdreifachen,
selbst wenn er jedes Jahr sechs Monate im Gefängnis zubringt."
(Zeit, 11.9.81)
Indem sie die Bürger eines Homelands mit einer eigenen Herrschaft
beglückt, hat sich die RSA der Ansprüche schwarzer Stammesführer
auf Beteiligung an der Macht bedient und sie funktionell für sich
gestaltet: Die "Chiefs" erhalten nach innen alle Freiheiten in
Sachen Ordnungsmaßnahmen und so die Gelegenheit, die ihnen ge-
währte Macht zu einer Einnahmequelle zu machen - die Schwarzen
hinwiederum dürfen diesen Herrschaftsfiguren, noch wenn sie ihr
Elend in Alkohol ersäufen, ein Geschäft finanzieren. Ein Zulu mit
Krawatte ist heutzutage mit einiger Wahrscheinlichkeit ein mit
Hilfe südafrikanischer Kredite aufstrebender Busunternehmer, der
das dringende Bedürfnis seiner Volksgenossen nach Beförderung zu
Südafrikas Minen befriedigt.
Was das diplomatische Gezeter über die "Pseudosouveränität" der
Homelands angeht, so sind die Unterschiede, die da zur restlichen
Staatenwelt aufgemacht werden, eine pure Fiktion: Die "mangelnde
ökonomische Eigenständigkeit" als Argument ernstgenommen, würde
man ja wohl in Afrika nur noch sehr schwer irgendeinen Souverän
entdecken. Daß der Haushalt der Transkei in der RSA gemacht wird,
unterscheidet sie natürlich großartig von Zentralafrika, dessen
Regierung ihn nicht nur in Frankreich gemacht kriegt, sondern ihn
auch noch ganz frei und souverän in die Hände Frankreichs gelegt
hat, oder von Obervolta, dessen H e r r s c h a f t von der
"Hungerhilfe" diverser nationaler und internationaler Organisa-
tionen lebt. Und wenn die Türkei ihr Arbeitsvolk exportiert, dann
ist das ganz was anderes als der Export von Arbeitern aus Venda.
Was bei dieser "Kritik" der Homelands unter dem Strich als das
eigentliche Ärgernis stehenbleibt, ist einzig und allein die Tat-
sache, daß diese Produkte südafrikanischen Effektivitätskalküls
schon durch die Art und Weise ihrer Installation keinerlei Mate-
rial für die Idealismen von wechselseitiger Partnerschaft und
gleichberechtigter Völkerfamilie abgeben. Weshalb die in der UNO
versammelten Dritte-Welt-Souveräne dieser zur Anschauung gebrach-
ten Widerlegung ihres Souveränitäts-Idealismus ganz offiziell die
Völker rechtliche Anerkennung versagen durften - und das war's
auch. An der Produktion von Massenelend gemessen, können die
Mugabes und Mobutus sowieso lässig mit einem Matamzima mithalten.
Und die Südafrikaner brauchen gar nicht zu lügen wenn sie hämisch
auf die bereitwilligst von auswärts hereinströmenden "echten"
Wanderarbeiter verweisen und sich das schöne Verdienst zugutehal-
ten, daß ihre Negermassen nicht nur herumvegetieren, sondern auch
die Chance haben, in südafrikanischen Bergwerken und Industrien
einer effektiven Benützung zugeführt zu werden.
Die Lockerung der Apartheid: Rassismus ist, wenn disfunktional
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"Die Apartheid-Politik besteht einerseits aus der fürchterlichen
Rassentrennung in Bussen, Cafes, Toiletten etc. Alle diese
Aspekte sind von den Schweizer Banken kategorisch verurteilt wor-
den. Sie nehmen jede Gelegenheit wahr, das den Südafrikanern auch
zu sagen. Bei der Frage des Stimmrechts sind die Auffassungen
schon viel nuancierter... Der Versuch der Südafrikaner, die
Schwarzen in bestimmten Gegenden zu konzentrieren - ob das sinn-
voll ist, kann ich nicht beurteilen. Sicher ist das aber weniger
gravierend als die erstgenannte Rassentrennung, die rein rassi-
stisch ist, während es sich hier mehr um eine politische Frage
handelt." (Schweizer Bankier lt. Tages-Anzeiger vom 12.10.81)
Daß es sich bei der 'Diskriminierung' der Schwarzen um den Aus-
fluß eines burischen Vorurteils über die Negernatur handele, da-
für durften jahrelang "absurde" Regelungen wie die obengenannten
Doppeltoiletten einstehen. Daß es umgekehrt in der RSA "Liberale"
gibt, die darin eine ü b e r f l ü s s i g e Entrechtung der
Schwarzen sehen, dient heute als Beweis, daß Südafrika auf dem
richtigen Weg sei.
"Die liberalen Wähler... finden die 'kleine Apartheid' albern und
verteidigen weiße Vorrechte nur noch (!) in dem Bereich, in dem
es um die Macht in Staat und Wirtschaft geht." (Frankfurter Rund-
schau, 11.5.81)
Mit der Streichung rassistischer "A l b e r n h e i t e n" -
also mit der Zurückführung des Rassismus auf seinen politöko-
nomisch funktionalen Kern - blamiert die Burenregierung heute
alle Kritiker, die in der Apartheid immerzu keine "Vernunft"
entdecken konnten. Die Buren waren bei ihren praktischen Maß-
nahmen zur Festlegung der Schwarzen auf ihre Rolle als
rechtloses, disponibles Menschenmaterial eben nie die Gefangenen
eines vorgefaßten Menschen - bzw. Negerbildes; dieses war niemals
der A u s g a n g s p u n k t ihres Umgangs mit den Schwarzen,
sondern die ideologische Verklärung seines R e s u l t a t s:
Wenn man die Schwarzen Mit staatlicher Gewalt von bestimmten
Abteilungen der Berufshierarchie, vom Wählen etc., ausschließt,
dann wird doch offensichtlich die mindere "Negernatur", der damit
angeblich "entsprochen" werden soll, zwangsweise h e r g e-
s t e l l t. Rassismus mit so schönen "Problemen" wie der Mit-
Zulassung Schwarzer zu weißen Bars zu identifizieren, geht dann
auch an den tatsächlichen Fortschritten der südafrikanischen
Rassengesetzgebung völlig vorbei: Zum einen wurde eine neue
Legislatur für die "Mischlinge" geschaffen, worunter jetzt neben
den Resultaten rassenschrankenlosen burischen Fortpflanzungs-
willens jetzt auch Inder und Chinesen fallen (Japaner bleiben,
wegen der Wirtschaftsbeziehungen der RSA, "Ehrenweiße"). Ihnen
wurde schrittweise alles gestrichen, was sie mit dem Status eines
Weißen vergleichbar machte, so das Wahlrecht, das sie in der
Kapprovinz hatten. Dafür erhielten sie einen Sitz im "Präsiden-
tialrat", der ohne Einfluß auf die Regierungspolitik ist. Mit dem
Ausschluß der "Coloureds" vom weißen Ausbildungswesen und einem
für sie neu geschaffenen Schulsystem, das mit der Facharbei-
terqualifikation endet, komplettiert der Staat seine Säuberung
gehobener Positionen von Nicht-Weißen und schafft sich Ansprüche
vom Hals, die er nicht befriedigen will.
Die sogenannte Liberalisierung ist in den letzten Jahren ergänzt
worden durch ein System von Gesetzen, die das einzige Recht eines
Schwarzen, seine Arbeitskraft im Bedarfsfall in Südafrika abzu-
liefern, minutiös durchorganisieren und dem Kapital, was die
Benützung der Arbeitskraft und ihre Bezahlung anbelangt, jede
Freiheit eröffnen:
- Das Homeland verlassen darf nur, wer vom Arbeitsministerium
eine Arbeitsstelle im "weißen" Teil erhielt, die
Aufenthaltsgenehmigung gilt für ein Jahr und verfällt mit dem
Verlust des Arbeitsplatzes.
- Die Familien der Arbeiter müssen in den Homelands bleiben, so
daß der Staat von der Aufzucht künftigen Arbeitsviehs unbelästigt
bleibt.
- Die Unternehmer sind berechtigt, innerhalb von 24 Stunden zu
kündigen und die Arbeiter mit dem Paßstempel "unerwünscht" für
immer in die Heimat abzuschieben - jüngst wurde auf diese Weise
wegen eines Streiks die komplette schwarze "Belegschaft" von BMW-
Südafrika ausgewechselt. Einzige Ausnahme von der generellen Re-
gelung: Wer über 15 Jahre fürs Kapital gewerkelt hat, kriegt ein
dauerndes Wohnrecht in einer Township garantiert. So sichert man
sich die Verfügung über, eine erforderliche Stammbelegschaft
schwarzer Arbeitskraft, die nicht ohne weiteres durch Neuzugänge
aus den Homelands oder den umliegenden Staaten ersetzt werden
kann.
- Das neue Gewerkschaftsgesetz, welches erstmals schwarze Gewerk-
schaften zuläßt, widerlegt von vornherein jede Illusion, als
ginge es um etwas anderes, als um Kontrolle und Verhinderung
"gewerkschaftlicher Betätigung": Offenlegung der Finanzen und
Mitgliedslisten (!), Streikverbot, es sei denn mit Erlaubnis ei-
ner staatlichen Kommission, und letztere mochte bis dato keinen
erlauben. Die meisten schwarzen Gewerkschaften haben es vorgezo-
gen, sich nicht registrieren zu lassen, was heißt: Ihre Existenz
ist kriminell. In Anwendung des Gesetzes wurden im vergangenen
Jahr die Funktionäre dieser Gewerkschaften aus dem Verkehr gezo-
gen.
Mit diesen Maßnahmen erzwingt die RSA die absolute Botmäßigkeit
der Schwarzen gegenüber dem Kapital, indem sie den Schwarzen die
Alternative eröffnet, im Homeland ohne noch so mickrige Existenz-
grundlage dazustehen. Und auch in diesem Fall handelt es sich
keineswegs um ein den modernen Demokratien widersprechendes exo-
tisches Relikt. Noch ganz abgesehen von den hiesigen Gastarbei-
tern: Was ist denn der von den Kapitalisten hierzulande prakti-
zierte Hinweis, "Arbeitsplatzsicherung" könne nur durch die be-
dingungslose Unterwerfung der Proleten unter Profitnotwendigkei-
ten gelingen, anderes als eine Erpressung der Arbeiter mit ihren
Existenznöten? Die Erpressung kann auf ein freies Lohnarbeitsver-
hältnis verzichten in einem Land, das es wegen seines überreich-
lich zur Verfügung stehenden, reibunglos auswechselbaren Arbei-
termaterials noch nie für nötig befunden hat, sich qua "sozialem
Netz" der Brauchbarerhaltung der nicht Gebrauchten anzunehmen, in
einem Land, wo die Ideologie vom Glück, einen Arbeitsplatz zu ha-
ben, harte Realität ist, weil es die Grenze zum Verhungern mar-
kiert. Die Nicht-arbeiten-dürfenden bekamen von vornherein den
Terror der souverän gehandhabten Staatsgewalt zu spüren, ebenso
wie die paar schwarzen Bürgerrechtler und oppositionellen Kir-
chenmänner, die mit ihrer Menschenrechtsappellen heute mehr denn
je auf verlorenem Posten stehen.
Im Umgang von Staat und Kapital mit den Negern hat sich so im
südlichen Afrika ein System der L o h n s k l a v e r e i her-
ausgebildet, das die Vorteile der Sklaverei mit denen der Lohnar-
beit verbindet, ohne sich mit den Nachteilen beider Verhältnisse
zu belasten:
- Das völlige, rechtlose Ausgeliefertsein der Schwarzen macht sie
zum Objekt schrankenloser Ausbeutung ohne die Möglichkeiten der
Gegenwehr, die der gewerkschaftliche Kampf den Proleten in den
Metropolen in der Konkurrenz gegen das Kapital bietet. - Da das
Kapital nur an der Arbeitskraft der Schwarzen interessiert ist,
muß es sich auch nicht um sie kümmern, wenn diese defekt ist. Der
Neger als sich freiwillig verdingender Lohnarbeiter muß sich an-
bieten, und was mit ihm passiert, wenn er nichts mehr anzubieten
hat, verursacht seinen Ausbeutern keine Kosten. Für das schwarze
Volk Südafrikas, das vom Regime entweder in die "Unabhängigkeit
eines Homelands entlassen" wird, oder sich als Gastarbeiter im
weißen Gebiet der RSA zeitlich begrenzt verdingen "darf", bringt
diese "endgültige Regelung des Verhältnisses zwischen den Rassen"
einen doppelten Zwang, mit dem sie zurechtkommen sollen, ohne es
zu können:
- In den Homelands soll "Subsistenzwirtschaft" getrieben werden,
ohne daß die minimalsten Voraussetzungen für eine Subsistenz vor-
handen sind.
- In den Townships der Städte sind sie das Subproletariat einer
Geldwirtschaft, ohne jede Möglichkeit an ein entsprechendes Geld-
äquivalent für die Überlassung ihrer Arbeitskraft zu kommen.
Das Kapital - der große Leveller
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"Wirtschaftliches Wachstum und Rassendiskriminierung stehen in
krassem Gegensatz zueinander. ... Gemeinsam mit den meisten ver-
antwortungsbewußten Arbeitgebern auf dem fortschreitenden Sektor
der Wirtschaft haben wir es uns innerhalb der anglo-american-
Gruppe zum Ziel gemacht, die Löhne nach einer wissenschaftlich
festgelegten Lohnkurve ohne Rücksicht auf Rasse oder Hautfarbe zu
zahlen. Des weiteren ist es unsere Politik, die Mindestlöhne, so-
weit dies in den verschiedenen Sektoren unserer Tätigkeit wirt-
schaftlich möglich (!) ist, mindestens auf dem von der
'University of South Africa' festgelegten 'Existenzminimum' zu
halten. Einige unserer Gesellschaften haben bereits dieses Ziel
erreicht..." (Chairman H.F. Oppenheimer)
Hierzulande wird dem Kapitalexport "die Tendenz" zugute gehalten,
diesen "Gegensatz" aufzulösen. Was es damit auf sich hat, zeigt
schon der freizügige Re-Export unfügsamer Schwarzer in ihre Home-
lands. Der civilizing influence, der von den Notwendigkeiten der
Geschäftemacherei ausgehen soll, hat denn auch nichts mit Wohlta-
ten für die Schwarzen zu tun, um so mehr aber mit dem privile-
gierten Nutznießerstatus, den der südafrikanische Staat den Wei-
ßen eingeräumt hat, auf deren Zustimmung er sich stützt : Daß die
Farmer in den Schwarzen ein Heer von Billiglohnsklaven zur Verfü-
gung haben, darin liegt sicher keine Schranke des "Wachstums".
Wohl aber darin, daß die weißen Proleten mit ihrer rechtlichen
Privilegierung als erste Sozialleistung des Staates die weitge-
hende Befreiung von der Konkurrenz mit den schwarzen Billigarbei-
tern erhalten. Mit Job Reservation, welche die höheren Positionen
für Weiße reserviert und ihnen in den Betrieben einen gewissen
Prozentsatz an Arbeitsplätzen sichert, versichert sich der Staat
seiner Basis in der weißen Arbeiterschaft. Er ergänzt dies durch
ein privilegiertes Ausbildungssystem, das den Weißen mit der ent-
sprechenden Qualifikation auch den exklusiven Zugang zu Fachar-
beiterposten sichert. In den Proleten hat der Staat folglich die
erbittertsten Verfechter der Rassenpolitik, die sich gegen jede
Relativierung ihrer Sonderstellung zur Wehr setzen: Im Bergbau-
sektor, für den eine Gesetzesinitiative vorsieht,
"daß kompetente Personen ungeachtet ihrer Hautfarbe fortan
gleichberechtigte Bergleute werden können", hat sich die "weiße
Minenarbeiter-Gewerkschaft scharf gegen die Ausstellung von
Sprengmeister-Zeugnissen für Schwarze ausgesprochen und mit einem
Generalstreik gedroht." (Süddeutsche Zeitung vom 2.10.81)
Daß der Staat die Beschwerde des Kapitals, ihre Sonderstellung in
der Konkurrenz beschere den Weißen zu hohe Löhne, teilweise mit
der Duldung billiger Schwarzer in "weißen Positionen" beantwor-
tet; daß das Kapital an solchen Punkten sein Interesse bekundet,
die Weißen auf das Niveau der Schwarzen zu drücken - dies beant-
worten die südafrikanischen Proleten nicht mit dem Kampf gegen
das Kapital, sondern einem Kampf für die Niederhaltung der
schwarzen Konkurrenz, wofür sie schon mal eigeninitiativ tätig
werden.
Das Lob als Motor der Liberalisierung, mit dem - sich die Unter-
nehmer schmücken lassen, übersieht also generös, daß ihre
"reformfreudige Haltung" in der Ausnutzung der Apartheid besteht,
um deren Vorteile fürs Kapital auch den Weißen zukommen zu las-
sen. Erhöhte Durchlässigkeit nach unten ist der ganze Inhalt der
Gleichberechtigung, die in den Betrieben stattfindet. Entspre-
chend das Resultat einer Studie über die Löhne für Schwarze in
den deutschen Firmen in Südafrika:
"Die Herausgeber der Dokumentation ermittelten dagegen, daß Sie-
mens z.T. Löhne zahlt, die 21 Rand unter der absoluten Armuts-
grenze lagen. Die Firma Bosch beispielsweise zahlte z.T. Löhne,
die 60 Rand unter der Armutsgrenze lagen. Ähnlich schlecht zahl-
ten danach die Firmen BMW, Hoechst und Klöckner..." (Frankfurter
Rundschau vom 20.5.81)
Für Gleichbehandlung ist das Kapital eben da, wo es der Kosten-
senkung dienlich ist gemeinsame Kantinen für schwarz und weiß
sind eine Ersparnis an konstantem Kapital und werden d e s w e-
g e n gemacht. Und was es mit der Ausbildung auf sich hat, die
einige deutsche Firmen Schwarzen angedeihen lassen, entnehme man
der Tatsache, daß die Arbeiter im wesentlichen in einer eigens
für Betriebszwecke erfundenen Sondersprache unterrichtet werden,
deren Wortschatz sich auf das beschränkt, was am Arbeitsplatz an
Kommandos zu verstehen ist. Es ist ja auch wirklich ein
schlechter Witz, daß das Kapital, das hierzulande mit seinen Ra-
tionalisierungsmaßnahmen laufend Qualifikationen für ü b e r-
f l ü s s i g erklärt, sich ausgerechnet dort drunten zum Anwalt
von Ausbildung und vermehrten Chancen auf dem Arbeitsmarkt"
machen soll. Klar, die benötigte Anzahl von Schwarzen in
"Ausbildungszentren" für die jeweiligen Handgriffe fit machen
diese zivilisatorische Tat will sich das Kapital schon leisten,
zumal es da die Löhne gar nicht erst groß zu drücken braucht.
Deutsche Unternehmer sind von den dortigen Verhältnissen immerhin
so begeistert, daß sie - leicht übertrieben - von Renditen zu be-
richten wissen, "von denen man in Europa nur noch träumen kann."
(Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 9.5.81) Zumal deutsche Kapi-
talisten die Vorteile des südafrikanischen Systems "der getrenn-
ten Entwicklung" rasch be- und praktisch aufgegriffen haben: Von
einer westdeutschen Firma stammt schließlich die Idee, eine Pro-
duktionsanlage unmittelbar an der Grenze zu einem Homeland einzu-
richten.
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Internationaler Gewerkschaftsnationalismus
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Die IG Metall weiß, was sie der internationalen Arbeiterbewegung
schuldig ist - dies hat Eugen Loderer, Vorsitzender der IGM und
der internationalen Metallarbeiter-Gewerkschaft in seiner Stel-
lungnahme zum dreiwöchigen Streik von 3500 Gewerkschaftsmitglie-
dern zweier schwarzer Gewerkschaften bei VW Südafrika unter Be-
weis gestellt. Als Kampfstrategie empfiehlt er seinen "schwarzen
Kollegen" die Anwendung seines Prinzips, daß die Anerkennung ei-
ner Gewerkschaft doch ein gutes Argument ist, sich mit Verzicht
auf "kostensteigernde" ökonomische Forderungen zu bedanken:
"VW war von allen deutschen Unternehmen das erste, das die
schwarze Automobilarbeitergewerkschaft anerkannt und mit ihr auch
Tarifgespräche führte.... durch Anerkennung auch Aktionsspielraum
geschaffen wurde. Es ist daher nur scheinbar paradox, wenn heute
bei VW gestreikt wird. Dennoch(!) sollten die südafrikanischen
Kollegen schnellstens den Kampf aufnehmen mit jenen Tochterge-
sellschaften, die der unglaublichen Mindestlohn 70 bis 90 cts
(1.70 bis 2.00 DM) pro Stunde bezahlen und den Gewerkschaften die
Anerkennung verweigern. Wenn diese verschont blieben, dann
stärkte das jene, die schadenfroh verkünden, brutales Management
halte die Kosten niedrig." (Der Gewerkschafter 8/80)
Wenn das kein lohnendes Beweisziel ist: es zahlt sich für die Un-
ternehmen aus, die Gewerkschaft zuzulassen! Für diesen Zweck emp-
fiehlt der DGB einen Lohnkampf, der sich vom Bedarf der Arbeiter
unabhängig und stattdessen die Schädigung nicht anerkennungswil-
liger Unternehmen zum Zweck macht. Aber der DGB weiß ja, daß es
den Schwarzen auf den Lohn sowieso nicht ankommt:
"Der Hunger nach Gleichberechtigung ist nicht mehr mit Reförmchen
noch mit bloßen (!) ökonomischen Verbesserungen zu befriedigen."
Mit den in RSA gezahlten dicken Löhnen lassen sich die Arbeiter
nicht mehr ihre Gleichberechtigung abkaufen! Das trifft sich gut,
weil sie mit Lohnforderungen sowieso nur den Wunsch nach Gleich-
berechtigung ausdrücken. Woher der DGB das weiß? Weil es ihm sehr
am Herzen liegt, daß deutsche "ausländische Investoren" in der
Zulassung von Gewerkschaften über ein Mittel verfügen, Kampf um
materielle Besserstellung abzuwenden:
"Wenn auch die Wirtschaft selber nicht die Chance wahrnimmt, über
eine enge Interpretation der Gesetze hinauszugehen, dann muß be-
fürchtet (!) werden, daß das Aufbegehren in der Gesellschaft Süd-
afrikas auf den ökonomischen Sektor zurückschlägt; aber dann im
negativen Sinne. Dies geht vor allem an die Adresse der ausländi-
schen Investoren in Südafrika." Wie praktisch, daß in Südafrika
das Arbeiterinteresse so trefflich mit dem Kapitalinteresse an
ungestörter Ausbeutung zusammenfällt! Wie schade nur, daß unsere
deutschen Unternehmen auf diesen Trick noch nicht gekommen sind -
aber dafür gibt es ja den DGB, der weiß, daß letztlich das Inter-
esse der südafrikanischen Proleten mit dem nationalen Interesse
der BRD an lohnender Ausbeutung in aller Welt zusammenfällt.
"Wenn aber ein Engagement in Südafrika nur sinnvoll ist, wenn man
die Möglichkeiten der Apartheid voll ausschöpft, dann ist ein
derartiges Engagement im außenpolitischen Interesse der BRD
höchst fraglich."
Der Nationalismus des DGB ist wirklich international!
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Fortschritte an der Namibia-Front
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"Pretorias Doppelstrategie" (Die Zeit) in der Namibia-Frage hat
auf ihren beiden Ebenen Erfolge zu verzeichnen. Die Ausdehnung
des Vernichtungsfeldzugs gegen SWAPO auf den Frontstaat Angola,
der längst nicht mehr der Verfolgung von Guerillas dient, sondern
ein Unterstützerland so schwächen soll, daß es jede Fortsetzung
von SWAPO-Aktivitäten mit einer Gefährdung der eigenen staatli-
chen Existenz bezahlen muß, wobei die Schläge der RSA-Truppen
sich inzwischen von jedem Zusammenhang mit der Guerilla-Bekämp-
fung unabhängig gemacht haben, hat zu der Konsequenz geführt, daß
die MPLA-Regierung "Druck" auf SWAPO ausübt, den "Vermittlungs-
vorschlag" der fünf westlichen "Kontaktstaaten" zu akzeptieren.
"Im Augenblick wächst auch der Druck der Frontstaaten auf die
SWAPO, eine Verhandlungslösung zu akzeptieren, selbst wenn Süd-
afrika durch die westliche Kontaktgruppe hohe Forderungen stellen
sollte." (Die Zeit)
Da auch Mosambik zunehmend unter von der RSA aus gesteuerten Ter-
roraktivitäten zu leiden hat, ebenso wie Zimbabwe auf die Wirt-
schaftsbeziehungen zur RSA angewiesen ist, steht die "Front" die-
ser Staaten vor allem in der Konzessionsbereitschaft gegenüber
dem Westen und dem gemeinsamen Druck auf SWAPO, nicht mehr als
Störfaktor in Erscheinung zu treten. Nach anfänglichem Zögern hat
dann auch Sam Nujoma am "3-Phasen-Plan" der Kontaktgruppe "posi-
tive Momente" entdeckt und ist von seiner UNO-Position, "einziger
Verhandlungspartner" in Sachen namibische Unabhängigkeit,
abgerückt.
Eine Akzeptierung des neuen Namibiaplanes beinhaltet für diese
Befreiungsbewegung die Hinnahme der Gründe, wegen denen man den
bewaffneten Kampf gegen die RSA-Okkupation aufgenommen hat: Süd-
afrikanische Truppen bleiben bei den Wahlen und für eine Über-
gangszeit auch noch nach der Unabhängigkeitsfeier im Lande. Offen
ist nur noch, ob die RSA die bei Annahme des Plans jetzt nicht
nur mögliche, sondern sehr wahrscheinliche Parlamentsmehrheit und
eine Regierung von SWAPO in Kauf nehmen wird. Das
"Verfassungsmodell" der Kontaktgruppe sieht für diesen Fall noch
viel weitgehendere Garantien vor als das Zimbabwe-Abkommen.
Zwar erklärte RSA-Außenminister Botha:
"Mein Eindruck ist, daß es diesmal eine echte Chance gibt." (Süd-
deutsche Zeitung),
doch liegt diese Chance vor allem darin, daß gleichzeitig mit den
Verhandlungen, die man jetzt angesichts der "Kompromiß"bereit-
schaft der Gegner durchaus zu führen bereit ist, die Ausrottung
der Guerilla und die Unterstützung der Turnhallen-Regierung bis
zu dem Punkt weitergeht, wo entweder Wahlen unnötig sind oder ihr
passendes Resultat gesichert ist. Der "Vermittlungsplan" trägt
auch dieser Option Rechnung: Er enthält keine terminlichen
Festlegungen.
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