Quelle: Archiv MG - AFRIKA MOSAMBIK - Ein Land wird beerdigt
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MOCAMBIQUE - EIN STAAT WIRD BEGRABEN
Der Tod von Samora Machel hat die hiesige Öffentlichkeit weniger
zu den ansonsten üblichen Spekulationen über die genaue Todesur-
sache, als vielmehr zur Erstellung einer vorgezogenen Abschlußbi-
lanz animiert, das Schicksal des "im Todeskampf befindlichen"
S t a a t e s Mocambique betreffend. Eine Bilanz, die, wie es
sich für eine geschäftsmäßige Bestandsaufnahme gehört, ausgespro-
chen nüchtern ausfällt. Wobei die ideellen Nachlaßverweser der
sog. unabhängigen Volksrepublik sich kaum bemüßigt fühlen, ir-
gendwelche für das Zustandekommen des Staatsbankrotts verantwort-
lichen Posten beschönigend zu frisieren oder gar hinter unver-
fänglichen Titeln zu verstecken.
Da erfährt der geneigte mündige Bürger
- daß die in die Unabhängigkeit entlassene ehemalige portugiesi-
sche Kolonie unter der Führung der "marxistischen Frelimo-Bewe-
gung" ursprünglich ein "Reformprogramm" verfolgt hat, welches
u.a. die verelendeten "Volksmassen" mit genügend Nahrungsmitteln
sowie mit gewissen zivilisatorischen Errungenschaften wie Gesund-
heits- und Ausbildungswesen bekanntmachen wollte;
- daß unser 'freier Westen' darauf mit diplomatischer Isolierung
und wirtschaftlichem Boykott des ökonomisch abhängigen Landes
reagierte;
- daß die sich angeblich immer und überall böse einmischende So-
wjetunion "nicht willens oder fähig" war, den Aufbau des Landes
zu ihrer Sache zu machen;
- daß stattdessen die Republik Südafrika, diese südlichste
"Ordnungsmacht" des Westens, die gewaltsame Beseitigung der miß-
liebigen Regierung in die Hand nahm: durch Gründung, Rekrutierung
und Ausrüstung einer Guerillaorganisation namens RENAMO und durch
regelrechte militärische "Bestrafungsaktionen" über die Grenze
hinweg;
- daß Mocambiques "marxistisches Regime" alsbald "keine andere
Möglichkeit mehr" sah als diejenige, "sich dem Westen zu öffnen",
und ab März 1984 gemäß dem von Südafrika erpreßten "Nicht-
angriffspakt" die bislang asylierten und unterstützten ANC-Leute
auswies;
- daß parallel zu dieser - von US-Präsident Reagan durch einen
persönlichen Empfang des "erfahrenen Terroristen" (FAZ) Machel
begrüßten - "Einsicht" in die Notwendigkeit einer pro-imperiali-
stischen Wende Südafrika die militärische Endlösung durch for-
cierte Kriegs- und Sabotageaktionen seiner RENAMO-Handlanger un-
ter offenem Bruch des Friedensvertrags vorangetrieben hat: mit
dem Ergebnis, daß die Volksrepublik Mocambique derzeit nur mehr
aus ihrer Hauptstadt Maputo besteht und "ein Viertel der Bevölke-
rung" unter "akutem Hunger" leidet, die Wirtschaft sowie Strom-
versorgung überall kaputt ist...;
- daß es folgerichtig auch ziemlich egal ist, ob Machel durch Un-
fall oder durch südafrikanischen Abschuß ums Leben kam.
All diese 'Tatsachen' werden dem westdeutschen Betrachter per
Wort und Bild in ungeschminktem R e a l i s m u s serviert. Wo-
bei das Erstaunliche ist, daß diese Besichtigung eines Opfers der
arbeitsteiligen und systematischen Erledigung eines
"widerspenstigen" Staates der "Dritten Welt" durch die Erste kei-
neswegs als K r i t i k an den Urhebern von Hunger und Gemetzel
gemeint ist (und offenbar vom Publikum auch nicht als solche auf-
gefaßt wird). Stattdessen triefen Tenor und Botschaft der Bilan-
zierung dieses exemplarischen Falles der Weltpolitik vom durch
und durch a f f i r m a t i v e n "Realismus" der Diagnose: Das
(Experiment einer 'antiimperialistischen Unabhängigkeit') konnte
ja nicht gutgehen. Wie man sieht!
Im Klartext: Der E r f o l g der überlegenen imperialistischen
Gewalt liefert die moralische B e r e c h t i g u n g ihres
Zuschlagens gleich mit. Wer sich den Ansprüchen jener Gewalt
widersetzt, ist selber schuld. Daß Machel diese Logik z u
s p ä t beherzigte, war demnach die ihn überlebende "Tragik"
dieses "marxistischen Präsidenten". Sofern er diesen seinen Ge-
burtsfehler jedoch immerhin schließlich "einsah", wurde er ande-
rerseits doch noch die "hervorragende Führerpersönlichkeit"
(dieses Lob stammt vom RSA-Chef Botha!), dem jetzt die maßgebli-
chen Führerpersönlichkeiten des Imperialismus, von R. Reagan bis
Willy B., kondolieren.
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