Quelle: Archiv MG - AFRIKA MOSAMBIK - Ein Land wird beerdigt
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Marxistische Schulzeitung, 19.11.1987
Genscher in Angola, Kohl demnächst in Mosambik
ZUSAMMENSCHIESSEN LASSEN UND HILFE ANBIETEN:
DER GANZ GEWÖHNLICHE DEUTSCHE IMPERIALISMUS
Die Bonner Herren haben es lautstark durch alle Kanäle verbreiten
lassen: Sie gedenken, das südliche Afrika mit einer neuen Politik
zu beglücken. Dafür hat Genscher neulich Angola aufgesucht, und
Kohl bereist demnächst Mosambik, zwei sogenannte sozialistische
Volksrepubliken.
Was beiden Staaten die zweifelhafte Ehre verschafft, ist ein of-
fenes Geheimnis:
Nach 12 Jahren Krieg kapitulationsreif
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Der Krieg, den die Republik Südafrika (RSA) gegen Angola und Mo-
sambik führt und führen läßt, hat noch nie das harmonische Bild
vom sogenannten Weltfrieden gestört. Er gilt schließlich zwei
Staaten, die einen unverzeihlichen Fehler begangen haben: Im
Kampf gegen die portugiesische Kolonialherrschaft war die Vor-
stellung aufgekommen, mit der Unabhängigkeit ließen sich auch er-
träglichere Lebensumstände für die Bevölkerung einrichten. Mit
"sozialistischen Experimenten" können sich aber solche Länder nur
unbeliebt machen, vor allem, wenn sie sich auf die Hilfe der
falschen Seite, der Sowjetunion, einlassen.
Insofern hat der Dauerkrieg, mit dem die RSA bzw. die extra dafür
unterhaltenen Guerillatruppen Angola und Mosambik überziehen, in
unser aller wohlverstandenem Interesse stattgefunden. Er beweist
ja, daß der "Sozialismus" nicht "lebensfähig" ist - weil er in
die imperialistische Kalkulation mit Afrika nicht hineinpaßt.
Unser Genscher will jetzt auf einmal die überraschende Feststel-
lung gemacht haben, "daß viele Länder im südlichen Afrika an der
Destabilisierungspolitik Südafrikas leiden" - eine abgefeimte di-
plomatische Heuchelei: Hat denn die BRD j e m a l s die süd-
afrikanischen Terrorkommandos an irgendetwas gehindert? Waren
nicht vielmehr die guten ökonomischen und politischen Beziehun-
gen" zu Südafrika das Einverständnis mit den Kriegen dieses
Staats? Ein feiner Gesinnungswandel: In Angola und Mosambik wol-
len jetzt nämlich, "vernünftige" Politiker zu finden sein.
"Vernünftig, das heißt Die Staatsmacher da unten haben lernen
müssen, daß sie gegen die imperialistische Gewalt nicht die ge-
ringste Chance haben, auch nur in Ruhe gelassen zu werden.
"Vernünftig", das heißt: Gegen die Feindschaft der RSA suchen sie
Hilfe bei den Mächten, als deren selbstbewußter Vorposten im süd-
lichen Afrika die RSA auftritt.
Da erfährt man ganz ohne Schönfärberei, daß auch eine ansehnliche
Militärhilfe der Sowjetunion beiden Staaten nicht geholfen hat -
weil eben die westliche Ordnungsmacht Südafrika n o c h m e h r
aufgeboten hat. Regelmäßig wird gemeldet, daß südafrikanische
Kommandos oder deren Hilfstruppen nach Belieben Kriegsschauplätze
in den beiden Staaten eröffnen, ganze Dörfer ausrotten oder mit
gezielten Attentaten dafür sorgen, daß erst gar kein Wirtschafts-
aufbau in Gang kommen kann. Und das gilt dann locker als Beweis
für "sozialistische Mißwirtschaft". Mit Terrorkommandos und Inva-
sionstruppen sorgt der Freie Westen für die Ordnung, die ihm paßt
- und kommentiert seine Erfolge mit der selbstgerechten Heuche-
lei, die Opfer hätten ihre Fehler endlich eingesehen...
Beim Einstreichen des Kriegsgewinns - die BRD immer dabei
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Eine gelungene Arbeitsteilung: Die RSA zermürbt die Staaten mit
regelmäßigen Überfällen, zerstört die wirtschaftlichen Grundla-
gen, so gut es geht, und schießt sie sturmreif. Dann erscheint
großmütiges Massa Genscher auf der Bildfläche, leiht den Betrof-
fenen seine großen Ohren und "bietet Unterstützung". Nicht
g e g e n S ü d a f r i k a; nicht einmal ein paar Säcke Ge-
treide für die Hungerbevölkerung hat er versprochen; die verwei-
gert angeblich der Landwirtschaftsminister. "Unterstützung" bie-
tet er "für den Kurs Luandas, sich künftig stärker nach Westen zu
öffnen." Heim ins Reich, heim in die imperialistische Weltord-
nung, besiegelt z.B. durch ein Investitionsschutzabkommen mit der
BRD, damit anstelle von "sozialistischen Experimenten" IWF und
westliches Kapital die afrikaübliche Sortierung von lohnenden
Projekten und überflüssigen Negern wieder ganz ungestört vorneh-
men können. Natürlich so, daß dabei der spezielle westdeutsche
Einfluß in Afrika wieder ein Stück wächst. Deshalb ist Genscher
ja hingefahren.
Ob bei dieser herrlichen "Entwicklung in Richtung auf echte
Blockfreiheit" Angola zuerst einmal die cubanischen Unterstützer
nach Hause schicken muß oder ob die dann neben den US-Ölförde-
rungsanlagen auch noch westdeutsche "Investitionen schützen" dür-
fen, das sind Fragen, wie sie die neuen Schutzmächte, die USA und
die BRD, mit Südafrika auszuhandeln haben. Denn das hat gar
nichts mit einer Beendigung eines "blutigen Bürgerkriegs" in An-
gola zu tun, sondern ausschließlich mit gewichtigeren, imperiali-
stischen Interessen. Strittig ist unter den Interessenten immer
noch die Frage, ob Pretoria auch ein "unabhängiges" Namibia (das
ehemalige Deutsch-Südwest-Afrika zwischen der RSA und Angola) als
Protektorat exklusiv benutzen darf, oder ob eine Regierung der
schwarzen Befreiungsorganisation SWAPO den neuen Staat in das
prowestliche schwarz-afrikanische Lager einbringen soll. Für das
deutsche Recht auf Mitsprache kann da durchaus noch ein weiteres
Stück "blutiger Bürgerkrieg" angemessen sein.
Gewalttätige Hilfe
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Vor lauter Vergeben und Vergessen angesichts der reumütigen
"Russenfreunde" ist man in Bonn sogar so großzügig, "freimütig
einzuräumen", daß der Westen in den 60er Jahren gegenüber Ländern
wie Angola und Mosambik eine falsche Politik betrieben hat. Die
ehemaligen Kolonien Portugals sind mehr oder weniger in die Arme
des Ostens getrieben worden."
Angesichts seiner Erfolge, noch dem letzten Staat in Afrika mit
dauerhaften Blutbädern abweichende Interessen auszutreiben, ist
der Westen doch glatt dazu bereit, "freimütig einzuräumen", daß
er - wenn es gleich nach seinem Geschmack gegangen wäre - auch
ganz gut auf die Kriege hätte verzichten können.
Kaum ist Genscher wieder abgereist und hat sich allgemein dafür
applaudieren lassen, daß er sich jetzt viel mehr um Afrika küm-
mern will (wie nett!), treffen wieder die üblichen Meldungen ein.
"Mosambik: 278 Tote bei Massaker", "Südafrikanische Truppen in
Angola. Mehr als 160 Soldaten und Rebellen getötet". Jeder weiß,
daß Südafrika dabei die Rückendeckung der freien Welt und auch
der BRD genießt. Jeder weiß, daß so ein Ordnungsfaktor gegen den
"Einbruch" des Kommunismus in der Welt funktioniert. Und heißt es
jetzt: Massaker, Auftraggeber der freie Westen? Nein, dazu
funktioniert die demokratische Heuchelei zu gut. Südafrika be-
sorgt das Morden und Schießen. Kohl und Genscher würdigen die
Vernunft der Opfer, die endlich die nötige Unterwürfigkeit an den
Tag legen, und nützen sie politisch aus. So unschuldig ist die
BRD in den modernen Kolonialkriegsfragen.
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