Quelle: Archiv MG - AFRIKA LIBYEN - Weltterrorist Nr. 1?


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       Bochumer Hochschulzeitung, 28.01.1986
       
       US-Manöver vor Libyens Küste
       

WER KRIEG WILL, SCHAFFT SICH DEN ANLASS

Die Kampfflugzeuge der vor Libyen in Stellung gegangenen US-Flot- tenverbände simulieren den Krieg, den Reagan Gadafi angedroht bat. Das offizielle Dementi der amerikanischen Regierung, dies sei "keine Provokation", bestätigt, daß es jetzt an Gadafi ist, sie als solche zu behandeln. Dann ist e r der Provokateur, und ab sofort wird "zurückgeschossen". So will es das Ritual eines zivilisierten Kriegsbeginns, nicht erst seit Hitlers Einmarsch in Polen. Einstweilen testet man erklärtermaßen "bloß" das Funktionieren der libyschen Luftabwehr. Daß diese aus sowjetischen Raketen be- steht, macht den Test so reizvoll. Er ist eine Herausforderung an die R u s s e n. Die demonstrative diplomatische Mißachtung der sowjetischen Warnung an die Adresse Washingtons bekräftigt den amerikanischen Willen zur Rücksichtslosigkeit gegen das Interesse Moskaus an der Souveränität Libyens. Das ist es ja, was den We- sten an Gadafi stört: daß er kein Satellit der NATO ist! Das Urteil ist gefällt, seine Exekution folglich Krieg - im Namen des R e c h t s gegen den Terror. Die freie Öffentlichkeit des ebenso freien Westens h a t sich längst gleichgeschaltet ganz freiwillig, wie es sich in der Demokratie gehört: Gadafi gehört bestraft - schon aus m o r a l i s c h e n Gründen. Und weil die amerikanische Kriegsdrohung sich sonst als "leere Drohung" erweist; das wäre ein furchtbares Zeichen von Schwäche. So zählt man einstweilen die am Ort der Handlung eintreffenden Kriegsschiffe: 31 sind es mittlerweile von unseren Amerikanern; da Russen haben ihre gerade von 4 auf 6 (laut FR vom 25.1.) bzw. auf 28 (BamS vom 26.1.) erhöht; und jetzt soll sich Gadafi auf einem Kriegsschiff herausgewagt haben.... und man wartet auf den ersten "Zwischenfall" in der Syrte, durch den aus dem "Nerven- krieg" ein echter wird - ganz von alleine. zurück