Quelle: Archiv MG - AFRIKA LIBYEN - Weltterrorist Nr. 1?


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       Duisburger Hochschulzeitung, 08.05.1984
       
       Wochenschau
       

FÜR DEN ABBRUCH DER DIPLOMATISCHEN BEZIEHUNGEN MIT LIBYEN

hat Scotland Yard jetzt noch im Londoner Volksbüro Gadafis 2 Pi- stolen aufgestöbert, die das Personal beim Auszug anscheinend "vergessen" haben muß. Paßt zum öffentlich gepflegten Bild vom chaotischen Staatsterroristen in Tripoli, dem Margaret Thatcher ("Our Lady of the Falklands") gezeigt hat, wie ihrer Majestät Re- gierung, die nur mit parlamentarischer Billigung und nach sorg- fältiger Planung k o r r e k t e K r i e g e führt, weil sie "individuellen Terror" verabscheut, mit unwürdigen Mitgliedern der Staatenwelt umspringt. Die reichlich absurde Schießerei im Londoner Diplomatenviertel, ausgelöst von einem durchgedrehten Libyer, hinter der irgendein politischer Zweck des l i b y- s c h e n S t a a t e s weit und breit nicht zu erkennen ist, wird per Beschluß in Downing Street zu einem perfiden Komplott des "wahnsinnigen Gadafi" erklärt. Genscher sagt seinen Besuch in Tripoli ab, und Kohl sichert der Premierministerin beim Staatsbesuch "solidarisches Verhalten" der BRD zu. Da nützte es Gadafi überhaupt nichts, gemäß internationalen Gepflogenheiten im diplomatischen Verkehr eine Untersuchungskommission seiner Regie- rung anzubieten und "gegebenenfalls den oder die Schuldigen vor einem libyschen Gericht zur Verantwortung ziehen zu lassen." Die britische Seite machte ganz bewußt ein unakzeptables Angebot (Übergabe der Botschaft an die Anti-Terror-Einheit von Scotland- Yard), und die Presse kolportierte Latrinengerüchte von einem Schießbefehl per Funk aus dem "terroristischen Hauptquartier" im Wüstenzelt Gadafis. Jetzt fordert Großbritannien auch gleich noch eine "Änderung der Wiener Konvention" für einen zeitgemäßen Um- gang mit den Diplomaten aus Staaten, die sich trotz aller Drohun- gen nicht zu einem bedingungslosen Erfüllungsgehilfen der westli- chen Weltordnung gemacht haben und die deshalb für verrückt er- klärt werden. Und weil die führenden Demokratien des Westens die Macht haben, weltweit das Recht zu setzen und es zu interpretie- ren, ist Gadafi ein für allemal ein Terrorist. Thatcher, Reagan und Kohl hingegen sind ehrenwerte Männer und Frauen, die immer moralisch einwandfrei, also aus purer Verantwortung zuschlagen. zurück