Quelle: Archiv MG - AFRIKA LIBYEN - Weltterrorist Nr. 1?


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       Bochumer Hochschulzeitung, 16.11.1981
       
       Wochenschau
       

MUAMMAR EL-GADAFI,

Vorsitzender der Sozialistischen Libyschen Volksdschamahiria, hat seinen "terroristischen Aktivitäten" letzte Woche die Krone auf- gesetzt: Nachdem er vor zwei Jahren das durch den Abzug französi- scher Truppen im Tschad entstandene "Machtvakuum" ausgenutzt hatte, um den Bürgerkrieg zugunsten des d a m a l s als proli- bysch gehandelten Präsidenten Queddei Gukuni zu entscheiden, zieht er nun seine Interventionsarmee einfach wieder ab und hin- terläßt - ein "gefährliches Machtvakuum"! Da mit dem Desengage- ment Libyens im Tschad auch die Bombenangriffe auf die Freischär- ler des Gukuni-Rivalen Habre an der tschadisch-sudanesischen Grenze entfallen, "äußerte sich Sudans Präsident Numeiri über den libyschen Abzug aus dem Tschad in ersten Stellungnahmen geradezu bestürzt." (Spiegel) Der Mann sorgt sich um die Erfüllung ameri- kanischer Zusagen, sein Regime massiv aufzurüsten, die bislang mit der angeblichen libyschen Bedrohung begründet wurden. Diese Sorge ist allerdings unbegründet: Nach ersten Verlautbarungen aus Washington ist Gadafis Rückzug nur ein "taktisches Manöver", um Truppen bereitzustellen, bis "ein neues Abenteuer, eine neue In- vasion lockt." (Spiegel) Wer einmal dadurch zum Feind der freien Welt e r k l ä r t worden ist, daß man ihn als Freund der So- wjetunion b e h a n d e l t, der bleibt auch auf dem Rückzug ein "Aggressor" und ein Störenfried des imperialistischen Welt- friedens. "Libyens verbrecherischer Führer" kann also nur durch den Abzug seiner Truppen a u s L i b y e n die von ihm ausge- hende "Bedrohung" abbauen helfen. zurück