Quelle: Archiv MG - AFRIKA LIBYEN - Weltterrorist Nr. 1?
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MSZ 1/88
Trikot-Werbung für Gadafis "Grünes Buch" untersagt
BÜCHERVERBANNUNG
Um den Klauen des Konkursverwalters zu entgehen, hatte der Eis-
hockeyclub Iserlohn für seine Trikots einen finanzkräftigen Wer-
besponsor an Land gezogen. Ein Spiel lang wurde in einem bundes-
deutschen Stadion "am Mann" für Muamar al-Gadafis "Grünes Buch"
geworben.
Das war zuviel für die öffentlichen Gemüter.
"Wenn Wüstensöhne Eishockeymannschaften kaufen, ist die Alarm-
stufe 3 erreicht, ist der Gipfel des politischen Geschmacks über-
schritten." (DSB-Präsident Hans Hansen)
Das mit den "Wüstensöhnen" ist zwar dem deutschen Volkskörper aus
der Seele gesprochen, in der Form allerdings zu undifferenziert:
"Was hat Hansen gegen Wüstensöhne, bzw. warum sollen sie sich
ausgerechnet keinen Eishockeyverein kaufen dürfen, wo ihnen doch
sonst der gesamte kapitalistisch geordnete Teil der Welt wohlfeil
ist?" ("Süddeutsche Zeitung", 7.12.87)
Gut gegeben! Aber in der eigentlichen Sache keine Differenz:
"Zu seinen Gunsten nehmen wir an, daß Hansen all die ehrenwerten
Dattelpflücker, Kameltreiber und Bohrlochbesitzer ausgenommen
hat, für nicht legitimiert zum Erwerb einer Eishockeymannschaft
lediglich Terroristen oder deren geistig/politische Führer hält.
Daß er das auch so artikuliert, hätten wir schon erwartet von ei-
nem Bannerträger des bundesdeutschen Sports. Wir haben wieder
einmal zuviel verlangt." (ebda.)
Ein Glück, daß es Journalisten gibt, die persönliche Invektiven
gegen befeindete Staatsmänner in die offizielle Sprachregelung
übersetzen, damit die befreundeten dann nicht beleidigt sind! Den
strengen Richtlinien für intelligente Sportler genügt Xaver Un-
sinn, Eishockeybundestrainer:
"Unser Sport darf nicht dazu da sein, kriminelle Elemente des
Terrorismus zu unterstützen." (Bild am Sonntag, 6.12.87)
Doch was heißt hier "u n t e r s t ü t z e n"? Ein Iserlohner
Fan durchschaut die Zusammenhänge voll:
"Die ganze Welt kauft Öl bei Gadafi, davon kauft er Waffen. Für
die 1,5 Millionen, die nach Iserlohn gehen, kann er keine Waffen
kaufen. Das ist doch positiv." (Zit. nach "Frankfurter Rund-
schau", 7.12.)
Eine Antwort darauf blieben die verantwortlich Handelnden schul-
dig. Auch die noch deutlichere Auskunft, welche Beziehungen zwi-
schen der BRD und Libyen im Unterschied zur öffentlich verordne-
ten Moralsoße laufend unterhalten werden, blieb unbeantwortet.
"Niemand ist entsetzt, wenn unsere Wirtschaft Geschäfte mit Li-
byen macht." (Der abgesetzte ECD-Präsident Weifenbach)
Was soll eigentlich passiert sein, wenn auf der Brust von Leuten,
die ein Buch eher selten in die Hand nehmen, vor Leuten, denen es
in dieser Hinsicht nicht viel anders geht, für ein Buch Reklame
gemacht wird, für das sich auch mit entsprechender Promotion
hierzulande niemand interessiert: Z.B. soll es nicht egal sein,
von wem man Geld nimmt.
"Wenn es egal ist, woher das Geld kommt, hätte man es gleich bei
der Mafia, beim KGB oder bei der RAF besorgen können." (SPD-Frak-
tionsvorsitzender Peter Leye)
Das wäre ja ein Ding! Wofür die wohl werben würden: Sozialer Woh-
nungsbau in Sizilien; Erdgas aus Sibirien; Bababanküberfall. Da
mögen wir doch lieber unsere Bausparkassen, unser Erdgas und un-
sere Deutschen Banken mit dem grünen Sympathieband. Der ECD Iser-
lohn hätte sicher auch gerne das Geld für "Die Milch macht's" ge-
nommen, wenn er es gekriegt hätte; aber ob diese Parole politisch
unbedenklich ist, wenn man an den EG-Agrarmarkt denkt?
Die Iserlohner sollen sich einen "eklatanten Verstoß gegen die
gebotene politische Neutralität des Sports" (Zimmermann) gelei-
stet haben. Und Friedrich Zimmermann schwört jeden Eid, wie wir
es in der Bundesrepublik mit dem Sport halten:
"Der Sportler darf nicht zum Spielball politischer Interessen
werden. Nur wenn dem Spitzensport der Freiraum weltanschaulicher
und politischer Neutralität erhalten bleibt, kann er von uns gut-
geheißen werden." (Zimmermann)
Die Meinung "Deutschland vor!" darf jeder sogar öffentlich äu-
ßern, ohne daß sie für politisch gehalten wird. Manchmal muß auch
das Deutsche Olympische Komitee für den nötigen geistigen
Freiraum unserer Spitzensportler sorgen und eine Olympiade in der
Hauptstadt des Feindes boykottieren. Das ist aber auch nicht po-
litisch, sondern bloß wegen "Afghanistan".
Da "politisch" also sowieso nur ist, wenn jemand etwas anderes
denkt oder will als die Regierungspartei und ihre Opposition,
drängt sich folgende Schlußfolgerung auf: Alle Verantwortlichen
sind entschlossen, hier den Anfängen zu wehren. Bei Veranstaltun-
gen, in denen die weitgehend vermummten Aktiven fortlaufend Über-
gänge vom "notwendigen Foul" zum Stockschlageinsatz aus Leiden-
schaft einlegen, soll die Gefahr einer ideologischen Aufheizung
vermieden werden. Denn es gibt ja keine Gewähr dafür, daß es bei
der Werbung für so liebenswert-harmlose Erkenntnisse wie Gadafis
"Es ist heute wohl unbestritten, daß Mann und Frau menschliche
Wesen sind." (Das grüne Buch, Seite 92)
bleibt. Was, wenn demnächst der Bundestag für die Parole "Alle
Macht geht vom Volke aus" (Grundgesetz, S. 14) werben läßt oder
der Vatikan für seine "Bibel" ein Team sponsort? In der wird be-
kanntlich gefordert: "Auge um Auge, Zahn um Zahn" (Moses, Seite
114).
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