Quelle: Archiv MG - AFRIKA ANGOLA - Wo 1000 Krisen blühen
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Marxistische Schulzeitung Bremen, 17.09.1981
Wochenschau
EIN GANZ ANDERER EINMARSCH
Vorletzte Woche ist die südafrikanische Armee in Angola einmar-
schiert. Die Luftwaffe hat die nächstbeste Provinzhauptstadt bom-
bardiert; Panzer haben eine Reihe von Dörfern besetzt, andere
wurden eingeäschert. Ist deswegen ein Sturm der Entrüstung durch
die "freie Welt" gegangen? Dumme Frage! Die war diesmal - im Un-
terschied zu Afghanistan natürlich nicht angebracht. Schließlich
ist Südafrika ein Teil des "freien Westens" - mag es sich auch um
ein rassistisches Regime handeln, das seine Herrschaft auf
"polizeistaatliche Methoden" der Unterdrückung der Bevölkerungs-
mehrheit gründet. Unser Außenminister GENSCHER hat sich folge-
richtig gegenüber dem hiesigen Botschafter mit einer äußerst de-
zenten "Verurteilung" der kriegerischen Aktion als "unakzeptabel"
beschieden und damit an der Aufrechterhaltung der traditionell
guten Beziehungen der BRD zu Südafrika keinen Zweifel gelassen.
Und der Außenminister der westlichen Führungsmacht HAIG bekundete
"bedauernd" sein tiefes Verständnis für Südafrika, indem er in
aller diplomatischer Offenheit erklärte, in Angola seien schließ-
lich Cubaner "anwesend". Was soviel heißt wie: den Angolanern ge-
schieht es recht, wenn sie überfallen werden. Kein Wunder. Be-
kanntlich zählt die NATO Angola zu den 3-5 Staaten der "Dritten
Welt", die kein Daseinsrecht besitzen, weil sie im Gegensatz zu
den restlichen 150 nicht die richtige "Unabhängigkeit" haben -
sprich: dem imperialistischen Interesse des Westens nicht bedin-
gungslos zur Verfügung stehen. Die südafrikanische Invasion ist
deshalb den Demokratien des Westens auch überhaupt nicht pein-
lich. Umgekehrt ist es: Die Machthaber Südafrikas gehen derzeit
in die militärische Offensive gegen jeglichen Widerstand und al-
les, was sie als mögliche Bedrohung ihrer Vorherrschaft im südli-
chen Afrika ansehen, weil sie sich des Wohlwollens und der Rüc-
kendeckung durch REAGAN ganz sicher sein können. Der hat ja schon
lange öffentlich verkündet, daß er den Russen mehrfach zurückzah-
len wird, was sie "uns" in Angola "angetan" haben.
Fazit: In Anbetracht dieser Kampfansage an Angola durch die USA
hat der westliche Bürger sich in diesem Falle also nicht künst-
lich aufzuregen über die Gemetzel, die die südafrikanische Armee
veranstaltet. Denn dort trifft es ja die Richtigen!
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