Quelle: Archiv MG - AFRIKA ANGOLA - Wo 1000 Krisen blühen
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MSZ 1/82
Angola
"DAS LAND, DEM 1000 KRISEN BLÜHEN"
So betitelt die "Allgemeine Zeitung" in Windhoek, Namibia, einen
Artikel über Angola, der weniger Bericht denn unverhohlene Dro-
hung ist. Und das "Deutsche Allgemeine Sonntagsblatt" vom
15.11.1981 benennt die "Krisensymptome":
"'Wie schmeckt Ihnen das Essen?', wurde Robert F. Kennedy jr. ge-
fragt, als er im Januar für ein paar Tage Luanda besuchte und im
'Panorama' wohnte. 'Oh bestens, ich habe schon fünf Kilo abgenom-
men', lachte er...
Vorrang an den Kais haben die Frachter aus der Sowjetunion, denn
sie löschen auch heute noch (!) erhebliche Mengen Waffen. Deren
Qualität ist allerdings derart, daß größere NATO-Staaten sie als
Überschußmaterial kostenlos kleineren Verbündeten überlassen wür-
den. Die Angolaner müssen sie mit Petro-Dollars aus dem Ölexport
in die USA bezahlen. Der Verdacht drängt sich auf, daß die Waf-
fenlieferungen für die Sowjetunion weniger ein Akt sozialisti-
scher Solidarität als vielmehr ein lukratives Geschäft sind."
Angola zählt in der westlichen Öffentlichkeit zu denjenigen Län-
dern, deren Namen immer dann fallen, wenn die SU als Störenfried
der friedlich-freiheitlichen Weltordnung angeprangert und impe-
rialistischer Praktiken bezichtigt wird - ganz im Gegensatz zu
den westlichen kapitalistischen Staaten, deren "Imperialismus"
angeblich längst Geschichte ist.
Die von westlichen Kommentatoren aufgemachten Angola betreffenden
Anklagepunkte beweisen allerdings das glatte Gegenteil: Sie spei-
sen sich aus der Erfolgsgewißheit von Parteigängern einer Weltpo-
litik, die das Staatenmaterial ihrer "Dritten Welt" längst unter
Bedingungen gesetzt hat, unter denen es für einen freien Souverän
geradezu ungehörig ist, sich nicht als Partner des Westens nütz-
lich machen zu wollen.
Der oben zitierte Länderkundler erhebt gegen die Russen den be-
zeichnenden Vorwurf, daß sie es - im Gegensatz zu 'größeren NATO-
Staaten' - wohl n ö t i g haben müssen, aus der Ausstattung An-
golas mit Militärgerät auch noch ökonomisch ein Geschäft zu ma-
chen - "wir" dagegen leisten uns bekanntlich "unsere" Türkei und
denken zu allerletzt ans Geschäft, wenn die USA den Saudis ein
paar AWACS-Systeme aus schierer "demokratischer Solidarität" lie-
fern. Zum andern taugen die Russen-Waffen eh nichts: Es kommt
eben teuer und lohnt sich nicht, die Marionette des
F e i n d e s zu sein. Und drittens erhält sich die MPLA-Regie-
rung ja sowieso bloß darüber, daß sie von den auch realistisch
sein und sich zu ihrer Existenz-Grundlage bekennen. So normale
Sachen wie verhungernde Neger gibt es ja überall in Afrika und
dort fallen sie meist unter "typisch afrikanisch"; aber daß sogar
einem amerikanischen Polit-Touristen von der Größe eines Kennedy
in Luanda das gewohnte Menü vorenthalten bleibt, das zeigt schon
einen Abgrund an "sozialistischer Mangelwirtschaft"! Und so zu:
In Luanda ist eben die "Korruption", an der sonst immer "unsere"
afrikanischen Partner-Staaten kranken, zur Abwechslung mal ein
typischer Ausfluß des "menschenfeindlichen Sowjetsystems", die
bescheidenen Rohstofflieferungen Angolas an die SU sind ein
"ungerechter Tausch" und "ruinieren" das Land - so als ob die ge-
rechten, wenn auch immerzu fallenden Rohstoff-Preise, die der We-
sten seinen Zulieferern zugesteht, ein Mittel des nationalen Auf-
baus der betreffenden Staaten wären und nicht die Finanzierung
lokaler Drittweltherrschaften, denen man erst unlängst in Cancun
wieder einmal bedeutet hat, daß sie angesichts der "schwierigen
Weltwirtschaftslage" kürzer treten müssen, d.h. daß sie beim Ab-
speisen ihrer für den Rohstoffabtransport überflüssig bis lästi-
gen Bevölkerung auf immer weniger Hilfe rechnen können. Wie auch
immer: Einer ernsthaften Überprüfung sollen diese "Argumente" zur
Ausmalung der schlimmen Auswirkungen von östlichem "Einfluß" of-
fenbar gar nicht standhalten, und mit einer Parteinahme für die
gedeckelten angolanischen Volksmassen haben sie erst recht nichts
zu tun. Sie kürzen sich ausnahmslos auf d a s Verbrechen zusam-
men, daß es in Angola überhaupt noch Russen und Kubaner g i b t.
Dieser Sachverhalt reicht so vollkommen aus als Begründung sämt-
licher gegen Angola unternommenen westlichen Strafaktionen, daß
der weltpolitische M i ß erfolg der Russen inzwischen offen als
Aufforderung gehandelt wird, sie vollends überall rauszuwerfen -
schließlich sind sie ja sowieso nirgends richtig drin:
"Die Libyer sind erfolgreich aus dem Tschad hinausgeboxt worden.
Aber wie steht es um die Russen, Kubaner und Ostdeutschen, die
immer noch im westlichen Afrika operieren? Wie langfristig sind
die verschanzt? Und können sie so reibungslos hinausgedrängt wer-
den wie es anscheinend bei den Libyern gegangen ist? Um solche
Fragen zu beantworten, ist es wichtig, festzuhalten, daß Afrika
für die Russen und ihre Verbündeten - obwohl sie an Afrika inter-
essiert sind - niemals eine vorrangige Zielscheibe ihrer Außenpo-
litik war... Der Rückblick auf die sechziger Jahre fügt einen
weiteren Merkpunkt hinzu, nämlich den, daß der sowjetische Ein-
fluß niemals so verheerend effektiv war, wie es heute gern sugge-
riert wird. Es ist eine bemerkenswerte Tatsache, daß der gesamte
antikolonialistische Kampf kein einziges marxistisches Regime
hervorgebracht hat... In der Tat gibt es keinerlei guten Grund,
warum der Westen nicht die wenigen Löcher verstopfen sollte,
durch die der sowjetische Einfluß immer noch kriechen kann."
(International Herold Tribune, 3.12.81)
Eine amerikanische Domäne
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"Die Geschäfte sind leer... was noch funktioniert, sind die Sek-
toren, in denen westliches Kapital und Management eingesetzt
sind: Erdöl und Diamanten." (Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt,
15.11.81)
"Russen und Kubaner raus aus Angola - so handfest diesem Stand-
punkt mit Hilfe einer neuerdings wieder offiziell geförderten
"Befreiungsbewegung" sowie ständiger Überfälle der südafrikani-
schen Armee Geltung verschafft wird, so wenig hat diese Parole
damit zu tun, daß die östliche Präsenz ein irgendwie geartetes
H i n d e r n i s für die stinknormale ökonomische Benützung An-
golas durch die imperialistischen Staaten wäre: Der Anteil der
Ostgeschäfte im angolanischen Außenhandel beträgt 8% (!) und im
übrigen hat die angolanische Nachrichtenagentur kürzlich die
schöne Erfolgsmeldung verbreitet, daß die "fallenden Weltmarkt-
preise für Angolas Hauptexportgüter" zwar die "ökonomischen
Ziele" zunichte machten, daß aber immerhin die Amis mit dem Ein-
satz modernster Technologien m e h r von dem verbilligten Öl
locker machen:
"Ein amerikanischer Millionenkredit zwecks Steigerung der Förder-
mengen auf den Cabinda-Feldern wird die gegenwärtige Fördermenge
verdoppeln." (ANGOP, 15.7.81)
Von wegen also, der Kreml habe die angolanische Wirtschaft "an
der Leine" (Spiegel) diese Behauptung verträgt sich jedenfalls
wunderbar mit Meldungen des Typus, neuerdings versuchten dort
Frankreich und BRD in eine amerikanische Domäne "einzubrechen"!
Der Vergleich, den jeder Dritte-Welt-Souverän im Interesse seiner
Selbsterhaltung zwischen östlichem und westlichem Lager anstellt,
ist also auch im Falle Angolas längst entschieden: An Geld, für
das man sich auf dem Weltmarkt das Zeug kaufen kann, das Herr-
schaft sichert, den Staat konsolidiert und die Früchte der Macht
süß macht, kommt man nur Fan, wenn man sich aufs Geschäft mit
denen einläßt, die den Weltmarkt kontrollieren, weil sie auf ihm
den Überschuß ihrer Nationalökonomien verhökern und mit den dafür
eingekauften Rohstoffen ihrem Kapital die materiellen Vorausset-
zungen der Reichtumsproduktion zur Verfügung stellen. Dem Kalkül
auch der angolanischen "Marxisten-Leninisten" von der MPLA liegt
so ein praktischer Systemvergleich zugrunde, der auf ideologische
Affinitäten keine Rücksicht nimmt: Auf der einen Seite florie-
rende Staaten mit effektiv organisierter Ausbeutung, einer kapi-
talistischen Geschäftswelt, die aus "natürlichen Reichtümern" ein
Mittel des Gewinns zu machen versteht und für die sich daher fi-
nanzielle Zuwendungen an die staatlichen Verwalter von Erdölquel-
len etc. lohnen. Auf der anderen Seite der Reale Sozialismus mit
dem vorrangigen Ziel, sich zwecks Behauptung auf dem Erdball
b e f r e u n d e t e N a t i o n e n zu schaffen, was er sich
ökonomisch notgedrungen einiges kosten lassen muß. Die chronisch
defizitäre "Planwirtschaft" in den realsozialistischen Staaten,
deren Problem sicherlich nicht zu wenig billige Rohstoffe sind,
hat weder Überschüssiges anzubieten, was dem Vergleich mit west-
lichen Qualitätsprodukten standhalten kann, noch einen Bedarf an
Rohstoffen, für die sie Weltmarktpreise zahlen kann "weil es sich
l o h n t, weshalb sie sie auch nicht zahlt, geschweige denn in
konvertierbaren Devisen - es sei denn aus politischen Gründen,
aber das hat dann auch seinen p o l i t i s c h e n Preis. Klar
also, auf welche Seite die MPLA-Regierung für ihr Staats-
e i n k o m m e n setzt. Dies ungeachtet der Tatsache, daß sie
nach der Unabhängigkeit Angolas im Zuge des Umsturzes in Portugal
ein politisches Bündnis mit dem "sozialistischen Lager" einging,
um mittels kubanischer Truppen den internen Machtkampf mit den
rivalisierenden "Befreiungsbewegungen" FNLA und UNITA für sich zu
entscheiden. Das westliche Mißtrauen gegen die "in Moskau
geschulten" MPLA-Führer gab damals der RSA grünes Licht für eine
militärische Intervention in Angola und nur das Eingreifen der
Kubaner sorgte damals dafür, daß die MPLA nicht überhaupt ausge-
schaltet wurde, sondern die alleinige Macht zumindest in der
Hauptstadt übernahm. Damit war sie aber als "prosowjetische Be-
freiungsbewegung" gestempelt und diese Einordnung in den Ost-
West-Gegensatz ist sie nicht losgeworden, trotz aller Versuche,
das Gegenteil praktisch unter Beweis zu stellen. Die Russen und
Kubaner, die unterm Titel eines "proletarischen Internationalis-
mus" in einen Machtkampf rivalisierender intellektueller
N a t i o n a l i s t e n eingriffen, deren Basis sich keines-
wegs einer in Angola gar nicht vorhandenen Arbeiter- oder Bour-
geoisklasse verdankt, sondern weitgehend identisch ist mit Stam-
meszugehörigkeit, identisch ist mit Stammeszugehörigkeit, sind
weiterhin im Lande präsent. Mitnichten um den "Sieg des Sozialis-
mus in Angola" zu befördern, sondern allein, um die MPLA-Regie-
rung zu halten. Die militärische Unterstützung des Westens und
der RSA für UNITA sorgt dafür, daß sie auch bleiben müssen, wenn
sie sich einen "Freund " im südlichen Afrika halten wollen.
Ö k o n o m i s c h heißt das für die MPLA-Regierung, daß das
Geschäft, das der Westen, namentlich USA und RSA mit ihr machen,
diesen keineswegs daran hindert, ihr politisch die Souveränität
zu bestreiten. Andererseits muß sie es hinnehmen, daß die SU die
faux frais der militärischen Unterstützung dadurch zu verringern
sucht, daß sie angolanische Billiglieferungen zu Weltmarktpreisen
weiterverkauft. Im Unterschied zu imperialistischen Geschäften
mit der "Dritten Welt", bei denen Lieferungen durchs Kapital in
den Metropolen "veredelt" und deshalb gerechterweise gewinnbrin-
gend verkauft werden, haben so Transaktionen der SU immer den
Ruch des Raubes und Handelsbetruges an sich. Darunter fällt dann
auch das Fischereiabkommen der SU mit der VR Angola, das als
"Leerfischen" angolanischer Hoheitsgewässer kommentiert wird,
während es sich beim damaligen Kanonenbootkrieg zwischen Großbri-
tannien und Island um die Verteidigung der Freiheit der Meere ge-
handelt haben soll.
P o l i t i s c h hat die angolanische Regierung daraus längst
die Konsequenz gezogen, daß ihr die kubanischen Truppen, weil sie
vom Westen mit der Schürung des Bürgerkriegs beantwortet werden,
letztendlich viel zu teuer kommen, weshalb sie sich laufend in
westlichen Hauptstädten darum bewirbt, ihre "Öffnung zum Westen"
komplettieren zu dürfen. Bloß leider hat der Westen die Anfrage
der Angolaner, ob sie nicht vielleicht alternativ zu den Kubanern
brasilianische Truppen gestellt bekommen können, abschlägig be-
schieden: So leicht kommt ihr uns nicht davon, wo ihr schon mal
im feindlichen Lager steht!
Die Produktion von nützlichem Elend
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Die USA haben im Zuge ihrer weltpolitischen Freund-Feind-Sortie-
rung beschlossen, daß es erstens die Sowjetunion und zweitens die
MPLA teuer zu stehen kommen soll, daß es sie überhaupt in Angola
gibt. Irgend welche Rücksichten auf die angolanische Bevölkerung
kommen dabei selbstverständlich gar nicht erst in Betracht. Daß
die Republik Südafrika zwecks Regelung der "Namibia-Frage" regel-
mäßige Überfälle auf dieses "SWAPO-Hinterland" unternimmt, und
aus demselben Grund die oppositionelle UNITA mit dem notwendigen
Gerät ausstaffiert, das hat es ja seit Jahren gegeben. Neu ist
dagegen, daß die USA nicht mehr nur dulden, daß die RSA und ihre
UNITA Krieg gegen Angola und die MPLA-Regierung führen, sondern
daß die Reagan-Administration die o f f i z i e l l e Unter-
stützung der UNITA wieder aufgenommen hat und in der UNO jede
Verurteilung der RSA blockiert. Damit ist dafür gesorgt, daß der
bisherige 50%-Anteil der Militärausgaben in Angolas Staatsbudget
eher noch steigt:
"In Zaire halten sich nach einem Bericht der portugiesischen
Abendzeitung Diario de Lisboa rund 2.000 schwerbewaffnete von den
USA unterstützte Rebellen zum Einsatz in Angola bereit... Die
Guerilleros würden von ihren amerikanischen Beratern zunächst ab-
gehalten, größere Aktionen in Angola zu starten... geheime Flug-
plätze unter direkter Aufsicht nordamerikanischer Soldaten und
europäischer Söldner..." (Süddeutsche Zeitung Nr. 296, 1981)
Wenn in Angola oppositionelle Banden fast schon unangefochten den
Großteil des Landes terrorisieren, so liegt die Bedrohung der
MPLA-Regierung nicht einmal zuerst auf Militätischem Gebiet - da
müßte schon noch schwereres Geschütz gegen die um die Hauptstadt
eingegrabenen Kubaner aufgefahren werden. Entscheidend ist
zunächst einmal, daß das Hauptoperationsgebiet der UNITA mit An-
golas landwirtschaftlichem Hauptanbaugebiet im Süden zusammen-
fällt, was wegen Zerstörung der Infrastruktur, Verminung der Fel-
der etc. zu einem völligen Zusammenbruch der Lebensmittelversor-
gung, also zur Produktion von in die Hauptstädte strömenden hun-
gernden Flüchtlingsmassen geführt hat.
"Langzeitziel der SU,... den Süden in eine riesige Kornkammer zu
verwandeln und dadurch von westlichen Weizenlieferungen unabhän-
giger zu werden." (Das kann zum Glück nicht klappen, denn:) "Es
gibt nur noch ein Hindernis: die UNITA." (Spiegel, 28.9.81)
"Der UNITA-Bewegung ist es gelungen, Angolas wichtigste Verkehr-
sader, die 1.300 km lange Benguela-Eisenbahn-Linie zu unterbre-
chen. Sie verbindet die Kupfer-Minen Zaires und Sambias mit dem
Hafen Lobito... Dies beraubt Angola nicht nur einer wichtigen
Einnahmequelle für Devisen, sondern unterbricht auch die Produk-
tion und Verteilung von Lebensmitteln - und dies in einem Land,
in dem, wie Präsident dos Santos in einer seiner letzten Reden
zugab, immer noch Menschen Hungers sterben. In der portugiesi-
schen Kolonialzeit wurde der Weizen entlang des Benguela-Korri-
dors angebaut, damit die Ernte leicht eingefahren werden und in
den an der Eisenbahnlinie gebauten Silos gelagert werden kann...
Das grundlegende Problem der angolanischen Wirtschaft besteht
darin, daß versucht wurde, ein starres marxistisch-leninistisches
Bewirtschaftungssystem einer afrikanischen Gesellschaft überzu-
stülpen." (Allgemeine Zeitung, Windhoek, 11.9.81)
Wahr ist dieser südafrikanisch inspirierte Zynismus tatsächlich
darin, daß der Westen derzeit in Angola ein Chaos inszeniert,
weil er die östliche Präsenz als unzulässigerweise "übergestülpt"
definiert. Die westlichen Geschäftemacher braucht das gar nicht
weiter zu stören, denn das Hauptölfeld Gabinda liegt durch eine
glückliche geographisch-historische Fügung als Enklave zwischen
der Republik Kongo und Zaire und hat eigene, von den Ölgesell-
schaften unterhaltene Ordnungskräfte, so daß der Rohstoffabtrans-
port und die fortschreitende Destabilisierung des Landes völlig
reibungslos nebeneinander funktionieren können. Der Hunger der -
Bevölkerung ist zwar nie der Grund für einen erfolgreichen Auf-
stand gegen eine afrikanische Regierung - in westlichen Partner.
Staaten betreibt die Bevölkerung neben dem Rohstoffabtransport
ihre sogenannte "Subsistenzwirtschaft" und ansonsten gibt es eine
Herrschaft, die für Ordnung auch beim Verhungern sorgt. Aber ge-
nau d a s wird in Angola mittels der UNITA-Finanzierung nicht
zugelassen. So werden Flüchtlingsmassen tatsächlich zum umstürz-
lerischen Potential; und die Amis schicken einstweilen Hunger-
hilfe ausgerechnet an die selbst produzierten Flüchtlinge.
Der Westen: kompromißlos
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Die westliche Ideologie, bei der VR Angola handle es sich um
einen jener Staaten, um die die SU ihre "Hegemonie" erweitert
habe, der sowjetische "Imperialismus" sei in Luanda gegen die
Freie Welt in Stellung gegangen, ist also eine interessierte
Lüge. Zum einen stellt sie der MPLA zu dem einzigen Zweck, über-
haupt weiter präsent bleiben zu können, einen Freibrief nach dem
anderen in Sachen Westöffnung aus: Dies die sowjetische Berück-
sichtigung des angolanischen Nationalismus, der auf Devisenein-
nahmen angewiesen ist, die ihm die Sowjetunion gerade nicht ver-
schaffen kann und will. Deshalb ermuntert die Sowjetunion die An-
golaner geradezu zu Feindkontakten und hat sogar gegen einen Ab-
bruch der angolanischen Geschäftsbeziehungen zur Republik Süd-
afrika ihr Veto eingelegt - schließlich kostet Angola die Russen
um so mehr, je mehr sich die Angolaner nicht aus anderen Quellen
ein Staatseinkommen verschaffen. Man vergleiche die Toleranz, die
die Großmacht SU hier an den Tag legt, mit der westlichen Hetze
gegen einen afrikanischen Staatsmann, der "Entwicklungshilfe" be-
zieht und trotzdem formell auf seiner "Blockfreiheit" beharrt:
"Vom Westen verwöhnt: Präsident Nyerere und sein grüner Sozialis-
mus... Daß Tansania fast vollständig auf ausländische Hilfe ange-
wiesen ist, stört Nyerere keineswegs in seiner Aversion gegen
sie... ein Kuriosum auf der politischen Weltbühne ... Speicher
für die Hoffnungen und Ideale von Schreibern, die vor der 3. Welt
knien." (Die Welt, 3.10.81)
Zum anderen haben es die Angolaner noch zusätzlich auszubaden,
daß sich die SU die Verrücktheit leistet, sich ausgerechnet da-
durch weltpolitisch gegen die Amis behaupten zu wollen, daß sie
sich als der oberste Anwalt und Hüter von hehren Grundsätzen des
zwischenstaatlichen Verkehrs hervortut: Aus welchem anderen Grund
werden denn die mit modernem Kriegsgerät ausgestatteten Kubaner
bei südafrikanischen Invasionen regelmäßig von der SU zurückge-
pfiffen als eben dem höchst diplomatischen, östliches Militär auf
ausländischem Gebiet nicht dem Verdacht der "Einmischung" ausset-
zen zu wollen? Aus dem Bericht eines südafrikanischen Generals:
"Zwar seien die Jagdflugzeuge von angolanischer Seite mit der
wärmesuchenden SAM 7-Flugabwehr beschossen worden, die technisch
ausgeklügelten SAM 3 und SAM 6-Systeme seien aber nicht angewen-
det worden." (Allgemeine Zeitung, Windhoek, 15.9.81)
Die Russen sind also nicht einmal auf militärischem Gebiet eine
Hilfe dafür, daß sich die MPLA aus der Zwickmühle befreien
könnte, die ihr vom Westen aufgemacht wird: Wegen der UNITA kann
sie die Kubaner nicht heimschicken; und der Westen verlangt den
Rauswurf der Kubaner zusammen damit, daß er die UNITA groß macht.
Kein Wunder also, daß in den Reihen der MPLA derzeit ein heftiger
Linienkampf tobt, was nach der Abwahl des halben Zentralkomitees
und dem Auswechseln der kompletten Armeeführung zu ernsten Perso-
nalproblemen einer Bewegung geführt hat, die ihre Kader aus jener
Handvoll von Intellektuellen rekrutiert, die der portugiesische
Kolonialismus in Lissabon hat studieren lassen. Die Logik dieses
Linienkampfes hat ein jugoslawischer Politiker kürzlich in einer
"Warnung an die Blockfreien" exemplarisch vorgeführt:
"Die Länder, die von einer 'natürlichen Allianz' mit dem Sowjet-
block redeten, versuchten, die Bewegung der Nicht-Paktgebundenen
in einen Konflikt mit dem Westen zu stürzen. Die Politik Präsi-
dent Reagans komme den Zielen dieser Länder unglücklicherweise
noch zunutze, weil sie in manschen Regionen die moskautreue Frak-
tion dazu reizten, einen Konflikt mit der ganzen Bewegung zu ent-
fachen, sagte Minic." (Süddeutsche Zeitung, 29.12.81)
Klar, wo die Amis laufend an unbotmäßigen Ländern Exempel statu-
ieren und sich souverän heraussuchen, welches Land sie gerade
jetzt wieder für unbotmäßig erklären bzw. vom Osten "befreien"
wollen, da ist es am besten, man liefert bloß keinen Vorwand für
einen "Konflikt mit dem Westen"! Sonst hat man sehr schnell wie
die MPLA keine Chance mehr. Denn das Aggressivste auf der Welt
besteht für den Westen darin, sich zur Wahrung seiner Souveräni-
tät nach außen von Kubanern im Inneren an der Macht halten zu
lassen. Weil die USA und ihre verbündeten ständig den Abzug der
Kubaner fordern, zugleich aber es der MPLA unmöglich machen, auf
sie zu verzichten, lautet die westliche Forderung schlicht und
einfach: Die MPLA-Regierung muß weg. Das nicht einmal sonderlich
getarnt durch die Formel einer Koalitionsregierung mit der UNITA,
auf die man sich in Washington mit dem Dr. Savimbi verständigt
hat. Am besten wäre es demzufolge für Angola, die MPLA-Mannschaft
suchte gleich um politisches Asyl in den USA nach: Das wäre das
einzige, worüber sich in Washington mit i h r noch verhandeln
ließe.
Bild ansehen
Landkarte Angola"
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