Quelle: Archiv MG - AFRIKA AETHIOPIEN - Armes Land in bevorzugter Lage
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Marxistische Schulzeitung, 17.11.1987
"HUNGER IN AFRIKA!" - DA CAPO?
Die Aufführung war der große Erfolg im Sommer '85:
- Ein ehemaliger Filmschauspieler K. Böhm hatte als erster die
Sache mit den hungrigen Negerkindern in Äthiopien im Fernsehen
erzählt. Und über Nacht war der Mann nach Jahren der Vergessen-
heit wieder voll da.
- Ein englischer Rockmusiker B. Geldorf organisierte ein weltwei-
tes Freiluftkonzert fürs Fernsehen und konnte anschließend eine
Solokarriere starten.
- Demokratische Politiker in allen Metropolen des Imperialismus
legten einen "Tag für Afrika" ein, wobei Kanzler H. Kohl vor lau-
fenden Kameras einen Hunderter in eine Sammelbüchse tat, den er
sich hinterher von Stoltenberg als Spesen wieder rückvergüten
ließ.
- Einer ergriffenen Öffentlichkeit wurde versichert, jetzt müßte
erst einmal gespendet werden, über die Gründe fürs Verrecken
müsse man sich später Gedanken machen.
In Afrika ging das Leben von 1985 bis 1987 seinen gewohnten Gang:
- Das bebaubare Land war weiterhin zu wertvoll, um darauf Hirse-
brei für nutzlose Bevölkerung, von der's eh zuviel gibt, anzu-
pflanzen.
- Die Staaten dort dürfen im Westen jede Menge Schulden machen,
wenn's dem Geschäft bei "uns" dienlich ist.
- Und "wir" haben auch in diesen zwei Jahren jede Menge Geschäft
gemacht, wobei der Hunger die Dividenden nicht gedrückt hat. Im
Gegenteil: Er ist ja schließlich unvermeidbare Grundlage für ein
rentierliches Afrika.
- Richtig! Irgendwann dazwischen ist auch einmal Peter Maffay mit
zwei Sack Getreide in Addis aufgetaucht. Oder war der in Afghani-
stan mit Knete für die Freiheitsterroristen?
Aber das fiele ja alles unter die Gründe, über die man, sich spä-
ter, nach der "Hilfe" unterhalten wollte. Jetzt kommt erst wieder
eine neue, gewaltige Hungersnot in Äthiopien auf "uns" zu.
Die Neuaufführung "Hunger in Afrika" im Winter '87 wird aller-
dings nicht ganz der große Erfolg werden:
- Das haben Wiederholungen so an sich, daß die Einschaltquoten
sinken.
- Mittlerweile plagen "uns" andere Sorgen als damals im Sommer-
loch: Barschel und der Börsenkrach, um nur zwei Beispiele zu nen-
nen.
- Die Kunstschaffenden haben sich anderen Objekten ihrer PR, Ab-
teilung Mildtätiges, angenommen (Aids!) und wollen sich ja im-
merzu künstlerisch erweitern.
So wird der H u n g e r i n A f r i k a wohl auf die Abtei-
lungen zurückgefahren, wo er eigentlich hingehört: In die kirch-
liche Weihnachtskollekte und die Neujahrsansprache des Bundesprä-
sidenten. Und über die Gründe unterhalten wir uns wie immer spä-
ter.
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