Quelle: Archiv MG - AFRIKA AETHIOPIEN - Armes Land in bevorzugter Lage
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Marxistische Schulzeitung, 18.01.1988
HUMANITÄRE HILFE AUS DER BRD FÜR ÄTHIOPISCHE CONTRAS
"Politik mit der Hungersnot
Äthiopien reagiert zögerlich auf Hilfsangebote aus dem Westen.
Obwohl die Regierung dringend Lkw für die Versorgung der notlei-
denden Bevölkerung benötigt, wollte sie bislang eine Offerte der
Hilfsorganisation 'Komitee Cap Anamur/Deutsche Not-Ärzte' vom No-
vember, 15 Mercedes-Laster zu liefern, nicht bedingungslos an-
nehmen. Grund ist die Forderung der Deutschen, die Lebensmittel-
transporte dürften nicht vom Militär eskortiert werden. Die Sol-
daten erlaubten Transporte nur in von Rebellen nicht kontrol-
lierte Gebiete. Die Lieferungen müßten aber auch in Risikozonen
gelangen. Wenn Addis Abeba nicht einlenkt, sollen die LKW der
eritreischen Befreiungsbewegung zur Verfügung gestellt werden."
(Der Spiegel, 2/88)
Auch beim "Komitee Cap Anamur" und in der "Spiegel"-Redaktion
weiß man, daß Lebensmittellieferungen in die nördlichen Hunger-
provinzen Äthiopiens wenig Chancen haben durchzukommen, wenn sie
nicht unter militärischem Geleit fahren; zu Weihnachten wurde
noch berichtet, wie solche Transporte abgefangen und vernichtet
werden (in der "Süddeutschen Zeitung"). Bekannt ist auch, wofür
eine Guerilla-Armee Lastwagen braucht. Und daß eine Regierung es
nicht gerne sieht, wenn ihre Gegner unter dem Titel
"Katastrophenhilfe" mit Fahrzeugen versorgt werden, stößt norma-
lerweise auf das Verständnis weltgewandter Journalisten und Rot-
Kreuz-Helfer.
Vorausgesetzt, es handelt sich um eine Regierung nach dem richti-
gen imperialistischen Strickmuster. Im anderen Fall bleibt nur
eine Lösung: Man schenkt die Lastwagen gleich den Regierungsgeg-
nern. D a s ist dann jedenfalls k e i n e "Politik mit der
Hungersnot".
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