Quelle: Archiv MG - AFRIKA ALLGEMEIN - Hungertod in 24 Staaten
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Münchner Hochschulzeitung, 29.11.1983
Ausgabe Erziehungswissenschaft
Wochenschau
IM SUDAN
hat der dort amtierende Statthalter des Freien Westens, Numeiri,
die Vorbereitungen abgeschlossen, um für die USA eine weitere
Front gegen "Sowjetische Expansion" herzurichten. Auf den wieder
aufflackernden Aufstand der christlichen Stämme des Südens gegen
die neueingeführte "islamische Gesetzbarkeit", derzufolge auch
sie die Hand bei Diebstahl und die Zunge bei aufrührerischen Re-
den verlieren sollen, reagierte der General in Khartum mit einer
Mobilmachung seiner Armee gegen "einen bevorstehenden Angriff
Äthiopiens" und flog sofort anschließend nach Washington, um bei
Reagan Waffen und Militärberater locker zu machen. Zum Beweis der
Berechtigung seines Anliegens tauchten prompt die obligatorischen
"30 Kubaner" bei den Rebellen auf, und "150 sowjetische Militär-
berater" wurden bei den äthiopischen Grenztruppen gesichtet. Na-
türlich wird der Aufstand im Süden auch "von Libyen unterstützt".
Das übliche Szenario also, dem Westen abrufbereit präsentiert,
damit sich in dieser Weltgegend die Freiheit noch stärker enga-
gieren kann als bisher schon. Einstweilen muß sich Numeiri noch
mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln begnügen: "Nach Dar-
stellung von Parlamentariern aus dem Süden wurden Zivilisten ge-
foltert und umgebracht und ganze Ortschaften eingeäschert."
(Süddeutsche Zeitung vom 21. November) Daß dies durchaus aner-
kannte Maßnahmen von F r e i h e i t s s i c h e r u n g sind,
belegt auch eine Nachricht über die Freiheit aus
El Salvador
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in der von Lehrerfolgen der US-Ausbilder der Regierungstruppen
berichtet wird: Diese haben der Londoner Times zufolge in einem
Dorf alle Einwohner umgebracht. "Als Täter nennt die Times das
'Atlacatl-Bataillon', eine in den USA trainierte Sondereinheit
der salvadorianischen Armee". Der von ihren US-Trainern unlängst
beklagten "schlechten Einsatzbereitschaft" dieser Truppe ist es
wohl zuzuschreiben, daß ein "zehnjähriger Junge, der sich tot-
stellte", davonkam und Journalisten von d i e s e m Massaker
berichten konnten. So geht der von Reagan bestätigte "Demo-
kratisierungsfortschritt" in El Salvador, im Sudan und in täglich
in der freien Presse nachzulesendenden anderen "Krisengebieten".
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