Quelle: Archiv MG - AFRIKA ALLGEMEIN - Hungertod in 24 Staaten
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Was nicht nur Negern gefällt:
AFRIKA MIT STIL UM DEN DEUTSCHEN FINGER GEWICKELT
Unser Präsident hat Stil. Das weiß hierzulande jeder. Damit auch
die Neger was davon abbekommen, war er 16 Tage in Afrika. Seine
Verdienste in allen Ehren:
Wo Verlaß drauf ist, daß die Drecksarbeit von anderen zuverlässig
erledigt wird, ist der Adel keine allzu schwere Aufgabe. An bun-
desdeutscher Zuständigkeit für den schwarzen Kontinent ist nicht
zu deuteln und zu rütteln - das stand bereits geraume Zeit vor
seiner Abreise fest: Die wirtschaftlichen Beziehungen sind zu un-
serem Vorteil geregelt, und wenn politische Zurechtweisungen der
afrikanischen Staaten fällig sind, sind die Macher Kohl, Genscher
und Strauß prompt zur Stelle.
Unserem Oberanwalt alles Wahren, Guten und Schönen bleibt daher
nurmehr eines zu tun: Mit seiner Afrika-Tournee hat er sich ein-
mal exklusiv um den Luxus gekümmert, die Glaubwürdigkeit der
deutschen Afrikapolitik zu repräsentieren. Nach dem Motto:
Wir verstehen mit Negern umzugehen. Nicht von oben herab. Wir hö-
ren zu und sind lernfähig. Also her mit dem Glauben, daß afrika-
nische Belange bei uns in den besten Händen sind!
Durch symbolträchtiges Neigen des Kopfes und Schrägstellen der
Ohren bemüht sich der Präsident der Westmacht Nr. 3 um die Ver-
breitung des Anscheins, daß von einem Imperialismus made in Ger-
many nicht die Rede sein könne! Was den Negern fehlt, ist ein In-
teresse an ihnen, das ihrer Andersartigkeit Gerechtigkeit wider-
fahren läßt. Also beglückt er den Kontinent, dessen Bewohner in
der Mehrzahl der Fälle auf dem letzten Loch pfeifen, mit dem
einen oder anderen Goethewort. Das hört der Neger, zumal in den
oberen Etagen, gern:
"Der Sprecher des simbabwischen Senats empfand die Rede ergrif-
fen, fast wie eine Predigt."
Auch der Simbabwer ist nicht ohne, hat Geschichte und Kultur
Marke Eigenbau - selbst wenn er das ohne deutsche Nachhilfe viel-
leicht heute noch nicht wüßte. Die Ruinen von Groß-Simbabwe hat
nämlich ein Schwabe für uns alle ausgebuddelt. Nach eigenen Anga-
ben hat der Präsident auf dieser Studiensafari unheimlich viel
g e l e r n t:
Wahrscheinlich, daß es in der Sahelzone tatsächlich dürr zugeht
und Afrika insgesamt voller Probleme steckt, über die sich - v.a.
dem Nicht-Afrikaner! - jedes Urteil verbietet. Trotzdem waren die
Kosten für den Anschauungsunterricht nicht rausgeschmissen. Vor,
während und nach seiner Reise hat er betont, daß und wie lernfä-
hig er ist. Also war das auch die ganze L e h r e, die aus sei-
ner Reise gezogen werden sollte:
Mit dem Respekt vor "dem Anderen" ist im Falle Afrikas die Welt
schon wieder heil. I d e e l l sind die Negerfürsten entschä-
digt, was wollen sie mehr? Die Beziehungen werden in eine
Stilfrage verwandelt: Auf die Art und Weise des Umgangs und nicht
darauf, was Staaten miteinander zu schaffen haben, soll es ankom-
men.
Und schon entstehen Probleme aus nichts aus Mißverständnissen,
aus mangelnder Kenntnis oder Achtung des Fremdländischen. Spezi-
ell die Neger sind empfindlich, wenn ihre Würde verletzt wird.
Das muß nun wirklich nicht sein. Mit dieser billigen Tour der
Ehrerbietung poliert Weizsäcker am Bild einer Bundesrepublik, die
mit ihren Eingriffen auf der ganzen Welt angeblich nichts anderes
verfolgt, als das Ideal einer harmonischen Staatengemeinschaft.
Das ist der Rhythmus, wo der Neger mit muß...
Eine politische Botschaft hatte der Präsident auch noch dabei:
Wir sind gegen die Apartheid - und überlegen uns in Zukunft viel-
leicht sogar Sanktionen gegen Südafrika.
Mit diesem letzten Bekenntnis hat Weizsäcker endgültig einen
Stein im Brett bei all seinen Verehrern. Nicht nur kulturell
hochstehend, sondern auch moralisch einwandfreien Werten ver-
pflichtet! Selbstlos, wie hier endlich einmal einer die Anliegen
der Schwarzen unterschreibt und vorbehaltlos unterstützt!
So darf es jedenfalls jeder sehen. Die tatsächlichen Entscheidun-
gen bleiben sowieso dem Kanzler vorbehalten. A u ß e r diesem
einen Punkt - Rassentrennung in der RSA - gibt es in Afrika über-
haupt nichts mehr zu kritisieren. Alle Mißstände haben zu ver-
blassen und zu verschwinden hinter dem himmelschreienden Unrecht
der Apartheid. Einen besseren Titel, um in ganz Afrika herumzu-
fuhrwerken, gibt es überhaupt nicht. Wenn sonst nichts kritikabel
sein soll an der imperialistischen Verwendung eines ganzen Konti-
nents als die rassistischen Besonderheiten der Ausbeutung an sei-
nem Südende, dann ist damit eben auch deutsche Afrikapolitik über
jede Kritik erhaben.
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