Quelle: Archiv MG - AFRIKA ALLGEMEIN - Hungertod in 24 Staaten
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MSZ 11-12/88
Die regionalen Konflikte der Freien Welt
Nebenfronten von gewaltigem Interesse
Afrika
DER SCHWARZE KONTINENT - FAST RUSSENFREI
Schwarzafrikas Unabhängigkeit
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Die ehemaligen europäischen Kolonialmächte haben das Ideal der
Unabhängigkeit freier Staaten nie falsch verstanden. Sie gewähr-
ten den Kolonien Afrikas nicht nationale Souveränität, um die
Finger von diesen Ländern zu lassen, sondern waren selbstver-
ständlich bemüht, Teile des vorherigen exklusiven Benutzungsver-
hältnisses mit in die neue Zeit hinüberzunehmen. Vom Tage der Un-
abhängigkeit an waren alle neuen Staaten auf dem schwarzen Konti-
nent mit den ehemaligen Mutterländern durch militärische, ökono-
mische, politische und finanzielle Kooperationsabkommen verbun-
den.
Der Einfluß Westeuropas in Afrika ist recht umfassend.
W i r t s c h a f t l i c h hat Europa fast alle ehemaligen Ko-
lonien voll im Griff, und das nicht nur durch ökonomische Sonder-
beziehungen wie etwa die Franc-Zone, deren Länder ihre nationale
Währung gleich an der französischen Nationalbank nachzählen. Die
Entwicklungshilfe der Europäer, ob mit Kapital oder auch nur als
technische Hilfe, der Handel der EG mit Afrika, für den das Ver-
tragswerk von Lome festlegt, daß und zu welchen Konditionen alle
Staaten Schwarzafrikas ihre landwirtschaftlichen und minerali-
schen Rohstoffe in Europa verkaufen dürfen, haben eine Abhängig-
keit der afrikanischen Länder geschaffen, denen gegenüber sich
die EG oder ihre Hauptstaaten alle Möglichkeiten der Erpressung
erlauben können. Im Süden sind die Anrainerstaaten Südafrikas auf
Gedeih und Verderb auf Geschäfte angewiesen, die der Burenstaat
mit ihnen aushandelt.
Die S i c h e r h e i t s p o l i t i k, die vor allem Westeu-
ropa mit und in Schwarzafrika betreibt, sorgt dafür daß alte
Freundschaften erhalten bleiben die abhängig beschäftigten Souve-
räne nichts falsch machen oder keine falschen ans Ruder kommen.
Dafür haben England und Frankreich nach der Unabhängigkeit der
Kolonien ihre Kolonialarmeen samt Offizieren erst einmal dagelas-
sen. Dafür gibt es Militärhilfe, je nachdem, wie notwendig sie
den Förderländern erscheint.
In der Arbeitsteilung derer, die so Afrika souverän von außen be-
treuen, übt die Bundesrepublik - abgesehen vom Waffenexport, der
natürlich auch in Afrika seinen Aufschwung hat immer noch Zurück-
haltung (weil andere schon da sind) in der direkten militärischen
Unterstützung der afrikanischen Freunde, ist dafür aber führend
in der Aufrüstung der von deutschen Experten trainierten schwar-
zen Polizeitruppen. Mit Mauser-Pistolen, Mercedes-Lastwagen und
mit von Siemens installierten Telefonanlagen werden die schwarzen
Freunde und Helfer instand gesetzt, das Geschäft der Inneren Si-
cherheit ordentlich zu versehen.
Großbritannien liefert, wie seine NATO-Freunde, nicht nur Waffen,
sondern ist mit Militärberatern in Uganda, Simbabwe und im Sudan
gleich selbst präsent, während das höhere Militärpersonal aus
Gambia, Sierra Leone, Nigeria, Ghana, Malawi, Sambia und Zaire in
England für die heimatlichen Aufgaben ausgebildet wird. Mit Süd-
afrika, das als Frontstaat des Westens das südliche Afrika be-
friedet, unterhält die Führungsmacht des Commonwealth ausgezeich-
nete militärische Beziehungen.
Als militärisch konkurrenzlose Nr. 1 in Nord-, West- und Zen-
tralafrika bewährt sich Frankreich, der Welt drittgrößter Waffen-
exporteur. Permanent präsent sind französische Truppen in einem
runden Dutzend afrikanischer Staaten. Die französische Enklave
Djibouti am Horn von Afrika ist nichts als ein französischer
Stützpunkt mit französischen Infanterie- und Artillerieregimen-
tern, mehreren Panzer-Kompanien und einer Basis für Kriegs-
schiffe. Die Zentralafrikanische Republik und damit steht sie
nicht allein in Afrika - beherbergt französische Eliteeinheiten,
die unter anderem über Mirage- und Jaguar-Jagdbomber verfügen.
Ein weiterer Luft- und Seestützpunkt befindet sich auf der Mada-
gaskar vorgelagerten Insel Reunion.
Wo immer ein Umsturz verhindert oder unterstützt werden soll,
eine separatistische Bewegung zu bekämpfen ist, oder Frankreich
einen Krieg zwischen zwei afrikanischen Staaten in seinem Sinne
entscheiden will, sind die französischen Einsatztruppen schon vor
Ort oder bald zur Stelle - egal, ob es einen militärischen Koope-
rationsvertrag gibt oder nicht. Allein von 1964 bis 1966 wurden
bei "12 Gelegenheiten" (so ein französischer Informationsmini-
ster) Frankreichs Soldaten in Afrika eingesetzt. Schläge größeren
Kalibers führte Frankreich nach 1970: im Tschad-Krieg gegen die
von Libyen unterstützten "Rebellen des Nordens", nach deren
Kehrtwendung direkt gegen libysche Truppen im Norden des Tschad;
in der Zentralafrikanischen Republik - "Aktion Barracuda" zum
Sturz Bokassas 1979; in Zaire Interventionen in Shaba 1977 und
1978, zusammen mit den USA, Belgien und marokkanischen Truppen,
gegen die Invasion der FNLC-Truppen (die kongolesische Nationale
Befreiungsfront, die von Angola aus operierte); in Mauretanien;
in Tunesien... Das geht so weiter Jahr für Jahr. Frankreich ist
die westliche Ordnungsmacht in Nord-, West- und Zentralafrika.
Die USA konzentrieren sich darauf, Staaten und Contras zu unter-
stützen, die es (noch) mit dem Störenfried in Afrika, der So-
wjetunion, feindlich zu tun haben. Militärische Stützpunkte haben
die USA in Schwarzafrika in Liberia, Zaire, Kenia, Somalia und
dem Sudan. Mit ihrer ziemlich umfassenden gewaltsamen Betreuung
der Länder Afrikas - noch während und dann nach der Entkoloniali-
sierung - sind die NATO-Staaten (und Südafrika hilft da gern)
redlich bemüht, nichts anbrennen zu lassen auf dem Schwarzen Kon-
tinent, der selbstverständlich dem Imperialismus gehört.
Alltägliche Kriege
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Gründe für kriegerische Auseinandersetzungen gibt es auf dem dun-
klen Kontinent mehr als genug. Im Innern dieser Staaten stellt
eine treue Soldateska - ob gekauft oder weil sie tatsächlich auch
noch so auf den Führer steht, bleibt sich da gleich - das fast
einzige Mittel der Souveränität des Potentaten dar. Da die Solda-
ten nicht wegen der Staatsraison, sondern des Solds oder der
Stammeszugehörigkeit wegen zu ihrem Oberst und/oder Staats-Häupt-
ling halten, bleibt es nicht aus, daß Konkurrenten um die Macht -
die einzige Stelle, wo es etwas zu holen gibt - auch mit geworbe-
nen Soldaten antreten, um den Verräter an der Nation, den
Egoisten des verhaßten Stammes wegzuputzen. Das weitet sich zu
einem langwierigen "Bürgerkrieg" aus, wenn beide angestammten
Konkurrenten um die Macht von ausländischen Förderern genügend
militärischen Nachschub erhalten. So ein Krieg kommt natürlich
auch zustande, wenn eine Stammesregion meint, ihren eigenen na-
tionalen Laden aufmachen zu müssen, oder ein Herrscher be-
schließt, präventiv mögliche Konkurrenten anderer Stammesfarbe
auszurotten.
Nach außen haben die herrschenden Afrikaner ihre Gründe, sich mit
den Nachbarstaaten anzulegen. Sei es, weil sie ihre Nation, die
sonst nichts putzt, unbedingt um ein eigentlich traditionell ein-
heimisches Gebiet vergrößern wollen; sei es, daß ihnen an einem
Stück Wasserlauf gelegen ist oder auch nur, daß sie das Durch-
einander an der Grenze, die sie noch nie so recht im Griff hat-
ten, zu einer ehrverletzenden Grenzverletzung erklären. So kommen
dort regelrechte Kriege zustande.
Verlauf und Dauer solcher Kriege hängen freilich davon ab, wie es
mit der ausländischen Militärhilfe - in der Form direkter Ein-
griffe oder als Waffenlieferung - bestellt ist. Und die fließt
nicht einfach gemäß den Wünschen afrikanischer Souveräne, die
ihre nationalen Ambitionen verwirklicht sehen möchten. Es ist die
Entscheidung der Herren des freien Westens, was sie sich ihre
guten Beziehungen zu diesem oder jenem Staat in Afrika kosten
lassen wollen. Die Erwartungen der afrikanischen Herren, die ihre
Macht festigen und die Nation stärken möchten mußten da oft ent-
täuscht werden. So ist es kein Wunder, daß afrikanische Staaten
aus ihrer Unzufriedenheit mit ihren westlichen militärischen
Brötchengebern den Schluß zogen sich nach alternativen Helfern
umzusehen. - Kein Staat Afrikas, kein Separatistenverein, der
nicht einmal mit der Sowjetunion über Waffenlieferungen verhan-
delt hätte. Und die Unabhängigkeitsbewegungen von Bedeutung, vor
allem diejenigen, die in den letzten Kolonien Afrikas gegen Por-
tugal um die Unabhängigkeit kämpften, sahen den Ostblock sowieso
als ihren natürlichen Verbündeten an.
Störenfried Sowjetunion
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Die Sowjetunion mischte sich in Afrika ein, um über freundschaft-
liche Beziehungen zu afrikanischen Staaten auch auf dem Schwarzen
Kontinent Einfluß zu gewinnen und ihre Rolle als Weltmacht Nr. 2
zu spielen. Es mag zwar sein, daß sowjetische Politiker in den
50er und 60er Jahren daran geglaubt haben, in Afrika gebe es im
Zuge der Entkolonialisierung die Chance der Entwicklung soziali-
stischer Systeme und eines antiimperialistischen Blocks. Alle De-
finitionen unterstützenswerter Regime oder Bewegungen, die in der
Sowjetunion erfunden wurden - "sozialrevolutionärer Kurs mit so-
zialistischer Orientierung", "revolutionäre Demokraten", "Staat
der nationalen Demokratie", "Block aller fortschrittlichen, pa-
triotischen Kräfte" - belegen aber, daß unter afrikanischen Ver-
hältnissen an so etwas wie dem Aufbau des Sozialismus sowjeti-
scher Machart gar nicht gedacht war. Die Sowjetunion hat auch in
Afrika außenpolitische Interessen verfolgt, mit keinem anderen
Ziel, als das Zustandekommen bzw. die Unterstützung selbständiger
befreundeter Staaten. Die haben sich übrigens gern sozialistisch
genannt und damit nie etwas anderes gemeint als ihr Unabhängig-
keitsideal.
Ziemlich realistisch und gleichgültig gegen das jeweilige Staats-
programm vor Ort gestaltete die sowjetische Außenpolitik ihre
Hilfe für Afrika in den sechziger Jahren.
"Die von Chruscev wegen ihrer sozialistischen Orientierung bevor-
zugten Staaten Ghana, Mali, Guinea und Kongo-Brazzaville (die
spätere Volksrepublik Kongo) erhielten zwar Militärhilfe, jedoch
recht sparsam und gleichsam lustlos. Auf der anderen Seite wurden
Staaten wie Somalia, Marokko oder der Sudan, die seinerzeit kei-
nerlei Affinität zum Sozialismus zeigten, dafür aber strategische
Bedeutung besaßen, mit sowjetischen Waffen reichlich versorgt.
...
In den Jahren nach dem Machtwechsel in der Sowjetunion wurden So-
malia, Nigeria und Uganda zu den wichtigsten Abnehmern sowjeti-
scher Waffen, alles Staaten, die (zumindest bis 1969) keinerlei
ideologische Nähe zur sowjetischen Staatsphilosophie aufwiesen."
(Joachim Krause, Sowjetische Militärhilfepolitik gegenüber Ent-
wicklungsländern, Baden-Baden, 1985, S. 289)
Der Gesichtspunkt der Sowjetunion war eben nicht der von Freiheit
oder Sozialismus. Nigeria und Uganda erhielten militärische
Hilfe, weil die Sowjetunion gute Beziehungen zu diesen Ländern
wollte. Sie warb dafür mit dem Eintreten für die Unabhängigkeit
autonomer afrikanischer Staaten - in den nach Ende der Kolonial-
herrschaft gesetzten Grenzen -, womit sie sich mit der OAU einig
wußte. Die russischen Kommunisten verwechselten damals gern das
Ideal der Unabhängigkeit selbständiger Staaten mit Antiimperia-
lismus. - Nigeria bekam nach 1967 für den Erhalt der ganzen Na-
tion eine komplette Luftwaffe plus Piloten (zumeist aus Ägypten)
gestellt für den Krieg gegen die Ibos der Region Biafra, die sich
selbständig machen wollten. Nigerias Präsident, General Gowon,
dem es ausdrücklich um den Verbleib im westlichen Wirtschaftsver-
band ging, ersuchte 1970 die Sowjetunion um Einstellung ihrer Mi-
litärhilfe. Im Falle Ugandas war der Wunsch dieses Landes nach
größerer Unabhängigkeit von Großbritannien für die Sowjetunion
die Gelegenheit, zusammen mit der CSSR Obotes Streitmacht mit
Luftwaffe, Schützenpanzern sowie anderen, leichteren Waffen aus-
zurüsten. Die Militärhilfe wurde auch unter Idi Amin fortgesetzt
(offenbar störte es die Russen nicht, daß auch Israel Waffen nach
Uganda lieferte), bis sie auch dort zu Ende ging.
Für die Feststellung des Freien Westens, die nicht lange auf sich
warten ließ, daß nämlich Afrika Gefahr laufe, in die Hände des
Kommunismus zu geraten, war es egal, wie sich der afrikanische
Sozialismus aufführte, daß er sogar häufig in Distanz zur So-
wjetunion ging. Für das westliche Urteil spielte es auch keine
Rolle, welchen Erfolg die Russen damit hatten, sich in Afrika be-
freundete Staaten zuzulegen. Der Versuch der Sowjetunion war für
den Westen schon schlimm genug. Offenbar wurde dieser westliche
Alleinvertretungsanspruch für Afrika zum ersten Mal an der
"Kongokrise". In den Geschichtsbüchern heißt es, die belgische
Kolonie sei "unvorbereitet in die Unabhängigkeit entlassen" wor-
den. Das Urteil kommt daher, daß von einer stabilen Herrschaft
von Europas Gnaden nicht die Rede sein konnte. Sofort nach der
Staatsgründung meuterten erstens die bis dahin von Belgiern ge-
führten Ordnungstruppen (Force Publique), und legten zweitens ei-
nige Sezessionsbewegungen los. Das war nicht weiter schlimm: Bel-
gische Truppen intervenierten, dann UNO-Truppen. Ernste
"Panikstimmung" in Europa (so steht es schon wieder in den Ge-
schichtsbüchern) kam aber auf, als Lumumba, den Chruschtschow si-
cher nicht für einen Kommunisten hielt, immerhin die Weltlage so
weit begriffen hatte, daß er 1960 ein Communique herausgab:
"Der Ministerrat beschließt, unverzüglich die Sowjetunion sowie
alle Länder des afro-asiatischen Blocks zur Entsendung von Trup-
pen nach Kongo aufzufordern... Die Truppen werden sofort nach dem
Abzug der belgischen Truppen und der Wiederherstellung der Ord-
nung Kongo wieder verlassen."
Lumumba hatte sich an die Alternative zu den westlichen Kontroll-
mächten gewandt. Das erschien dem Westen Gefahr genug, daß die
Sowjetunion in Schwarzafrika Fuß fassen könnte. Diese Möglichkeit
mußte von vornherein verhindert werden. Westliche Truppen inter-
venierten; die Sowjetunion kam dem Hilfeersuchen Lumumbas nicht
nach. So entschied 1960 und 1964 der Westen allein die Macht-
kämpfe im Kongo. Auch sonst war die Warnung vor einer russischen
Gefahr in Afrika nicht zu verwechseln mit einem Urteil über die
tatsächlichen Aktivitäten der Sowjetunion auf dem Schwarzen Kon-
tinent. Das russische militärische Engagement in Schwarzafrika
nahm sich bis zum Beginn der 70er Jahre vergleichsweise beschei-
den aus. Und nicht nur bis zu diesem Zeitpunkt. Meldungen der
folgenden Art:
"In den 70er Jahren nahmen Ausmaß und Intensität sowjetischer Mi-
litärhilfe in Schwarzafrika in geradezu dramatischer Weise zu."
(Joachim Krause, a.a.O., S. 296)
leben offenbar von dem Standpunkt, daß Afrika dem Freien Westen
gehört, sich also die Sowjetunion aus Afrika herauszuhalten hat.
Worin bestand denn der dramatische Anstieg der sowjetischen Ein-
flußnahme mittels Waffenhilfe? Darin, daß die Sowjetmacht mit Un-
terstützung Kubas in ganzen vier schwarzafrikanischen Staaten
gründlich eingestiegen ist und dort nennenswerte militärische
Hilfe geleistet hat. In Somalia, Angola, Mosambik und Äthiopien.
Der 1974 zwischen S o m a l i a und der Sowjetunion geschlos-
sene Freundschafts- und Kooperationsvertrag war 1977 zu Ende. Da
begann nämlich Somalia gegen den erklärten Willen der Russen sei-
nen Krieg gegen Äthiopien, um sich das Gebiet Ogaden einzuverlei-
ben. Die Sowjetunion stellte sich offen auf die Seite Äthiopiens.
Daraufhin kündigte Somalia den Freundschafts- und Kooperations-
vertrag, wies die sowjetischen Berater und Militärexperten aus
und fror die diplomatischen Beziehungen ein. So ging ein Stück
afrikanischer Sozialismus seinen Gang. Für die Realisierung sei-
ner nationalistischen Pläne nutzte Somalia die durch das sowjeti-
sche Engagement in Äthiopien entstandene neue Lage jetzt im We-
sten. Es kam zum historischen Einsatz der GSG 9 in Mogadischu und
zum amerikanisch-somalischen Vertrag von 1980, der den USA Nut-
zungsrechte am strategisch interessanten Marine- und Luftwaffen-
stützpunkt Berbera sicherte, die die Russen nie bekommen hatten.
Da waren's nur noch drei.
M o s a m b i k beging nach westlichem Ermessen drei Fehler: Es
stand der Befreiungsbewegung ZANU in Rhodesien bei. Das brachte
Einbußen in den wirtschaftlichen Beziehungen, dazu die Überfälle
der Smith-Truppen zwischen 1976 und 1979. Das Land unterstützte
den ANC, der gegen das Apartheid-Regime in Südafrika kämpft. Die
Antwort waren Bombenangriffe und Überfälle der Republik Süd-
afrika. Außerdem führt die nationale Widerstandsbewegung Renamo
oder RNM (Nationale Widerstandsbewegung von Mosambik), die von
Südafrika gestützt und unterstützt wird, Krieg gegen die Regie-
rung in Maputo. Und schließlich erhält Mosambik von der So-
wjetunion Militärhilfe und hat mit den Russen ein Freundschafts-
und Kooperationsabkommen geschlossen. Das hat die Ruinierung des
sozialistischen Experiments der FRELIMO besiegelt. Südafrikas
Krieg, wogegen die russische Militärhilfe nicht reicht; Südafri-
kas und des Westens wirtschaftliche Erpressung, die von der so-
wjetischen Wirtschaftshilfe nicht kompensiert wird - ein Antrag
Mosambiks auf Aufnahme in den RGW wurde abgelehnt: Das alles hat
den Staat fertiggemacht. Geblieben ist ein staatliches Notpro-
gramm, das gleichzeitig die Lösung dieses regionalen Konflikts
bedeutet. 1981 schließt Mosambik ein Militärhilfeabkommen mit
Portugal und Tansania und beginnt den Kurs einer wirtschaftlichen
und politischen Öffnung zu den westlichen Staaten. 1984 geht das
Land den Diktatvertrag mit Südafrika ein; Mosambik verpflichtet
sich, die Unterstützung des ANC aufzugeben, während Südafrika
weiterhin und vertragswidrig die kriegführende Rebellenbewegung
in Mosambik unterstützt: "Mosambik jetzt auf realistischen Kurs"
(SZ; 2.6.87), heißt es. London schickt Offiziersausbilder und Be-
rater für den Anti-Guerilla-Kampf. Das Regime in Maputo be-
schließt von sich aus wirtschaftspolitische Maßnahmen, die sonst
der IWF gebietet, und stellt den Antrag auf Mitgliedschaft in
dieser Organisation. 1988 kommt ein Abkommen zwischen Südafrika,
Mosambik und Portugal zustande, nach dem die von der Renamo zer-
störte Stromleitung repariert werden soll, damit die Stromliefe-
rungen vom Cabora-Bassa-Staudamm nach Südafrika wieder aufgenom-
men werden können. Portugal rechnet dabei mit der Rückzahlung der
Schulden für den Staudamm durch Mosambik. Südafrikas Präsident
Botha trifft sich mit Staats- und Parteichef Chissano. Die Ren-
amo, die weiter munter Krieg führt, bietet der Regierung in Ma-
puto Verhandlungen an. Die USA verbessern die politischen Bezie-
hungen zu den Regierenden in Maputo. - Da waren's nur noch zwei.
Die letzten Gefechte
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Reagan nennt auf der Liste ungerechtfertigter Einflußnahme der
Sowjetunion auf dem Globus für Schwarzafrika noch zwei Staaten,
aus denen die Russen gefälligst zu verschwinden hätten (Für die
USA steht eben fest, daß es für regionale Konflikte nur einen
Schuldigen gibt.): Äthiopien und Angola.
Äthiopien
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war bis Mitte der 70er Jahre das von den USA bevorzugte Militär-
hilfeempfängerland in Afrika. Das strategische Interesse der er-
sten Weltmacht an dieser Region hatte schon 1953 zu einem Vertrag
mit der abessinischen Monarchie "über gemeinsame Verteidigung"
geführt. Unter der Monarchie wurde das am südlichen Ausgang des
Suez-Kanals sowie am Indischen Ozean gelegene Land, vor allem für
die Überlassung des größten vorgeschobenen westlichen Horchpo-
stens Kagnew, bis 1976 mit runden 300 Millionen Dollar ausgerü-
stet. Zu jener Zeit hatten die USA noch mit einer unsicheren Öl-
region, einem moskaufreundlichen "Nasserismus" in Ägypten, dem
sowjetischen Aufbau eines Flottenstützpunkts im somalischen Ber-
bera und der sowjetischen Unterstützung der Befreiungsbewegung in
Eritrea zu rechnen.
Der Schwenk Ägyptens ins westliche Lager, überhaupt die Verände-
rung des politischen Kräfteverhältnisses in der Golfregion zugun-
sten des Westens, aber auch das Mißtrauen der USA gegenüber der
1974 durch Putsch an die Macht gekommenen Militärregierung bewo-
gen die Amerikaner dazu, ihre Waffenhilfe an Äthiopien einzustel-
len und ihre Freundschaft zu diesem Staat aufzukündigen. Die
strategische Bedeutung Eritreas und damit Äthiopiens war relati-
viert; Somalia, der Erzfeind Äthiopiens, wurde der neue Verbün-
dete der USA, etwa zu der gleichen Zeit, als sich die Sowjetunion
von Somalia ab- und Äthiopien zuwandte.
Als nach 1976 - in diesem Jahr hatten die USA noch Waffen im Wert
von 100 Millionen Dollar geliefert - die westliche Waffenhilfe
eingestellt wurde, Somalia 1977 mit regulären Truppen den Ogaden
angriff und im Krieg gegen die Aufständischen in Eritrea eine mi-
litärische Niederlage drohte, geriet Äthiopien mitsamt seinem
Mengistu-Regime an den Rand einer militärischen Katastrophe.
"Dieses Patt (im Ogaden-Krieg) sowie die ständig sich verschlech-
ternde Lage des Mengistu-Regimes, welches sich auch noch mit der
Aussicht auf einen militärischen Zusammenbruch in Eritrea kon-
frontiert sah, führten die Sowjetunion im November (1977) zu dem
Entschluß, gemeinsam mit Kuba, Süd-Jemen und der DDR dem bedräng-
ten DERG (Provisorischer militärischer Verwaltungsrat) mit einer
spektakulären Militärhilfeoperation unter die Arme zu greifen.
... Innerhalb von fünf bis sechs Wochen wurden zwischen 190000
und 240000 Tonnen militärischen Geräts per Schiff und Flugzeug
nach Äthiopien transferiert. ... Im Januar 1978 begann dann ein
ebenso wirkungsvoller Transfer kubanischen Militärpersonals nach
Äthiopien. Mitte Februar standen bereits 11000 kubanische Solda-
ten bereit, die zudem durch ein südjemenitisches Expeditionscorps
von 2000 Mann sowie 50 Piloten aus Nordkorea ergänzt wurden. Die
DDR schickte auch Waffen und offenbar auch Kampfeinheiten..."
(Joachim Krause, a.a.O., S. 327/328)
Es gelang den Verbündeten, die somalischen Truppen aus dem Ogaden
zu vertreiben. Die Rückeroberung der wichtigsten Städte Eritreas
brachte der Regierung aber nicht den gewünschten Erfolg, zumal
die Sowjetunion und Kuba nur geringe militärische Hilfe leisteten
für diesen Krieg, da sie nicht gegen die marxistischen Rebellen
in dieser Provinz antreten wollten und für ein autonomes Eritrea
eintraten. Die Kontrolle und Eingemeindung ins Staatsgebiet ist
bei dieser Provinz bis heute nicht gelungen. Das Regime führt
Dauerkrieg gegen die sezessionistischen Guerillatruppen in
Eritrea, Tigre und Wollo, ebenso im südlichen Ogaden. Über Soma-
lia und den Sudan werden die Aufständischen vom Westen mit Waffen
versorgt, damit der Krieg gegen die Regierung nicht aufhört.
Äthiopien bekommt zu spüren, was es heißt, vom Westen zum Feind
erklärt zu werden, weil man mit dem Hauptfeind im Osten gemein-
same Sache macht. Die staatliche Einheit kommt nicht zustande,
geschweige denn eine wirtschaftliche Entwicklung. Dafür ist die
Wirtschaftshilfe aus dem Ostblock zu gering den Antrag auf Auf-
nahme in den RGW lehnte die Sowjetunion ab. Äthiopien verkauft
seinen Kaffee auf dem Weltmarkt, erzielt Hungerrekorde und darf
sich westlichen Mitleids und westlicher Feindschaft ineins er-
freuen. Und die Sowjetunion, der ihr Einsatz in Äthiopien als
eine ihrer weltpolitischen Todsünden vorgehalten wird, hat in
Äthiopien nicht einmal irgendwelche Stützpunktrechte erworben.
Der letzte Stand ist, daß die Sowjetunion Angebote zur friedli-
chen Lösung dieses regionalen Konflikts macht.
"Wichtige Schritte zur Gesundung der Lage am anderen Ende dieses
Kontinents in der Region des Horns von Afrika, waren der Beschluß
zur Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Äthiopien
und Somalia und die Anstrengungen Äthiopiens, die Beziehungen zum
Sudan zu normalisieren." (A. Kislow, Prawda)
Angola
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Die portugiesische Kolonie wurde zum Zeitpunkt ihrer Entkolonia-
lisierung (1975) für den Imperialismus zu einem ernsten Fall.
Vorher zeigte sich der freie Westen am "Kampf des angolanischen
Volkes zur Befreiung vom Joch der portugiesischen Kolonialherr-
schaft" praktisch völlig desinteressiert. Aber auch die OAU,
China und der Ostblock unterstützten die drei Befreiungsbewegun-
gen MPLA, FNLA und UNITA, die seit Mitte der 60er Jahre unabhän-
gig voneinander Krieg gegen Portugal führten, mit nur beschei-
denen Mitteln. Die Folge war, daß die militärische Lage der Be-
freiungsbewegungen kurz vor der Entlassung Angolas in die Unab-
hängigkeit aussichtslos war.
"Die portugiesischen Anstrengungen, den antikolonialistischen
Kampf zu unterdrücken, hatten sich seit 1972 verstärkt. Effektive
Methoden der Guerillabekämpfung wurden angewandt, die die Lage
der MPLA - ebenso wie die der anderen Befreiungsbewegungen - de-
solat werden ließen. Zu Beginn des Jahres 1974 galt der Befrei-
ungskampf in Angola als mehr oder weniger gescheitert; alle drei
Befreiungsbewegungen sahen sich aus den wichtigen Regionen und
Zentren verdrängt und bekämpften sich obendrein gegenseitig."
(Kranze, a.a.O., S. 303)
Die Rivalität der Bewegungen rührt nicht aus unterschiedlichen
Programmen her (weshalb ihre Namen auch wurscht sind). Alle Pro-
gramme enthielten die Verurteilung von Imperialismus und Neokolo-
nialismus und als Ziele die Verstaatlichung wichtiger Industrien,
Agrarreform, Aufbau von landwirtschaftlichen Kooperativen, Garan-
tie bürgerlich-demokratischer Freiheiten, Verbesserung des
Gesundheits- und Erziehungssystems, Blockfreiheit und was sich
sonst noch so gehört, wenn man nationale Selbständigkeit auf
seine Fahnen geschrieben hat. Die Bewegungen konkurrierten
miteinander aus Stammesgründen und wegen ähnlichem Unsinn.
Nach dem politischen Umsturz in Portugal versprach die Militärre-
gierung die Entlassung ihrer Kolonien in die Unabhängigkeit; Sei-
tens der OAU war 1974 - warum, weiß der Geier die MPLA die einzig
anerkannte Befreiungsbewegung. Die portugiesische Militärregie-
rung handelte jedoch mit allen drei Organisationen den Vertrag
von Alvor aus, in dem vorgesehen war, daß bis zum Tag der Unab-
hängigkeit (11.11.1975) eine Übergangsregierung aus Vertretern
aller drei Bewegungen amtieren und durch Wahlen eine verfassungs-
gebende Versammlung geschaffen werden sollte. Die drei Organisa-
tionen bildeten einerseits diese Übergangsregierung, eskalierten
aber andererseits den Kampf gegeneinander, um bei den Wahlen für
einen eindeutigen Ausgang sorgen zu können. Darin sahen aber Ost
und West noch keinen Anlaß, einer Partei zum Sieg zu verhelfen.
Das sollte sich bald ändern. Erst legte die FNLA zu, als ehema-
lige MPLA-Verbände zu ihr übertraten. Dann errang die MPLA Vor-
teile, weil sie sich mit den etwa 4000 Katanga-Gendarmen verbün-
dete, denselben, die einmal auf seiten der Katanga-Separatisten
im Kongo, später auf seiten der portugiesischen Kolonialherren
gekämpft hatten. Schließlich intervenierte das benachbarte Zaire
mit einem Truppenkontingent von 1200 Soldaten, um die FNLA zu un-
terstützen.
Angesichts dieser Eskalation, und nachdem alle Vermittlungsversu-
che der OAU spätestens im Juni 1975 gescheitert waren, entschloß
sich die Sowjetunion, der MPLA mit größeren Waffenlieferungen zu
helfen. Im Sommer 1975 kamen die ersten kubanischen Militärbera-
ter. Wegen dieses sowjetischen und kubanischen Engagements begann
sich der Westen schlagartig für Angola zu interessieren. Am 17.
Juli 1975 genehmigte der Nationale Sicherheitsrat der USA eine
"covert assistance" in Höhe von 32 Millionen Dollar für FNLA und
UNITA. Südafrika lieferte Waffen an diese beiden Organisationen
und führte mit ihnen eine gemeinsame Militäraktion durch. Der Bu-
renstaat bildete UNITA-Einheiten aus.
"Am 14. Oktober (1975) fielen südafrikanische Einheiten in einer
Stärke von 2000 bis 3000 Mann in Angola ein und begannen entlang
der Küste etwa 700 km vorzustoßen. Die Verbände der MPLA mußten
vor diesen Truppen zurückweichen und fanden sich im Norden durch
die gleichzeitige Offensive von FNLA und UNITA, an der auch zai-
rische Verbände teilnahmen, bedroht. ... sie (die MPLA) kontrol-
lierte nur noch die Region um die Hauptstadt Luanda sowie einen
Landstreifen in östlicher Richtung. In dieser Situation begann
auf Drängen Kubas am 7. November die Operation 'Carlota', die ur-
sprünglich ein rein kubanisches Unternehmen war, an dem die UdSSR
jedoch nach kurzem Abwarten mitwirkte. Innerhalb von wenigen Ta-
gen wurden mehrere tausend Mann kubanischer Kampftruppen von ku-
banischen und später sowjetischen Flugzeugen eingeflogen. Zusätz-
lich wurde von der Sowjetunion aus eine Luftbrücke errichtet, auf
der etwa 18.000 Tonnen Kriegsmaterial nach Angola gelangten. ...
Mit Hilfe der Kubaner und der gelieferten schweren Waffen gelang
es den MPLA-Verbänden einen Tag vor Erlangung der Unabhängigkeit,
den militärischen Angriff der FNLA auf Luanda abzuschlagen."
(Krause, a.a.O., S. 309)
Die Volksrepublik Angola wurde von der MPLA regiert, FNLA und
UNITA wurden entscheidend geschlagen und Städte und Dörfer zurüc-
kerobert.
Der Krieg in Angola war damit nicht beendet. Mit Unterstützung
Südafrikas und des Westens organisierte sich die UNITA neuerlich
und errang die weitgehende Kontrolle über den Südosten des Lan-
des. Militärische Überfälle der Republik Südafrika von Namibia
aus, die den Süden Angolas geradezu als ihr Aufmarschgebiet be-
trachtet, gehören zum Alltag des Landes. Die Rechnung der MPLA,
sich mit sowjetischer und kubanischer Hilfe gegen die Feinde im
Innern und von außen durchsetzen zu können, ist nicht aufgegan-
gen. Die Herrschaft der MPLA erstreckt sich lediglich auf die
Hauptstadt Luanda und den Norden des Landes, und auch das nur mit
sowjetischer und kubanischer Hilfe. Auch die Teilkapitulation,
das Waffenstillstands- und Truppenrückzugsabkommen mit Südafrika
von 1984, änderte nichts an dieser Lage. In dem Vertrag ver-
pflichtete sich Angola, der SWAPO Namibias keine Operationsbasis
mehr zu gewähren, und erklärte sich Südafrika bereit, die in An-
gola stehenden Truppen zurückzuziehen. Aber weiterhin war die Re-
publik Südafrika in Südangola militärisch präsent, zu einer Auf-
gabe der Unterstützung der UNITA hatte sie sich nie verpflichtet.
Der fortwährende Krieg hat nicht nur Leichen produziert, sondern
auch dafür gesorgt, daß die Wirtschaft statt aufgebaut gründlich
ruiniert wurde. Was wie ein politischer Treppenwitz gehandelt
wird, ist gar keiner: Eine US-Gesellschaft scheffelt in der ango-
lanischen Enklave Cabinda Öl und Profit. Washington beliefert die
UNITA mit Dollarmillionen. Savimbis Truppen greifen - so gesche-
hen 1986 - die Chevron Gulf Company an. Kubanische Soldaten
schützen sie. Deren Einsatz wird vom angolanischen Staat bezahlt,
der 85% seiner gesamten Deviseneinnahmen aus der Ölförderung in
Cabinda bezieht. Es geht dem Imperialismus eben um Höheres als um
ein Geschäft, darum, auch diese Ecke Afrikas vom sowjetischen
Einfluß zu befreien. Dafür wird Krieg geführt in Angola.
"Bricht der Frieden aus?"
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Die Frechheit, mit der Südafrika der Kritik an der Apartheid be-
gegnet - "Das Gesetz über die getrennten Wohngebiete ist das Er-
gebnis einer historischen Entwicklung" (Staatspräsident Botha) -,
die Ungerührtheit, mit der sich dieser Staat gibt gegenüber dro-
henden oder verhängten wirtschaftlichen oder militärischen Sank-
tionen - "Ich kann mir nichts Lächerlicheres vorstellen. ... Sie
werden Afrika nicht umbringen." (Außenminister Botha) -, bewei-
sen, daß der Burenstaat die Anklage gegen sein spezielles System
und die ab und an verhängten Sanktionen nicht verwechselt mit
seiner tatsächlichen Rolle in der Welt des freien Westens. Und
auch die USA und ihre maßgeblichen Mitmacher in Europa verwech-
seln die beiden Sachen nicht miteinander, sonst gäbe es dieses
"Unrechtsregime" längst nicht mehr so. Den demokratischen und ka-
pitalistischen Ländern des Westens ist Südafrika ein nützlicher
Partner, wegen seiner Wirtschaft und da im besonderen wegen sei-
ner strategisch wichtigen Rohstoffe; und wegen der Aufgabe, der
Südafrika gern nachkommt, als Frontstaat der USA und ihrer NATO
das südliche Afrika zu befrieden und am Kap der guten Hoffnung
die strategische Stellung zu halten. Was im südlichen Afrika un-
ter Kontrolle Südafrikas läuft, hat mit Menschenrechten so wenig
zu tun wie die U-Boot-Blaupausen aus Kiel mit Verbrechen.
So ist auch die gegenwärtige Entwicklung in Angola nicht die
Folge von amerikanischen Wirtschaftssanktionen oder eines politi-
schen Drucks auf die Regierung in Südafrika. Schon gar nicht hat
Genscher den Botha schwer in die Enge vermittelt und Kohl dem
Savimbi bei dessen Besuch Friedensleviten gelesen. Die USA und
Südafrika können ja auch schließlich ziemlich zufrieden sein mit
dem Erfolg ihrer bisherigen Unternehmungen gegen Angola und das
sowjetisch-kubanische Engagement dort. Von wegen, Südafrika habe
an der Angolafront Niederlagen erlitten, die Kosten des Kriegs
würden die Wirtschaft schwer belasten, die zudem noch Krisener-
scheinungen zeige. Nein, die USA und Südafrika haben sich darüber
geeinigt, die Chance zu ergreifen, die Russen und Kubaner mit ei-
ner gütlichen Einigung aus Afrika verschwinden zu lassen. Diese
Chance haben sich Südafrika und die USA beharrlich erarbeitet.
Ihr direkter oder - über die UNITA - indirekter Krieg gegen An-
gola bedeutet für die Sowjetunion und Kuba, daß ihr Plan nicht
aufgeht, die Souveränität ihres verbündeten Staats auf eigene
Füße zu stellen. Sie helfen mit Waffen oder sind im Lande, um
Krieg zu führen, und sorgen dafür, daß die regierende MPLA im Amt
bleibt. Sonst nichts. Und die Regierung in Luanda hat aus der
Ausweglosigkeit für ihr Staatsgebilde schon ihre Schlüsse gezo-
gen: Seit ein paar Jahren ersucht sie die USA um Verhandlungen.
Sie war in Paris, um von dort Waffen für den Bürgerkrieg zu be-
kommen. Sie beantragte die Aufnahme in IWF und Weltbank sowie die
Mitgliedschaft im Lomé-Abkommen. Sie bietet ausländischen Inve-
storen die Gelegenheit, die Diamantenvorkommen auszubeuten...
Das ist das eine, wofür Südafrika und die USA mit ihrem militäri-
schen Engagement gesorgt haben. Das andere ist der "Neue Realis-
mus" der sowjetischen Außenpolitik. Die Sowjetunion übt Selbst-
kritik an ihren Versuchen, Drittweltländern die Unabhängigkeit
vom Imperialismus zu verschaffen und sich so befreundete Staaten
zu gewinnen. Das harte I d e a l besteht in der Vorstellung,
daß Angola unabhängig von sowjetischer Hilfe und Gewalteinsatz
seine Selbständigkeit und seinen Frieden findet, weil die Groß-
mächte darüber einig würden, daß das so sein soll. Und weil auch
Südafrika ein realer Staat ist (über den sich z.B. russische Dia-
manten verscherbeln lassen), war die Sowjetunion 1986 so frei,
zusammen mit den USA einen von Nigeria für Schwarzafrika und an-
dere Länder der Dritten Welt vorgebrachten Antrag abzulehnen,
Südafrika aus der internationalen Atom-Energie-Behörde in Wien
auszuschließen. Die R e a l i t ä t ist, daß so der Westen er-
reicht, worauf er aus ist: Beendigung der russisch-kubanischen
Präsenz in Angola. Angola selbst muß dann sehen, wie es mit der
neuen Lage zurechtkommt.
So hat sich die Chance einer "politischen Lösung" für den regio-
nalen Konflikt Angola ergeben. Südafrika, Angola und Kuba haben
vereinbart, die Waffen ruhen zu lassen. Südafrika hat seine Trup-
pen aus Angola zurückgezogen. Die SWAPO und selbst die UNITA er-
klären sich bereit, ihre Kampfhandlungen einzustellen. Gescha-
chert wird noch um den Zeitraum des Abzugs der kubanischen Trup-
pen. Nach letzten Meldungen soll Südafrika auf Anraten der USA so
großzügig sein, den Kubanern bis zum 1. August 1991 Zeit zu ge-
ben, aus Angola zu verschwinden. UNITA-Chef Savimbi fordert mal
wieder die Regierung in Luanda auf, mit seiner Rebellen-Organisa-
tion zu verhandeln - und Angolas Präsident dos Santos erklärt,
solche Verhandlungen nicht mehr grundsätzlich ausschließen zu
wollen.
Als "Krisenherd" auf dem Schwarzen Kontinent bliebe dann also
noch Äthiopien übrig.
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