Quelle: Archiv MG - AFRIKA ALLGEMEIN - Hungertod in 24 Staaten


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       MSZ 11-12/88
       
       Die regionalen Konflikte der Freien Welt
       Nebenfronten von gewaltigem Interesse
       
       Afrika
       

DER SCHWARZE KONTINENT - FAST RUSSENFREI

Schwarzafrikas Unabhängigkeit ----------------------------- Die ehemaligen europäischen Kolonialmächte haben das Ideal der Unabhängigkeit freier Staaten nie falsch verstanden. Sie gewähr- ten den Kolonien Afrikas nicht nationale Souveränität, um die Finger von diesen Ländern zu lassen, sondern waren selbstver- ständlich bemüht, Teile des vorherigen exklusiven Benutzungsver- hältnisses mit in die neue Zeit hinüberzunehmen. Vom Tage der Un- abhängigkeit an waren alle neuen Staaten auf dem schwarzen Konti- nent mit den ehemaligen Mutterländern durch militärische, ökono- mische, politische und finanzielle Kooperationsabkommen verbun- den. Der Einfluß Westeuropas in Afrika ist recht umfassend. W i r t s c h a f t l i c h hat Europa fast alle ehemaligen Ko- lonien voll im Griff, und das nicht nur durch ökonomische Sonder- beziehungen wie etwa die Franc-Zone, deren Länder ihre nationale Währung gleich an der französischen Nationalbank nachzählen. Die Entwicklungshilfe der Europäer, ob mit Kapital oder auch nur als technische Hilfe, der Handel der EG mit Afrika, für den das Ver- tragswerk von Lome festlegt, daß und zu welchen Konditionen alle Staaten Schwarzafrikas ihre landwirtschaftlichen und minerali- schen Rohstoffe in Europa verkaufen dürfen, haben eine Abhängig- keit der afrikanischen Länder geschaffen, denen gegenüber sich die EG oder ihre Hauptstaaten alle Möglichkeiten der Erpressung erlauben können. Im Süden sind die Anrainerstaaten Südafrikas auf Gedeih und Verderb auf Geschäfte angewiesen, die der Burenstaat mit ihnen aushandelt. Die S i c h e r h e i t s p o l i t i k, die vor allem Westeu- ropa mit und in Schwarzafrika betreibt, sorgt dafür daß alte Freundschaften erhalten bleiben die abhängig beschäftigten Souve- räne nichts falsch machen oder keine falschen ans Ruder kommen. Dafür haben England und Frankreich nach der Unabhängigkeit der Kolonien ihre Kolonialarmeen samt Offizieren erst einmal dagelas- sen. Dafür gibt es Militärhilfe, je nachdem, wie notwendig sie den Förderländern erscheint. In der Arbeitsteilung derer, die so Afrika souverän von außen be- treuen, übt die Bundesrepublik - abgesehen vom Waffenexport, der natürlich auch in Afrika seinen Aufschwung hat immer noch Zurück- haltung (weil andere schon da sind) in der direkten militärischen Unterstützung der afrikanischen Freunde, ist dafür aber führend in der Aufrüstung der von deutschen Experten trainierten schwar- zen Polizeitruppen. Mit Mauser-Pistolen, Mercedes-Lastwagen und mit von Siemens installierten Telefonanlagen werden die schwarzen Freunde und Helfer instand gesetzt, das Geschäft der Inneren Si- cherheit ordentlich zu versehen. Großbritannien liefert, wie seine NATO-Freunde, nicht nur Waffen, sondern ist mit Militärberatern in Uganda, Simbabwe und im Sudan gleich selbst präsent, während das höhere Militärpersonal aus Gambia, Sierra Leone, Nigeria, Ghana, Malawi, Sambia und Zaire in England für die heimatlichen Aufgaben ausgebildet wird. Mit Süd- afrika, das als Frontstaat des Westens das südliche Afrika be- friedet, unterhält die Führungsmacht des Commonwealth ausgezeich- nete militärische Beziehungen. Als militärisch konkurrenzlose Nr. 1 in Nord-, West- und Zen- tralafrika bewährt sich Frankreich, der Welt drittgrößter Waffen- exporteur. Permanent präsent sind französische Truppen in einem runden Dutzend afrikanischer Staaten. Die französische Enklave Djibouti am Horn von Afrika ist nichts als ein französischer Stützpunkt mit französischen Infanterie- und Artillerieregimen- tern, mehreren Panzer-Kompanien und einer Basis für Kriegs- schiffe. Die Zentralafrikanische Republik und damit steht sie nicht allein in Afrika - beherbergt französische Eliteeinheiten, die unter anderem über Mirage- und Jaguar-Jagdbomber verfügen. Ein weiterer Luft- und Seestützpunkt befindet sich auf der Mada- gaskar vorgelagerten Insel Reunion. Wo immer ein Umsturz verhindert oder unterstützt werden soll, eine separatistische Bewegung zu bekämpfen ist, oder Frankreich einen Krieg zwischen zwei afrikanischen Staaten in seinem Sinne entscheiden will, sind die französischen Einsatztruppen schon vor Ort oder bald zur Stelle - egal, ob es einen militärischen Koope- rationsvertrag gibt oder nicht. Allein von 1964 bis 1966 wurden bei "12 Gelegenheiten" (so ein französischer Informationsmini- ster) Frankreichs Soldaten in Afrika eingesetzt. Schläge größeren Kalibers führte Frankreich nach 1970: im Tschad-Krieg gegen die von Libyen unterstützten "Rebellen des Nordens", nach deren Kehrtwendung direkt gegen libysche Truppen im Norden des Tschad; in der Zentralafrikanischen Republik - "Aktion Barracuda" zum Sturz Bokassas 1979; in Zaire Interventionen in Shaba 1977 und 1978, zusammen mit den USA, Belgien und marokkanischen Truppen, gegen die Invasion der FNLC-Truppen (die kongolesische Nationale Befreiungsfront, die von Angola aus operierte); in Mauretanien; in Tunesien... Das geht so weiter Jahr für Jahr. Frankreich ist die westliche Ordnungsmacht in Nord-, West- und Zentralafrika. Die USA konzentrieren sich darauf, Staaten und Contras zu unter- stützen, die es (noch) mit dem Störenfried in Afrika, der So- wjetunion, feindlich zu tun haben. Militärische Stützpunkte haben die USA in Schwarzafrika in Liberia, Zaire, Kenia, Somalia und dem Sudan. Mit ihrer ziemlich umfassenden gewaltsamen Betreuung der Länder Afrikas - noch während und dann nach der Entkoloniali- sierung - sind die NATO-Staaten (und Südafrika hilft da gern) redlich bemüht, nichts anbrennen zu lassen auf dem Schwarzen Kon- tinent, der selbstverständlich dem Imperialismus gehört. Alltägliche Kriege ------------------ Gründe für kriegerische Auseinandersetzungen gibt es auf dem dun- klen Kontinent mehr als genug. Im Innern dieser Staaten stellt eine treue Soldateska - ob gekauft oder weil sie tatsächlich auch noch so auf den Führer steht, bleibt sich da gleich - das fast einzige Mittel der Souveränität des Potentaten dar. Da die Solda- ten nicht wegen der Staatsraison, sondern des Solds oder der Stammeszugehörigkeit wegen zu ihrem Oberst und/oder Staats-Häupt- ling halten, bleibt es nicht aus, daß Konkurrenten um die Macht - die einzige Stelle, wo es etwas zu holen gibt - auch mit geworbe- nen Soldaten antreten, um den Verräter an der Nation, den Egoisten des verhaßten Stammes wegzuputzen. Das weitet sich zu einem langwierigen "Bürgerkrieg" aus, wenn beide angestammten Konkurrenten um die Macht von ausländischen Förderern genügend militärischen Nachschub erhalten. So ein Krieg kommt natürlich auch zustande, wenn eine Stammesregion meint, ihren eigenen na- tionalen Laden aufmachen zu müssen, oder ein Herrscher be- schließt, präventiv mögliche Konkurrenten anderer Stammesfarbe auszurotten. Nach außen haben die herrschenden Afrikaner ihre Gründe, sich mit den Nachbarstaaten anzulegen. Sei es, weil sie ihre Nation, die sonst nichts putzt, unbedingt um ein eigentlich traditionell ein- heimisches Gebiet vergrößern wollen; sei es, daß ihnen an einem Stück Wasserlauf gelegen ist oder auch nur, daß sie das Durch- einander an der Grenze, die sie noch nie so recht im Griff hat- ten, zu einer ehrverletzenden Grenzverletzung erklären. So kommen dort regelrechte Kriege zustande. Verlauf und Dauer solcher Kriege hängen freilich davon ab, wie es mit der ausländischen Militärhilfe - in der Form direkter Ein- griffe oder als Waffenlieferung - bestellt ist. Und die fließt nicht einfach gemäß den Wünschen afrikanischer Souveräne, die ihre nationalen Ambitionen verwirklicht sehen möchten. Es ist die Entscheidung der Herren des freien Westens, was sie sich ihre guten Beziehungen zu diesem oder jenem Staat in Afrika kosten lassen wollen. Die Erwartungen der afrikanischen Herren, die ihre Macht festigen und die Nation stärken möchten mußten da oft ent- täuscht werden. So ist es kein Wunder, daß afrikanische Staaten aus ihrer Unzufriedenheit mit ihren westlichen militärischen Brötchengebern den Schluß zogen sich nach alternativen Helfern umzusehen. - Kein Staat Afrikas, kein Separatistenverein, der nicht einmal mit der Sowjetunion über Waffenlieferungen verhan- delt hätte. Und die Unabhängigkeitsbewegungen von Bedeutung, vor allem diejenigen, die in den letzten Kolonien Afrikas gegen Por- tugal um die Unabhängigkeit kämpften, sahen den Ostblock sowieso als ihren natürlichen Verbündeten an. Störenfried Sowjetunion ----------------------- Die Sowjetunion mischte sich in Afrika ein, um über freundschaft- liche Beziehungen zu afrikanischen Staaten auch auf dem Schwarzen Kontinent Einfluß zu gewinnen und ihre Rolle als Weltmacht Nr. 2 zu spielen. Es mag zwar sein, daß sowjetische Politiker in den 50er und 60er Jahren daran geglaubt haben, in Afrika gebe es im Zuge der Entkolonialisierung die Chance der Entwicklung soziali- stischer Systeme und eines antiimperialistischen Blocks. Alle De- finitionen unterstützenswerter Regime oder Bewegungen, die in der Sowjetunion erfunden wurden - "sozialrevolutionärer Kurs mit so- zialistischer Orientierung", "revolutionäre Demokraten", "Staat der nationalen Demokratie", "Block aller fortschrittlichen, pa- triotischen Kräfte" - belegen aber, daß unter afrikanischen Ver- hältnissen an so etwas wie dem Aufbau des Sozialismus sowjeti- scher Machart gar nicht gedacht war. Die Sowjetunion hat auch in Afrika außenpolitische Interessen verfolgt, mit keinem anderen Ziel, als das Zustandekommen bzw. die Unterstützung selbständiger befreundeter Staaten. Die haben sich übrigens gern sozialistisch genannt und damit nie etwas anderes gemeint als ihr Unabhängig- keitsideal. Ziemlich realistisch und gleichgültig gegen das jeweilige Staats- programm vor Ort gestaltete die sowjetische Außenpolitik ihre Hilfe für Afrika in den sechziger Jahren. "Die von Chruscev wegen ihrer sozialistischen Orientierung bevor- zugten Staaten Ghana, Mali, Guinea und Kongo-Brazzaville (die spätere Volksrepublik Kongo) erhielten zwar Militärhilfe, jedoch recht sparsam und gleichsam lustlos. Auf der anderen Seite wurden Staaten wie Somalia, Marokko oder der Sudan, die seinerzeit kei- nerlei Affinität zum Sozialismus zeigten, dafür aber strategische Bedeutung besaßen, mit sowjetischen Waffen reichlich versorgt. ... In den Jahren nach dem Machtwechsel in der Sowjetunion wurden So- malia, Nigeria und Uganda zu den wichtigsten Abnehmern sowjeti- scher Waffen, alles Staaten, die (zumindest bis 1969) keinerlei ideologische Nähe zur sowjetischen Staatsphilosophie aufwiesen." (Joachim Krause, Sowjetische Militärhilfepolitik gegenüber Ent- wicklungsländern, Baden-Baden, 1985, S. 289) Der Gesichtspunkt der Sowjetunion war eben nicht der von Freiheit oder Sozialismus. Nigeria und Uganda erhielten militärische Hilfe, weil die Sowjetunion gute Beziehungen zu diesen Ländern wollte. Sie warb dafür mit dem Eintreten für die Unabhängigkeit autonomer afrikanischer Staaten - in den nach Ende der Kolonial- herrschaft gesetzten Grenzen -, womit sie sich mit der OAU einig wußte. Die russischen Kommunisten verwechselten damals gern das Ideal der Unabhängigkeit selbständiger Staaten mit Antiimperia- lismus. - Nigeria bekam nach 1967 für den Erhalt der ganzen Na- tion eine komplette Luftwaffe plus Piloten (zumeist aus Ägypten) gestellt für den Krieg gegen die Ibos der Region Biafra, die sich selbständig machen wollten. Nigerias Präsident, General Gowon, dem es ausdrücklich um den Verbleib im westlichen Wirtschaftsver- band ging, ersuchte 1970 die Sowjetunion um Einstellung ihrer Mi- litärhilfe. Im Falle Ugandas war der Wunsch dieses Landes nach größerer Unabhängigkeit von Großbritannien für die Sowjetunion die Gelegenheit, zusammen mit der CSSR Obotes Streitmacht mit Luftwaffe, Schützenpanzern sowie anderen, leichteren Waffen aus- zurüsten. Die Militärhilfe wurde auch unter Idi Amin fortgesetzt (offenbar störte es die Russen nicht, daß auch Israel Waffen nach Uganda lieferte), bis sie auch dort zu Ende ging. Für die Feststellung des Freien Westens, die nicht lange auf sich warten ließ, daß nämlich Afrika Gefahr laufe, in die Hände des Kommunismus zu geraten, war es egal, wie sich der afrikanische Sozialismus aufführte, daß er sogar häufig in Distanz zur So- wjetunion ging. Für das westliche Urteil spielte es auch keine Rolle, welchen Erfolg die Russen damit hatten, sich in Afrika be- freundete Staaten zuzulegen. Der Versuch der Sowjetunion war für den Westen schon schlimm genug. Offenbar wurde dieser westliche Alleinvertretungsanspruch für Afrika zum ersten Mal an der "Kongokrise". In den Geschichtsbüchern heißt es, die belgische Kolonie sei "unvorbereitet in die Unabhängigkeit entlassen" wor- den. Das Urteil kommt daher, daß von einer stabilen Herrschaft von Europas Gnaden nicht die Rede sein konnte. Sofort nach der Staatsgründung meuterten erstens die bis dahin von Belgiern ge- führten Ordnungstruppen (Force Publique), und legten zweitens ei- nige Sezessionsbewegungen los. Das war nicht weiter schlimm: Bel- gische Truppen intervenierten, dann UNO-Truppen. Ernste "Panikstimmung" in Europa (so steht es schon wieder in den Ge- schichtsbüchern) kam aber auf, als Lumumba, den Chruschtschow si- cher nicht für einen Kommunisten hielt, immerhin die Weltlage so weit begriffen hatte, daß er 1960 ein Communique herausgab: "Der Ministerrat beschließt, unverzüglich die Sowjetunion sowie alle Länder des afro-asiatischen Blocks zur Entsendung von Trup- pen nach Kongo aufzufordern... Die Truppen werden sofort nach dem Abzug der belgischen Truppen und der Wiederherstellung der Ord- nung Kongo wieder verlassen." Lumumba hatte sich an die Alternative zu den westlichen Kontroll- mächten gewandt. Das erschien dem Westen Gefahr genug, daß die Sowjetunion in Schwarzafrika Fuß fassen könnte. Diese Möglichkeit mußte von vornherein verhindert werden. Westliche Truppen inter- venierten; die Sowjetunion kam dem Hilfeersuchen Lumumbas nicht nach. So entschied 1960 und 1964 der Westen allein die Macht- kämpfe im Kongo. Auch sonst war die Warnung vor einer russischen Gefahr in Afrika nicht zu verwechseln mit einem Urteil über die tatsächlichen Aktivitäten der Sowjetunion auf dem Schwarzen Kon- tinent. Das russische militärische Engagement in Schwarzafrika nahm sich bis zum Beginn der 70er Jahre vergleichsweise beschei- den aus. Und nicht nur bis zu diesem Zeitpunkt. Meldungen der folgenden Art: "In den 70er Jahren nahmen Ausmaß und Intensität sowjetischer Mi- litärhilfe in Schwarzafrika in geradezu dramatischer Weise zu." (Joachim Krause, a.a.O., S. 296) leben offenbar von dem Standpunkt, daß Afrika dem Freien Westen gehört, sich also die Sowjetunion aus Afrika herauszuhalten hat. Worin bestand denn der dramatische Anstieg der sowjetischen Ein- flußnahme mittels Waffenhilfe? Darin, daß die Sowjetmacht mit Un- terstützung Kubas in ganzen vier schwarzafrikanischen Staaten gründlich eingestiegen ist und dort nennenswerte militärische Hilfe geleistet hat. In Somalia, Angola, Mosambik und Äthiopien. Der 1974 zwischen S o m a l i a und der Sowjetunion geschlos- sene Freundschafts- und Kooperationsvertrag war 1977 zu Ende. Da begann nämlich Somalia gegen den erklärten Willen der Russen sei- nen Krieg gegen Äthiopien, um sich das Gebiet Ogaden einzuverlei- ben. Die Sowjetunion stellte sich offen auf die Seite Äthiopiens. Daraufhin kündigte Somalia den Freundschafts- und Kooperations- vertrag, wies die sowjetischen Berater und Militärexperten aus und fror die diplomatischen Beziehungen ein. So ging ein Stück afrikanischer Sozialismus seinen Gang. Für die Realisierung sei- ner nationalistischen Pläne nutzte Somalia die durch das sowjeti- sche Engagement in Äthiopien entstandene neue Lage jetzt im We- sten. Es kam zum historischen Einsatz der GSG 9 in Mogadischu und zum amerikanisch-somalischen Vertrag von 1980, der den USA Nut- zungsrechte am strategisch interessanten Marine- und Luftwaffen- stützpunkt Berbera sicherte, die die Russen nie bekommen hatten. Da waren's nur noch drei. M o s a m b i k beging nach westlichem Ermessen drei Fehler: Es stand der Befreiungsbewegung ZANU in Rhodesien bei. Das brachte Einbußen in den wirtschaftlichen Beziehungen, dazu die Überfälle der Smith-Truppen zwischen 1976 und 1979. Das Land unterstützte den ANC, der gegen das Apartheid-Regime in Südafrika kämpft. Die Antwort waren Bombenangriffe und Überfälle der Republik Süd- afrika. Außerdem führt die nationale Widerstandsbewegung Renamo oder RNM (Nationale Widerstandsbewegung von Mosambik), die von Südafrika gestützt und unterstützt wird, Krieg gegen die Regie- rung in Maputo. Und schließlich erhält Mosambik von der So- wjetunion Militärhilfe und hat mit den Russen ein Freundschafts- und Kooperationsabkommen geschlossen. Das hat die Ruinierung des sozialistischen Experiments der FRELIMO besiegelt. Südafrikas Krieg, wogegen die russische Militärhilfe nicht reicht; Südafri- kas und des Westens wirtschaftliche Erpressung, die von der so- wjetischen Wirtschaftshilfe nicht kompensiert wird - ein Antrag Mosambiks auf Aufnahme in den RGW wurde abgelehnt: Das alles hat den Staat fertiggemacht. Geblieben ist ein staatliches Notpro- gramm, das gleichzeitig die Lösung dieses regionalen Konflikts bedeutet. 1981 schließt Mosambik ein Militärhilfeabkommen mit Portugal und Tansania und beginnt den Kurs einer wirtschaftlichen und politischen Öffnung zu den westlichen Staaten. 1984 geht das Land den Diktatvertrag mit Südafrika ein; Mosambik verpflichtet sich, die Unterstützung des ANC aufzugeben, während Südafrika weiterhin und vertragswidrig die kriegführende Rebellenbewegung in Mosambik unterstützt: "Mosambik jetzt auf realistischen Kurs" (SZ; 2.6.87), heißt es. London schickt Offiziersausbilder und Be- rater für den Anti-Guerilla-Kampf. Das Regime in Maputo be- schließt von sich aus wirtschaftspolitische Maßnahmen, die sonst der IWF gebietet, und stellt den Antrag auf Mitgliedschaft in dieser Organisation. 1988 kommt ein Abkommen zwischen Südafrika, Mosambik und Portugal zustande, nach dem die von der Renamo zer- störte Stromleitung repariert werden soll, damit die Stromliefe- rungen vom Cabora-Bassa-Staudamm nach Südafrika wieder aufgenom- men werden können. Portugal rechnet dabei mit der Rückzahlung der Schulden für den Staudamm durch Mosambik. Südafrikas Präsident Botha trifft sich mit Staats- und Parteichef Chissano. Die Ren- amo, die weiter munter Krieg führt, bietet der Regierung in Ma- puto Verhandlungen an. Die USA verbessern die politischen Bezie- hungen zu den Regierenden in Maputo. - Da waren's nur noch zwei. Die letzten Gefechte -------------------- Reagan nennt auf der Liste ungerechtfertigter Einflußnahme der Sowjetunion auf dem Globus für Schwarzafrika noch zwei Staaten, aus denen die Russen gefälligst zu verschwinden hätten (Für die USA steht eben fest, daß es für regionale Konflikte nur einen Schuldigen gibt.): Äthiopien und Angola. Äthiopien --------- war bis Mitte der 70er Jahre das von den USA bevorzugte Militär- hilfeempfängerland in Afrika. Das strategische Interesse der er- sten Weltmacht an dieser Region hatte schon 1953 zu einem Vertrag mit der abessinischen Monarchie "über gemeinsame Verteidigung" geführt. Unter der Monarchie wurde das am südlichen Ausgang des Suez-Kanals sowie am Indischen Ozean gelegene Land, vor allem für die Überlassung des größten vorgeschobenen westlichen Horchpo- stens Kagnew, bis 1976 mit runden 300 Millionen Dollar ausgerü- stet. Zu jener Zeit hatten die USA noch mit einer unsicheren Öl- region, einem moskaufreundlichen "Nasserismus" in Ägypten, dem sowjetischen Aufbau eines Flottenstützpunkts im somalischen Ber- bera und der sowjetischen Unterstützung der Befreiungsbewegung in Eritrea zu rechnen. Der Schwenk Ägyptens ins westliche Lager, überhaupt die Verände- rung des politischen Kräfteverhältnisses in der Golfregion zugun- sten des Westens, aber auch das Mißtrauen der USA gegenüber der 1974 durch Putsch an die Macht gekommenen Militärregierung bewo- gen die Amerikaner dazu, ihre Waffenhilfe an Äthiopien einzustel- len und ihre Freundschaft zu diesem Staat aufzukündigen. Die strategische Bedeutung Eritreas und damit Äthiopiens war relati- viert; Somalia, der Erzfeind Äthiopiens, wurde der neue Verbün- dete der USA, etwa zu der gleichen Zeit, als sich die Sowjetunion von Somalia ab- und Äthiopien zuwandte. Als nach 1976 - in diesem Jahr hatten die USA noch Waffen im Wert von 100 Millionen Dollar geliefert - die westliche Waffenhilfe eingestellt wurde, Somalia 1977 mit regulären Truppen den Ogaden angriff und im Krieg gegen die Aufständischen in Eritrea eine mi- litärische Niederlage drohte, geriet Äthiopien mitsamt seinem Mengistu-Regime an den Rand einer militärischen Katastrophe. "Dieses Patt (im Ogaden-Krieg) sowie die ständig sich verschlech- ternde Lage des Mengistu-Regimes, welches sich auch noch mit der Aussicht auf einen militärischen Zusammenbruch in Eritrea kon- frontiert sah, führten die Sowjetunion im November (1977) zu dem Entschluß, gemeinsam mit Kuba, Süd-Jemen und der DDR dem bedräng- ten DERG (Provisorischer militärischer Verwaltungsrat) mit einer spektakulären Militärhilfeoperation unter die Arme zu greifen. ... Innerhalb von fünf bis sechs Wochen wurden zwischen 190000 und 240000 Tonnen militärischen Geräts per Schiff und Flugzeug nach Äthiopien transferiert. ... Im Januar 1978 begann dann ein ebenso wirkungsvoller Transfer kubanischen Militärpersonals nach Äthiopien. Mitte Februar standen bereits 11000 kubanische Solda- ten bereit, die zudem durch ein südjemenitisches Expeditionscorps von 2000 Mann sowie 50 Piloten aus Nordkorea ergänzt wurden. Die DDR schickte auch Waffen und offenbar auch Kampfeinheiten..." (Joachim Krause, a.a.O., S. 327/328) Es gelang den Verbündeten, die somalischen Truppen aus dem Ogaden zu vertreiben. Die Rückeroberung der wichtigsten Städte Eritreas brachte der Regierung aber nicht den gewünschten Erfolg, zumal die Sowjetunion und Kuba nur geringe militärische Hilfe leisteten für diesen Krieg, da sie nicht gegen die marxistischen Rebellen in dieser Provinz antreten wollten und für ein autonomes Eritrea eintraten. Die Kontrolle und Eingemeindung ins Staatsgebiet ist bei dieser Provinz bis heute nicht gelungen. Das Regime führt Dauerkrieg gegen die sezessionistischen Guerillatruppen in Eritrea, Tigre und Wollo, ebenso im südlichen Ogaden. Über Soma- lia und den Sudan werden die Aufständischen vom Westen mit Waffen versorgt, damit der Krieg gegen die Regierung nicht aufhört. Äthiopien bekommt zu spüren, was es heißt, vom Westen zum Feind erklärt zu werden, weil man mit dem Hauptfeind im Osten gemein- same Sache macht. Die staatliche Einheit kommt nicht zustande, geschweige denn eine wirtschaftliche Entwicklung. Dafür ist die Wirtschaftshilfe aus dem Ostblock zu gering den Antrag auf Auf- nahme in den RGW lehnte die Sowjetunion ab. Äthiopien verkauft seinen Kaffee auf dem Weltmarkt, erzielt Hungerrekorde und darf sich westlichen Mitleids und westlicher Feindschaft ineins er- freuen. Und die Sowjetunion, der ihr Einsatz in Äthiopien als eine ihrer weltpolitischen Todsünden vorgehalten wird, hat in Äthiopien nicht einmal irgendwelche Stützpunktrechte erworben. Der letzte Stand ist, daß die Sowjetunion Angebote zur friedli- chen Lösung dieses regionalen Konflikts macht. "Wichtige Schritte zur Gesundung der Lage am anderen Ende dieses Kontinents in der Region des Horns von Afrika, waren der Beschluß zur Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Äthiopien und Somalia und die Anstrengungen Äthiopiens, die Beziehungen zum Sudan zu normalisieren." (A. Kislow, Prawda) Angola ------ Die portugiesische Kolonie wurde zum Zeitpunkt ihrer Entkolonia- lisierung (1975) für den Imperialismus zu einem ernsten Fall. Vorher zeigte sich der freie Westen am "Kampf des angolanischen Volkes zur Befreiung vom Joch der portugiesischen Kolonialherr- schaft" praktisch völlig desinteressiert. Aber auch die OAU, China und der Ostblock unterstützten die drei Befreiungsbewegun- gen MPLA, FNLA und UNITA, die seit Mitte der 60er Jahre unabhän- gig voneinander Krieg gegen Portugal führten, mit nur beschei- denen Mitteln. Die Folge war, daß die militärische Lage der Be- freiungsbewegungen kurz vor der Entlassung Angolas in die Unab- hängigkeit aussichtslos war. "Die portugiesischen Anstrengungen, den antikolonialistischen Kampf zu unterdrücken, hatten sich seit 1972 verstärkt. Effektive Methoden der Guerillabekämpfung wurden angewandt, die die Lage der MPLA - ebenso wie die der anderen Befreiungsbewegungen - de- solat werden ließen. Zu Beginn des Jahres 1974 galt der Befrei- ungskampf in Angola als mehr oder weniger gescheitert; alle drei Befreiungsbewegungen sahen sich aus den wichtigen Regionen und Zentren verdrängt und bekämpften sich obendrein gegenseitig." (Kranze, a.a.O., S. 303) Die Rivalität der Bewegungen rührt nicht aus unterschiedlichen Programmen her (weshalb ihre Namen auch wurscht sind). Alle Pro- gramme enthielten die Verurteilung von Imperialismus und Neokolo- nialismus und als Ziele die Verstaatlichung wichtiger Industrien, Agrarreform, Aufbau von landwirtschaftlichen Kooperativen, Garan- tie bürgerlich-demokratischer Freiheiten, Verbesserung des Gesundheits- und Erziehungssystems, Blockfreiheit und was sich sonst noch so gehört, wenn man nationale Selbständigkeit auf seine Fahnen geschrieben hat. Die Bewegungen konkurrierten miteinander aus Stammesgründen und wegen ähnlichem Unsinn. Nach dem politischen Umsturz in Portugal versprach die Militärre- gierung die Entlassung ihrer Kolonien in die Unabhängigkeit; Sei- tens der OAU war 1974 - warum, weiß der Geier die MPLA die einzig anerkannte Befreiungsbewegung. Die portugiesische Militärregie- rung handelte jedoch mit allen drei Organisationen den Vertrag von Alvor aus, in dem vorgesehen war, daß bis zum Tag der Unab- hängigkeit (11.11.1975) eine Übergangsregierung aus Vertretern aller drei Bewegungen amtieren und durch Wahlen eine verfassungs- gebende Versammlung geschaffen werden sollte. Die drei Organisa- tionen bildeten einerseits diese Übergangsregierung, eskalierten aber andererseits den Kampf gegeneinander, um bei den Wahlen für einen eindeutigen Ausgang sorgen zu können. Darin sahen aber Ost und West noch keinen Anlaß, einer Partei zum Sieg zu verhelfen. Das sollte sich bald ändern. Erst legte die FNLA zu, als ehema- lige MPLA-Verbände zu ihr übertraten. Dann errang die MPLA Vor- teile, weil sie sich mit den etwa 4000 Katanga-Gendarmen verbün- dete, denselben, die einmal auf seiten der Katanga-Separatisten im Kongo, später auf seiten der portugiesischen Kolonialherren gekämpft hatten. Schließlich intervenierte das benachbarte Zaire mit einem Truppenkontingent von 1200 Soldaten, um die FNLA zu un- terstützen. Angesichts dieser Eskalation, und nachdem alle Vermittlungsversu- che der OAU spätestens im Juni 1975 gescheitert waren, entschloß sich die Sowjetunion, der MPLA mit größeren Waffenlieferungen zu helfen. Im Sommer 1975 kamen die ersten kubanischen Militärbera- ter. Wegen dieses sowjetischen und kubanischen Engagements begann sich der Westen schlagartig für Angola zu interessieren. Am 17. Juli 1975 genehmigte der Nationale Sicherheitsrat der USA eine "covert assistance" in Höhe von 32 Millionen Dollar für FNLA und UNITA. Südafrika lieferte Waffen an diese beiden Organisationen und führte mit ihnen eine gemeinsame Militäraktion durch. Der Bu- renstaat bildete UNITA-Einheiten aus. "Am 14. Oktober (1975) fielen südafrikanische Einheiten in einer Stärke von 2000 bis 3000 Mann in Angola ein und begannen entlang der Küste etwa 700 km vorzustoßen. Die Verbände der MPLA mußten vor diesen Truppen zurückweichen und fanden sich im Norden durch die gleichzeitige Offensive von FNLA und UNITA, an der auch zai- rische Verbände teilnahmen, bedroht. ... sie (die MPLA) kontrol- lierte nur noch die Region um die Hauptstadt Luanda sowie einen Landstreifen in östlicher Richtung. In dieser Situation begann auf Drängen Kubas am 7. November die Operation 'Carlota', die ur- sprünglich ein rein kubanisches Unternehmen war, an dem die UdSSR jedoch nach kurzem Abwarten mitwirkte. Innerhalb von wenigen Ta- gen wurden mehrere tausend Mann kubanischer Kampftruppen von ku- banischen und später sowjetischen Flugzeugen eingeflogen. Zusätz- lich wurde von der Sowjetunion aus eine Luftbrücke errichtet, auf der etwa 18.000 Tonnen Kriegsmaterial nach Angola gelangten. ... Mit Hilfe der Kubaner und der gelieferten schweren Waffen gelang es den MPLA-Verbänden einen Tag vor Erlangung der Unabhängigkeit, den militärischen Angriff der FNLA auf Luanda abzuschlagen." (Krause, a.a.O., S. 309) Die Volksrepublik Angola wurde von der MPLA regiert, FNLA und UNITA wurden entscheidend geschlagen und Städte und Dörfer zurüc- kerobert. Der Krieg in Angola war damit nicht beendet. Mit Unterstützung Südafrikas und des Westens organisierte sich die UNITA neuerlich und errang die weitgehende Kontrolle über den Südosten des Lan- des. Militärische Überfälle der Republik Südafrika von Namibia aus, die den Süden Angolas geradezu als ihr Aufmarschgebiet be- trachtet, gehören zum Alltag des Landes. Die Rechnung der MPLA, sich mit sowjetischer und kubanischer Hilfe gegen die Feinde im Innern und von außen durchsetzen zu können, ist nicht aufgegan- gen. Die Herrschaft der MPLA erstreckt sich lediglich auf die Hauptstadt Luanda und den Norden des Landes, und auch das nur mit sowjetischer und kubanischer Hilfe. Auch die Teilkapitulation, das Waffenstillstands- und Truppenrückzugsabkommen mit Südafrika von 1984, änderte nichts an dieser Lage. In dem Vertrag ver- pflichtete sich Angola, der SWAPO Namibias keine Operationsbasis mehr zu gewähren, und erklärte sich Südafrika bereit, die in An- gola stehenden Truppen zurückzuziehen. Aber weiterhin war die Re- publik Südafrika in Südangola militärisch präsent, zu einer Auf- gabe der Unterstützung der UNITA hatte sie sich nie verpflichtet. Der fortwährende Krieg hat nicht nur Leichen produziert, sondern auch dafür gesorgt, daß die Wirtschaft statt aufgebaut gründlich ruiniert wurde. Was wie ein politischer Treppenwitz gehandelt wird, ist gar keiner: Eine US-Gesellschaft scheffelt in der ango- lanischen Enklave Cabinda Öl und Profit. Washington beliefert die UNITA mit Dollarmillionen. Savimbis Truppen greifen - so gesche- hen 1986 - die Chevron Gulf Company an. Kubanische Soldaten schützen sie. Deren Einsatz wird vom angolanischen Staat bezahlt, der 85% seiner gesamten Deviseneinnahmen aus der Ölförderung in Cabinda bezieht. Es geht dem Imperialismus eben um Höheres als um ein Geschäft, darum, auch diese Ecke Afrikas vom sowjetischen Einfluß zu befreien. Dafür wird Krieg geführt in Angola. "Bricht der Frieden aus?" ------------------------- Die Frechheit, mit der Südafrika der Kritik an der Apartheid be- gegnet - "Das Gesetz über die getrennten Wohngebiete ist das Er- gebnis einer historischen Entwicklung" (Staatspräsident Botha) -, die Ungerührtheit, mit der sich dieser Staat gibt gegenüber dro- henden oder verhängten wirtschaftlichen oder militärischen Sank- tionen - "Ich kann mir nichts Lächerlicheres vorstellen. ... Sie werden Afrika nicht umbringen." (Außenminister Botha) -, bewei- sen, daß der Burenstaat die Anklage gegen sein spezielles System und die ab und an verhängten Sanktionen nicht verwechselt mit seiner tatsächlichen Rolle in der Welt des freien Westens. Und auch die USA und ihre maßgeblichen Mitmacher in Europa verwech- seln die beiden Sachen nicht miteinander, sonst gäbe es dieses "Unrechtsregime" längst nicht mehr so. Den demokratischen und ka- pitalistischen Ländern des Westens ist Südafrika ein nützlicher Partner, wegen seiner Wirtschaft und da im besonderen wegen sei- ner strategisch wichtigen Rohstoffe; und wegen der Aufgabe, der Südafrika gern nachkommt, als Frontstaat der USA und ihrer NATO das südliche Afrika zu befrieden und am Kap der guten Hoffnung die strategische Stellung zu halten. Was im südlichen Afrika un- ter Kontrolle Südafrikas läuft, hat mit Menschenrechten so wenig zu tun wie die U-Boot-Blaupausen aus Kiel mit Verbrechen. So ist auch die gegenwärtige Entwicklung in Angola nicht die Folge von amerikanischen Wirtschaftssanktionen oder eines politi- schen Drucks auf die Regierung in Südafrika. Schon gar nicht hat Genscher den Botha schwer in die Enge vermittelt und Kohl dem Savimbi bei dessen Besuch Friedensleviten gelesen. Die USA und Südafrika können ja auch schließlich ziemlich zufrieden sein mit dem Erfolg ihrer bisherigen Unternehmungen gegen Angola und das sowjetisch-kubanische Engagement dort. Von wegen, Südafrika habe an der Angolafront Niederlagen erlitten, die Kosten des Kriegs würden die Wirtschaft schwer belasten, die zudem noch Krisener- scheinungen zeige. Nein, die USA und Südafrika haben sich darüber geeinigt, die Chance zu ergreifen, die Russen und Kubaner mit ei- ner gütlichen Einigung aus Afrika verschwinden zu lassen. Diese Chance haben sich Südafrika und die USA beharrlich erarbeitet. Ihr direkter oder - über die UNITA - indirekter Krieg gegen An- gola bedeutet für die Sowjetunion und Kuba, daß ihr Plan nicht aufgeht, die Souveränität ihres verbündeten Staats auf eigene Füße zu stellen. Sie helfen mit Waffen oder sind im Lande, um Krieg zu führen, und sorgen dafür, daß die regierende MPLA im Amt bleibt. Sonst nichts. Und die Regierung in Luanda hat aus der Ausweglosigkeit für ihr Staatsgebilde schon ihre Schlüsse gezo- gen: Seit ein paar Jahren ersucht sie die USA um Verhandlungen. Sie war in Paris, um von dort Waffen für den Bürgerkrieg zu be- kommen. Sie beantragte die Aufnahme in IWF und Weltbank sowie die Mitgliedschaft im Lomé-Abkommen. Sie bietet ausländischen Inve- storen die Gelegenheit, die Diamantenvorkommen auszubeuten... Das ist das eine, wofür Südafrika und die USA mit ihrem militäri- schen Engagement gesorgt haben. Das andere ist der "Neue Realis- mus" der sowjetischen Außenpolitik. Die Sowjetunion übt Selbst- kritik an ihren Versuchen, Drittweltländern die Unabhängigkeit vom Imperialismus zu verschaffen und sich so befreundete Staaten zu gewinnen. Das harte I d e a l besteht in der Vorstellung, daß Angola unabhängig von sowjetischer Hilfe und Gewalteinsatz seine Selbständigkeit und seinen Frieden findet, weil die Groß- mächte darüber einig würden, daß das so sein soll. Und weil auch Südafrika ein realer Staat ist (über den sich z.B. russische Dia- manten verscherbeln lassen), war die Sowjetunion 1986 so frei, zusammen mit den USA einen von Nigeria für Schwarzafrika und an- dere Länder der Dritten Welt vorgebrachten Antrag abzulehnen, Südafrika aus der internationalen Atom-Energie-Behörde in Wien auszuschließen. Die R e a l i t ä t ist, daß so der Westen er- reicht, worauf er aus ist: Beendigung der russisch-kubanischen Präsenz in Angola. Angola selbst muß dann sehen, wie es mit der neuen Lage zurechtkommt. So hat sich die Chance einer "politischen Lösung" für den regio- nalen Konflikt Angola ergeben. Südafrika, Angola und Kuba haben vereinbart, die Waffen ruhen zu lassen. Südafrika hat seine Trup- pen aus Angola zurückgezogen. Die SWAPO und selbst die UNITA er- klären sich bereit, ihre Kampfhandlungen einzustellen. Gescha- chert wird noch um den Zeitraum des Abzugs der kubanischen Trup- pen. Nach letzten Meldungen soll Südafrika auf Anraten der USA so großzügig sein, den Kubanern bis zum 1. August 1991 Zeit zu ge- ben, aus Angola zu verschwinden. UNITA-Chef Savimbi fordert mal wieder die Regierung in Luanda auf, mit seiner Rebellen-Organisa- tion zu verhandeln - und Angolas Präsident dos Santos erklärt, solche Verhandlungen nicht mehr grundsätzlich ausschließen zu wollen. Als "Krisenherd" auf dem Schwarzen Kontinent bliebe dann also noch Äthiopien übrig. zurück